Be­­schäftig­­ungs­­formen und -kombi­nation­en

Ein freier Dienstvertrag kommt selten allein. Wann müssen Sie Sozial­ver­sicherungs­bei­träge für die Einkünfte aus einem freien Dienstverhältnis zahlen, wenn Sie verschiedenartige Beschäftigungen parallel ausüben oder sich zu Studium, Anstellung oder Pension etwas dazuverdienen? Hier ein Überblick über gängige Beschäftigungsformen und -kombinationen:

Ausschließlich freier Dienstvertrag

Für freie DienstnehmerInnen gilt die Geringfügigkeitsgrenze von 438,05 Euro (2018) monatlich. Verdienen Sie auf Basis freier Dienstverträge mehr, entsteht Vollversicherungspflicht. Das heißt, Sie sind kranken-, unfall- und pensions­versichert und müssen Sozialversicherungsbeiträge zahlen.Verdienen Sie weniger, entsteht nur eine Teilversicherung in der Unfall­versicherung, für die aber nur ihr/e ArbeitgeberIn Beiträge leisten muss.

Beispiel: Verdienst UNTER der Geringfügigkeitsgrenze

Ein angehender Logopäde arbeitet neben seiner Ausbildung an der Fachhochschule als Sprachtrainer auf Grundlage eines freien Dienstvertrages und verdient pro Monat 320 Euro. Es entsteht keine Sozialversicherungspflicht. Der Logopäde kann aber eine freiwillige Selbstversicherung bei der Gebietskrankenkasse abschließen, die zu einer freiwilligen Versicherung in der Pensions- und Kranken­ver­sicher­ung führt.

Beispiel: Verdienst ÜBER der Geringfügigkeitsgrenze

Der angehende Logopäde arbeitet in einer freien Praxisgemeinschaft auf Basis eines freien Dienstvertrages und bekommt pro Monat 560 Euro bezahlt. Er ist somit sofort in der Pensions- und Kranken­ver­sicher­ung vollversichert. Der Dienstgeber muss vom Honorar den Sozialversicherungsanteil des Dienstnehmers abziehen und an die Sozialversicherung abführen.

Höhe der Sozialversicherungsbeiträge

  • 17,62 % für die DienstnehmerInnen
  • 20,98 % für die DienstgeberInnen

Meldepflicht

Die DienstgeberInnen sind verpflichtet, die freien DienstnehmerInnen bei der zuständigen Gebietskrankenkasse anzumelden.

Beitragsgrundlage & Auslagenersätze

Beitragsgrundlage ist das monatliche Entgelt. Achtung! Aufwandersätze (z.B. Kilometergeld oder Diäten) sind beitragsfrei, wenn sie gesondert in Rechnung gestellt werden. Pauschalierte Auslagenersätze sind sozialversicherungspflichtig!

Echter Dienstvertrag & freier Dienstvertrag

Was passiert, wenn Sie als Angestellte/r oder geringfügig Beschäftigte/r zusätzlich als freie/r Dienstnehmer/Dienstnehmerin arbeiten? Entscheidend ist, ob die Summe aller Einnahmen (Gehalt, geringfügige Beschäftigung, Einkünfte aus freiem Dienstvertrag) die monatliche Geringfügigkeitsgrenze von 438,05 Euro (2018) übersteigt. Wenn ja, müssen Sie für die Einkünfte aus dem freien Dienstvertrag Sozialversicherungsbeiträge zahlen.

Wie bezahle ich Sozialversicherungsbeiträge?                                         

  • Wenn die Einnahmen aus dem freien Dienstverhältnis über der Geringfügigkeitsgrenze liegen, zieht Ihr/e Dienstgeber/Dienstgeberin die Sozialversicherungsbeiträge ab.
  • Wenn das Entgelt aus dem freien Dienstverhältnis unter der Geringfügigkeitsgrenze liegt, werden die Sozialversicherungsbeiträge erst nachträglich von der Gebietskrankenkasse vorgeschrieben. Sie müssen sich also nicht bei der Gebietskrankenkasse melden.

Beispiel

Eine angestellte Journalistin unterrichtet nebenbei in einem Mediengestaltungslehrgang und erhält dafür im Monat 255 Euro. Für diesen Zuverdienst bekommt sie nachträglich von der Sozialversicherung Beiträge in Höhe von 14,12 % der jährlichen Beitragsgrundlage der geringfügigen Beschäftigung vorgeschrieben.

Pension & freier Dienstvertrag

Als PensionistIn können Sie als freie/r DienstnehmerIn bis zur Geringfügigkeitsgrenze dazuverdienen, ohne zusätzliche Sozialversicherungsbeiträge zahlen zu müssen. Verdienen Sie darüber, sind die Einkünfte aus dem freien Dienstvertrag sozialversicherungspflichtig.

Beispiel

Ein Pensionist erteilt Englisch-Einzeltrainings. Für diese Tätigkeit erhält er pro Monat 190 Euro auf Basis eines freien Dienstvertrages, und zwar zusätzlich zu seiner Pension in Höhe von 1.300 Euro. Für diesen Zuverdienst sind keine Sozialversicherungsbeiträge zu entrichten.

Geringfügige Beschäftigung & freier Dienstvertrag

Verdienen Sie als freie DienstnehmerInnen im Monat aufgrund mehrerer freier Dienstverträge oder wegen der Kombination aus freiem Dienstvertrag und geringfügiger Beschäftigung mehr als 438,05 Euro (Geringfügigkeitsgrenze 2018) werden Ihnen Sozialversicherungsbeiträge vorgeschrieben.

Beispiel

Eine Studentin arbeitet in den Sommermonaten (4 Monate) auf Basis eines freien Dienstvertrags für eine Promotionagentur und erhält dafür pro Monat 480 Euro.

Während des gesamten Jahres arbeitet sie als geringfügig Beschäftigte in einem Nachhilfeinstitut und bekommt dafür pro Monat 330 Euro. 

Für die Monate in denen sie zwei Beschäftigungen nachgegangen ist und die Geringfügigkeitsgrenze überschritten hat, muss sie Sozialversicherungsbeiträge nachzahlen.

Freier Dienstvertrag und Werkvertrag

Bei einem freien Dienstvertrag fallen nur Sozialversicherungsbeiträge an, wenn die Geringfügigkeitsgrenze überschritten wird. Es ist allerdings eine freiwillige Selbstversicherung in der Kranken- und Pensionsversicherung möglich.

Für Einkünfte aus einem Werkvertrag als neuer Selbstständiger müssen Sie nur dann SV-Beiträge bezahlen, wenn Sie dabei mehr als 5.256,60 Euro (2018) pro Jahr verdienen.