Menschen stehen vor einer Weltkarte © Jürgen Fälchle, stock.adobe.com
Menschen stehen vor einer Weltkarte © Jürgen Fälchle, stock.adobe.com

Wege zur mitbestimmten Digitalisierung: Gestaltungsoptionen für BetriebsrätInnen

Die Digitalisierung ist in aller Munde und sie schreitet unaufhaltsam voran. Sie verändert den Arbeitsalltag der meisten Beschäftigten tiefgreifend. Und oft geschieht das still und leise, quasi nebenher. 

Umso mehr stellen sich Fragen: Wie können die Rahmenbedingungen der Digitalisierung sinnvoll gestaltet werden? Wie kann die Einbindung und Mitwirkung der Beschäftigten und Betriebsräte gesichert werden? Welche Möglichkeiten können Betriebsräte nützen und welche Handlungsoptionen stehen ihnen offen? Und auch: Mit welchen Stolpersteinen muss gerechnet werden? 

Im Rahmen der Veranstaltung "Wege zur mitbestimmten Digitalisierung: Gestaltungsoptionen für Betriebsräte" widmeten sich die AK-Wien, das FORBA Institut gemeinsam mit der GPA-djp der Frage wie Mitbestimmung des Betriebsrates bzw. Mitgestaltung der Beschäftigten im Zuge der Digitalisierung in der Praxis aussehen könnten. 

"Betriebsräte sind Seismografen in Echtzeit"

Agnes Streissler-Führer in ihrem Eingangsstatement

Sie formuliert dabei ein klares Ziel: "Der Mensch muss in der Entscheidungshoheit bleiben".

Kernpunkte der FORBA Studie: Entwicklungstrends digitaler Arbeit

Ausgangspunkt der Veranstaltung bildet die von der AK-Wien beauftragte Studie „Entwicklungstrends digitaler Arbeit“, die von Forba und Uni Wien (Jörg Flecker) verfasst wurde. Philip Schörpf von Forba (stellvertretend für das AutorInnenteam) sieht dabei folgende Trends:

  • Innerbetriebliche Digitalisierung der Kommunikations- und Kommunikationsabläufe
  • Ortsunabhängiges Arbeiten durch digitale Arbeitsmittel
  • Reorganisation der Arbeitsabläufe
  • Komplexe Automatisierungen, Robotic Process Automation und Künstliche Intelligenz
  • Vernetzung von IT-Systemen

Wie die AutorInnen betonen, findet Digitalisierung in unterschiedlichem Tempo und Ausmaß und in unterschiedlicher Art und Weise statt. Die Arbeitswelt ändert sich, wie sie sich schon in früheren Zeiten immer wieder geändert hat. Allerdings ist da und dort eine bisher nicht beobachtete Beschleunigung festzustellen, deren Auswirkungen in alle Richtungen geht. Ein oft auftretendes Phänomen ist dabei ortsunabhängiges Arbeiten. Ortsunabhängiges Arbeiten wird insbesondere auf zwei Ebenen beobachtet: die Möglichkeit, außerhalb des Unternehmens zu arbeiten, umgekehrt aber auch die Möglichkeit eines externen Zugriffs auf IT-Systeme von KundInnen oder Lieferanten. 

Phänomene wie maschinelles Lernen, Prozessautomatisierung und Künstliche Intelligenz werden beobachtet, befinden sich meist aber erst in einer Pilotphase. Auch Auslagerungen sind im Zusammenhang mit digitalen Technologien (wieder) ein Thema, allerdings lassen sich keine eindeutigen Muster ableiten: viele administrative Bereiche sind bereits ausgelagert, andere kommen als Insourcing wieder zurück ins Unternehmen und neue (Kern)Bereiche werden für Outsourcing erschlossen.

Handlungs­möglich­keiten: Einblicke in die betriebliche Praxis

Nach der Studienpräsentation wurden die Thesen der Studienautoren in vier Workshops diskutiert. Im Vordergrund standen dabei vor allem die Handlungsmöglichkeiten der Arbeitnehmervertretungen. In Kooperation mit dem Beirat für Arbeit und Technik der GPA berichteten BetriebsrätInnen etwa von der Erste Bank, Uniqua, Schindler, Volkshilfe, BAWAG, IBM und Novartis aus ihrer betrieblichen Praxis. Im Mittelpunkt standen dabei einerseits die Frage, wie die Digitalisierung bei ihnen im Betrieb denn tatsächlich aufschlägt, andererseits aber auch, mit welchem Instrumentarium Betriebsrat und Gewerkschaft die anstehenden Veränderungen mitgestalten. Die Diskussion fand organisatorisch in 4 Workshops statt:

  • Zusammenarbeit und Kontrolle
  • Ortsunabhängiges Arbeiten
  • Künstliche Intelligenz, Algorithmen und Big Data,
  • Digitalisierung als Treiber von Umstrukturierungen

Silvia Hruška-Frank erinnert in der abschließenden Podiumsdiskussion an eines der wirksamsten Werkzeuge für betriebsrätliche Arbeit: an das Arbeitsverfassungsgesetz. Das gibt immer noch viel her, die rechtliche Verankerung des Betriebsrats gibt es auch schon 100 Jahre. Nicht zuletzt deshalb qualifizieren Verfechter einer zügellosen Digitalisierung ArbeitnehmerInnen-Vertretungen als „revolutionären Schutt“ ab. Die Realität ist eine andere: Betriebsräte sind angesichts der Digitalisierung aktueller und geforderter denn je; ihr beherztes Einschreiten ebenso. Für Jörg Flecker ist Digitalisierung immer mit Machtinteressen verbunden. Wer die Macht hat, bestimmt auch den Einsatz der digitalen Instrumente. Mitbestimmung und Mitgestaltung muss entsprechend eingefordert werden, sie ist nicht von vornherein selbstverständlich. 

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