AK Unternehmensradar 2025: gute Kennzeichen trotz Krise
Um eine Schnelleinschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung der größten Unternehmen des Landes (ohne Finanzsektor) durchführen zu können, erstellt die AK Wien jährlich im Dezember den AK Unternehmensradar. Insgesamt wurden 800 Jahresabschlüsse für 2022-2024, die bereits vorlagen, einer Analyse unterzogen. In diesen Unternehmen, die im Jahr 2024 zusammen eine Betriebsleistung (Umsatz) von 307 Mrd. Euro (-4,2 %) erzielten und aufgrund von außerordentlichen Erträgen sowie höheren Beteiligungserträgen sogar den Gewinn vor Steuern noch um 2,1 % auf 23,6 Mrd. Euro steigern konnten, sind mit 650.707 Arbeitnehmer:innen rund ein Sechstel aller unselbständig Erwerbstätigen beschäftigt.
Trotz Rezession bemerkenswerte Robustheit
Die wirtschaftliche Lage der großen österreichischen Kapitalgesellschaften weist 2024 trotz der Rezession eine bemerkenswerte Robustheit auf. Der AK Unternehmensradar zeigt, dass die Ertragslage weiterhin positiv ist, obwohl der Gewinn aus dem Kerngeschäft leicht rückläufig war. Die EBIT-Quote, als Indikator der Ertragskraft, lag im Durchschnitt bei 4,7 Prozent, leicht unter dem Wert von 2023. Nach wie vor wird eine sehr gute zweistellige Eigenkapitalrendite verdient. Finanziell sind die großen Unternehmen mit hohem Eigenkapital und ausreichender Liquidität krisenfest aufgestellt. Bei den Investitionen zeigt sich 2024 eine sinkende Bereitschaft auf doch noch zufriedenstellendem Niveau. Neuinvestitionen sind durch den Preisanstieg im Untersuchungszeitraum allerdings teurer geworden, was die Kennzahl der Investitionsneigung überschätzt erscheinen lassen könnte.
Schieflage in der Verteilungspraxis
In der betrieblichen Verteilungspolitik bleibt die Ausschüttung der Gewinne an Aktionär:innen und Mutterunternehmen hoch, mit 65,5 Prozent der Gewinne im Jahr 2024. Die Ausschüttungstangente liegt bei 36,9 Prozent der Bruttolohn- und Gehaltssumme aller Arbeitnehmer:innen, was eine Schieflage in der Verteilungspraxis zeigt. Der durchschnittliche Bruttoverdienst stieg im Vergleich zu 2023 um 6,8 Prozent auf 59.596 Euro, während die Wertschöpfung pro Kopf um 2,5 Prozent und der Gewinn vor Steuern um 2,3 Prozent zunahmen.
Effektive Unternehmensbesteuerung sinkt weiter
Die effektive Unternehmensbesteuerung zeigt, dass der durchschnittliche effektive Steuersatz 2024 bei 19,7 Prozent lag und um einen weiteren Prozentpunkt abgesunken ist. Er liegt damit um 3,3 Prozentpunkte deutlich unter dem gesetzlichen Steuersatz von 23 Prozent. Große Kapitalgesellschaften zahlen im Durchschnitt nur 1,33 Prozent der Betriebsleistung als Gewinnsteuern, da diverse bilanz- und konzernpolitische Maßnahmen den zu versteuernden Gewinn minimieren. Angesichts der Budgetkrise und den großen gesellschaftlichen Herausforderungen, erweist sich die durchgeführte Steuersenkung als Boomerang.
Insgesamt zeigt sich somit trotz Herausforderungen eine starke wirtschaftliche Performance der großen österreichischen Kapitalgesellschaften, jedoch mit Schwächen in der Verteilung der Gewinne und einer suboptimalen Steuerleistung.
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