Elisabeth Lugger
© Lisa Lux, AK Wien

Vorstandsgehälter der ATX Unternehmen steigen wieder

Die Abteilung Betriebswirtschaft der AK Wien analysiert bereits seit 20 Jahren die Vergütungspolitik der wichtigsten börsennotierten Unternehmen im österreichischen Leitindex ATX (Austrian Traded Index). Die Betrachtung der Entwicklung der Managergehälter zeigt eine eklatante Einkommensspreizung. 

Das durchschnittliche Gehalt erreicht Höchstwert,
die Einkommensspanne spreizt sich

Ein:e durchschnittliche:r Top-Manager:in erhält laut neuester AK Erhebung im Jahr 2022 rund 2,3 Mio. Euro an Vorstandsvergütung. Im Dreijahresvergleich 2020 bis 2022 bedeutet dies einen kräftigen Anstieg um 25 %. Das ist das höchste Ergebnis in den letzten 20 Jahren! Auch die Einkommensspreizung vergrößert sich immer weiter: Seit 2003 springt das durchschnittliche Vorstandsgehalt von einem 24-Fachen auf das 64-Fache des mittleren Einkommens der Beschäftigten in Österreich!

Das Ranking der Top 10 Spitzenverdiener:innen

Die zehn Spitzenverdiener:innen erhalten zusammen mehr als ein Viertel der Gesamtvergütung aller 94 ATX Vorstandsmitglieder. Insbesondere die Bawag Group nimmt eine Spitzenposition ein, der Vorstand erhält in Summe mehr als jeder andere Gesamtvorstand. Von der Bawag Group sind fünf der sechs Vorstandsmitglieder in den Top 10 vertreten. Die restlichen Ränge teilen sich Mayr-Melnhof, 2 Mitglieder der Andritz, Voestalpine und Immofinanz. Die einzelnen Vorstandsvergütungen der Spitzenverdiener:innen liegen zwischen 4 und 9,4 Mio. Euro.

Hohe Boni bei mangelhafter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien

Die Boni machen etwa die Hälfte der Gesamtvergütung aus. Leider weisen weiterhin 25 % der Unternehmen in ihren Vergütungsberichten kein einzig konkretes Nachhaltigkeitsziel aus, das die ökologische oder die soziale Verantwortung oder die Governance fördert. Lediglich jedes dritte Unternehmen definiert ausdrücklich Kriterien aller drei Kategorien. Zudem sind die Nachhaltigkeitskriterien bei der Festlegung von Boni im Vergleich zu finanziellen meist gering gewichtet: Nur jedes fünfte Unternehmen berücksichtigt diese grundsätzlich in einer ausreichenden Höhe und zwar mindestens zu einem Drittel.

Weiterhin keine Berücksichtigung eines Angemessenheitsfaktors

Ob die Einkommen auseinanderdriften, zeigt die „Manager to Worker Pay Ratio“. Mit ihr kann ein angemessenes Verhältnis zwischen der Vorstands- und der Belegschaftsvergütung vom Aufsichtsrat hergestellt werden. Nur fünf Unternehmen berechnen einen in diese Richtung gehenden Faktor und stellen diesen in ihrem Vergütungsbericht dar. Nur zwei der 20 ATX Unternehmen definieren ein Angemessenheitsverhältnis als Orientierungs-bzw. Zielwert für die Vorstandsvergütung.

"Es liegt in der Verantwortung des Aufsichtsrats, einen Zielwert für ein angemessenes Verhältnis zwischen dem Vorstands- und dem Arbeitsentgelt der Beschäftigten und Maximalvergütungen zu definieren, um ein weiteres Auseinanderdriften der Einkommen zu verhindern. Als weiteren Schritt zum nachhaltigen Wirtschaften haben Nachhaltigkeitsziele generell und mindestens zu einem Drittel Eingang in die variable Vorstandsvergütung zu finden." 

Elisabeth lugger, Ak Wien

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