Allgemeines zur Ar­beit­nehm­er­Innen­ver­an­lag­ung

Wie funktioniert die ArbeitnehmerInnenveranlagung (ANV) oder "der Steuerausgleich"? Fangen wir bei den Formularen an! 

  • Für ArbeitnehmerInnenveranlagung (ANV) brauchen Sie das Formular L 1

  • Sie haben Kinder, für die Sie Familienbeihilfe beziehen oder Unterhalt bezahlen? Dann benötigen Sie zusätzlich das Formular L 1k.

  • Sie haben außergewöhnliche Belastungen, z.B. Krankheitskosten? Dann brauchen Sie zudem das Formular L 1ab.

  • Sie haben Einkünfte ohne inländischen Lohnsteuerabzug, z.B. ausländische Pensionen? Dann müssen Sie zusätzlich das Formular L1i ausfüllen.   

Was automatisch gemeldet wird

Seit dem Steuerjahr 2017 werden dem Finanzamt folgende Ausgaben automatisch  gemeldet: 

  • Kirchenbeiträge
  • Spenden
  • Beiträge für den Nachkauf von Schulzeiten und
  • Beiträge für freiwillige Weiterversicherung 
     
  • Wollen Sie Kirchenbeiträge oder Beiträge für den Nachkauf von Schulzeiten bzw. die freiwillige Weiterversicherung von Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin oder Ihren Kindern absetzen, dann müssen Sie das mit dem Formular L1d erklären.

Wo gibt's die Formulare für den Steuerausgleich? 

  • Die Formulare erhalten Sie bei jedem Finanzamt. Alternativ können Sie sich die Formulare über die Webseite des Finanzministeriums bestellen. In diesem Fall werden Ihnen die Formulare per Post zugesandt. 

  • Außerdem besteht die Möglichkeit, die Veranlagung über Finanz Online einzureichen.

Die Vorteile der Online-Veranlagung sind:

  • Entfall des Amtsweges
  • kostenlos und rund um die Uhr von zu Hause aus
  • aktuelle Abfrage des Steuerkontos
  • elektronische Änderung der persönlichen Daten (z.B. Namensänderung)
  • elektronische Beschwerde, Rückzahlungsantrag, Änderung der Vorauszahlung, Ratenvereinbarung
  • voraussichtliche Steuergutschrift oder Steuernachzahlung sofort berechnen - aber bitte Vorsicht: Manchmal stimmt die Vorausberechnung nicht ganz, sie ist auch nur eine unverbindliche Info. 

Welche Voraussetzungen sind für Finanz-Online nötig? 

Für die ArbeitnehmerInnenveranlagung auf Finanz Online benötigen Sie eine Bürgerkarte, Handysignatur oder vom Finanzamt ausgestellte Zugangsdaten. Diese erhalten Sie nach Registrierung im FinanzOnline-Portal oder persönlich bei Ihrem Finanzamt.

Achtung!

Wenn Sie einen Finanz Online-Zugang haben, dann erhalten Sie Ihre Bescheide vom Finanzamt nur noch elektronisch. Sie werden Ihnen in Ihrer Finanz Online-Databox hinterlegt. Ab dem Zeitpunkt der Hinterlegung in der Databox gilt der Bescheid als zugestellt. Das bedeutet, dass ab diesem Zeitpunkt die Beschwerdefrist läuft. Sie können aber auf die elektronische Zustellung verzichten. In diesem Fall

bekommen Sie die Bescheide weiterhin per Post zugestellt.

Unser Tipp:

Tragen Sie auf Finanz Online Ihre Mailadresse ein: Dann werden Sie informiert, wenn etwas in Ihrer Databox hinterlegt wird. 

Pflichtveranlagung: Wann muss ich einen ArbeitnehmerInnenveranlagung machen? 

In manchen Fällen ist die ArbeitnehmerInnenveranlagung verpflichtend. Die so genannte "Pflichtveranlagung" müssen Sie bis 30. April des Folgejahres beim Finanzamt oder bis 30. Juni des Folgejahres auf Finanz Online abgeben, und zwar dann: 

  • wenn Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit bezogen wurden, die nicht dem Lohnsteuerabzug unterliegen (z.B. Grenzgänger, ausländische Pensionen) und diese mehr als 730 € im Jahr betrugen,

  • wenn ein zu hohes Pendlerpauschale oder ein zu hoher Pendlereuro berücksichtigt wurde oder die Voraussetzungen dafür nicht vorlagen,

  • wenn ein Familienbonus zu Unrecht oder zu hohem Ausmaß berücksichtigt wurde,

  • wenn der Zuschuss zur Kinderbetreuung zu Unrecht oder in unrichtiger Höhe steuerfrei ausbezahlt wurde,

  • wenn Bezüge eines österreichischen Abgeordneten zum Europäischen Parlament ausbezahlt wurden,

  • oder wenn der Arbeitnehmer vorsätzlich gemeinsam mit dem Arbeitgeber die abzuführende Lohnsteuer verkürzt hat.

Bis zum 30. September Zeit haben Sie mit der ANV: 

  • wenn Sie im Kalenderjahr zumindest zeitweise gleichzeitig zwei oder mehrere lohnsteuerpflichtige Einkünfte haben.

  • oder wenn der Alleinverdiener- bzw. Alleinerzieherabsetzbetrag oder der erhöhte Pensionistenabsetzbetrag in der Lohnverrechnung berücksichtigt wurde, aber die Voraussetzungen nicht vorlagen.

In folgenden Fällen können Sie vom Finanzamt zur Abgabe einer ANV aufgefordert werden:

  • bei Bezug von Krankengeld, Wiedereingliederungsgeld oder Rehabilitationsgeld aus der gesetzlichen Sozialversicherung, Bezügen für Truppenübungen, Bezügen vom Insolvenz-Entgelt-Fonds, bestimmten Bezügen aus der Bauarbeiterurlaubskasse und Bezügen für einen Dienstleistungsscheck,

  • bei Rückzahlungen von Pflichtversicherungsbeiträgen oder Pensionsbeiträgen,

  • oder wenn ein Freibetragsbescheid für das Kalenderjahr bei der Lohnverrechnung berücksichtigt wurde.

Hinweis:

Auch wenn ein Pflichtveranlagungsgrund vorliegt, sind Sie erst zur Abgabe einer ArbeitnehmerInnenveranlagung verpflichtet, wenn Ihr Jahreseinkommen insgesamt mehr als 12.000 Euro beträgt.

Antragsveranlagung

Für die Antragsveranlagung haben Sie 5 Jahre Zeit. Das gilt auch dann, wenn Sie bereits automatisch vom Finanzamt veranlagt worden sind. Sie sollten auf alle Fälle einen Antrag abgeben, wenn Sie 

  • alleinverdienend bzw. alleinerziehend sind, und den Absetzbetrag nicht in Ihrer Firma beantragt haben oder sich der Absetzbetrag monatlich nicht ausgewirkt hat,
  • den Mehrkindzuschlag beantragen können,
  • für ein oder mehrere Kinder Anspruch auf die Familienbeihilfe haben oder den gesetzlichen Unterhalt zahlen,
  • Sonderausgaben, Werbungskosten oder außergewöhnliche Belastungen geltend machen können,
  • während des Jahres von Ihrem Lohn/Gehalt zwar Sozialversicherung, aber keine Lohnsteuer abgezogen wurde (= Negativsteuer!),
  • schwankende Bezüge oder Verdienstunterbrechungen während eines Kalenderjahrs haben (z.B. Ferialpraktikum, unterjähriger Wiedereinstieg nach der Elternkarenz)

Antragslose ArbeitnehmerInnenveranlagung

Ab dem Veranlagungsjahr 2017 erfolgt die ANV unter bestimmten Voraussetzungen automatisch:

  • Es dürfen keine „Pflichtveranlagungsgründe“ vorliegen
  • Bis zum 30. Juni des Folgejahres wurde noch kein Antrag für die ANV beim Finanzamt eingereicht.
  • Es wurden ausschließlich Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit bezogen.
  • Die Veranlagung ergibt eine Gutschrift.
  • Das Finanzamt kann aufgrund der Aktenlage auch annehmen, dass sich die Gutschrift durch die Geltendmachung weiterer Abschreibungen nicht erhöht. 

Wurden Sie automatisch vom Finanzamt veranlagt, können Sie trotzdem einen Antrag auf ANV stellen. Dafür haben Sie 5 Jahre Zeit. Nähere Informationen zur antragslosen ANV finden Sie hier.

Negativsteuer

Wenn von Ihrem Lohn, Ihrem Gehalt oder Ihrer Pension zwar Sozialversicherung, aber keine Lohnsteuer abgezogen wurde, können Sie mittels ANV eine Negativsteuer erhalten. Die Negativsteuer errechnet sich mit einem bestimmten Prozentsatz anhand der Sozialversicherungsbeiträge. 

Sollten Sie zumindest ein Monat Anspruch auf ein Pendlerpauschale haben, erhöht sich die Negativsteuer zusätzlich.

Negativsteuer

Ab dem Veranlagungsjahr gibt es auch für ArbeitnehmerInnen, die über der Steuergrenze verdienen, eine Art Negativsteuer. Es gibt einen Zuschlag zum Verkehrsabsetzbetrag, der als Negativsteuer ausbezahlt wird. Bis zu einem Einkommen von 15.500 € beträgt er 400 € jährlich. Bei einem Einkommen darüber bis zu 21.500 € wird er gleichmäßig auf null reduziert. Erst ab einem Jahreseinkommen von mehr als 21.500 Euro steht keine Negativsteuer mehr zu. Der Zuschlag zum Verkehrsabsetzbetrag muss nicht gesondert beantragt werden, sondern wird automatisch berücksichtigt. 

So hoch ist die Negativsteuer

bis 2019 ab 2020
Anteil SV Maximum Anteil SV Maximum
Arbeit-nehmerInnen        
Mit PP/P€*  50 % 500 €  50 %900 €
Ohne PP/P€ 50 % 400 €  50 %800 €
PensionistInnen 50 % 110 € 20% 300 €

 *) PP/P€ = Pendlerpauschale/Pendlereuro

Einkommensteuererklärung (ESt-E)

Eine ESt-E müssen Sie bis 30. April des Folgejahres im Finanzamt bzw. bis 30. Juni des Folgejahres mittels Finanz Online abgeben, wenn

  • Sie aus selbständiger Tätigkeit oder aus einem Betrieb ein Einkommen haben, das höher ist als 11.000 €,
  • Sie sowohl selbständiges Einkommen über 730 € als auch nicht selbständiges Einkommen haben und das Gesamteinkommen höher ist als 12.000 €,
  • Kapitaleinkünfte von mehr als 22 € erzielt wurden, die keinem Kapitalertragssteuerabzug unterliegen,
  • Einkünfte aus einer privaten Grundstücksveräußerung vorliegen, für die keine Immobilienertragssteuer entrichtet wurde,
  • das Finanzamt Sie dazu auffordert.

Steuervorauszahlungen

Wenn Sie mehrere lohn- oder einkommensteuerpflichtige Einkünfte in einem Jahr haben und die daraus errechnete Vorauszahlung mehr als 300 € beträgt, dann werden vom Finanzamt Steuervorauszahlungen vorgeschrieben.

Wie hoch diese Zahlungen sind, finden Sie im Vorauszahlungsbescheid. Sie müssen die angeführte Summe an Vorauszahlungen vierteljährlich leisten. Sind die Vorauszahlungen zu hoch, beispielsweise weil Sie in diesem Jahr weniger verdienen als im Vorjahr, so können Sie gegen den Vorauszahlunsgbescheid innerhalb eines Monats ab Zustellung Beschwerde einlegen.

Wichtig!

Ist die Frist abgelaufen, können Sie bis 30. September des laufenden Kalenderjahres einen formlosen Antrag auf Herabsetzung der Zahlungen stellen. Nutzen Sie dazu unseren Musterbrief.

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