Sonder­aus­gab­en

Was sind Sonderausgaben?

Zu den „Sonderausgaben“ zählen zum Beispiel Spenden und Kirchenbeiträge. Bis 2020 können unter Voraussetzungen auch freiwillige Personenversicherungen und Kosten für die Wohnraumschaffung oder –sanierung als Sonderausgabe abgesetzt werden. Vieles davon ist allerdings mit einem Höchstbetrag begrenzt. Außerdem hängt es zum Teil von der Höhe Ihres Einkommens ab, wie viel Sie absetzen können. Seit 2017 werden zudem manche Sonderausgaben automatisch vom Finanzamt berücksichtigt. Hier ein Überblick: 

Sonderausgaben mit Höchstbetrag und Viertelung

Wie der Name schon sagt, kann bei bestimmten Sonderausgaben nur ein fest­gesetzter Höchstbetrag berücksichtigt. Der berücksichtigte Betrag wirkt sich zudem nur zu einem Viertel aus. Die Sonderausgaben mit Höchstbetrag und Viertelung werden auch als „Topfsonderausgaben“ bezeichnet.

Achtung!

Diese sogenannten Topfsonderausgaben entfallen ab dem Veran­lagungsjahr 2016: Ver­träge oder Bauausführungen, die bis zum 31. Dezember 2015 abgeschlossen oder begonnen wurden, können bis einschließlich 2020 abgeschrieben werden. Der Kinder­erhöh­ungs­be­trag für Topfsonderausgaben ab dem dritten Kind entfällt bereits ab der Veranlagung 2016.

Die Topfsonderausgaben umfassen:

1. Ausgaben für freiwillige Personenversicherungen 

  • Renten-, Unfall-, Krankenversicherung
  • Sterbeversicherung
  • Insassenversicherung
  • freiwillige Beiträge zur Pensionsversicherung
  • ArbeitnehmerInnen-Beiträge zu Pensionskassen, sofern dafür keine staat­liche Prämie für die Zukunftsvorsorge in Anspruch genommen wird

2. Ausgaben für Wohnraumschaffung

Darunter fallen Ausgaben für den Bau eines Hauses oder den Kauf einer neu errichteten Eigentumswohnung. Die Kosten dafür können mit Eigenmitteln oder einem Darlehen finanziert werden.

3. Wohnraumsanierung

Die Sanierung kann mit Eigenmitteln oder einem Darlehen finanziert werden. Die Arbeiten müssen allerdings von befugten Unternehmern durchgeführt worden sein. Materialrechnungen alleine genügen nicht.

Soviel können Sie höchstens geltend machen: 

  • 2.920 € ohne Alleinverdiener- oder Alleinerzieherabsetzbetrag
  • 5.840 € mit Alleinverdiener- oder Alleinerzieherabsetzbetrag. Außerdem: Wenn der Allein­ver­diener­ab­setz­be­trag nicht zusteht, Sie aber mehr als 6 Monate im Kalenderjahr verheiratet waren oder in einer eingetragenen Partnerschaft lebten und die Einkünfte Ihres Partners bzw. Ihrer Partnerin höchstens 6.000 Euro betrugen.
  • bis 2015: 1.460 € zusätzlich, falls Sie für mehr als sechs Monate Familienbeihilfe für mindestens drei Kinder bezogen oder Unterhalt geleistet haben. 

Topf-Sonderausgaben werden allerdings nur dann steuerwirksam, wenn Ihre Aufwendungen 240 € pro Jahr überschreiten, weil nur ein Viertel der Gesamtkosten abschreibbar ist und bis inklusive dem Jahr 2020 bereits ein Pauschale von 60 € bei der Lohn- oder Gehaltsverrechnung automatisch berücksichtigt wurde. Ab einem steuerpflichtigen Jahreseinkommen von über 36.400 € vermindert sich der absetzbare Betrag, ab 60.000 € entfällt die Abzugsfähigkeit zur Gänze.

Sonderausgaben ohne Höchstbetrag & Einkommensgrenze

Folgende Ausgaben werden zur Gänze und auch bei hohem Einkommen berücksichtigt: 

  • Beiträge für eine freiwillige Weiterversicherung in der gesetzlichen Pensionsversicherung
  • Nachkauf von Versicherungszeiten (Schul- oder Universitätszeiten)
  • Renten und dauernde Lasten
  • Steuerberatungskosten

Hinweis

Die Beiträge für den Nachkauf von Versicherungszeiten sowie für die freiwillige Weiter­ver­sicher­ung werden seit 2017 automatisch von der Versicherungsanstalt dem Finanzamt ge­meldet. Die gemeldeten Beträge werden automatisch bei der Ar­beit­nehmer­Innen­ver­an­lag­ung berücksichtigt.

Sonderausgaben mit anderen Höchstbeträgen

Spenden an bestimmte EmpfängerInnen oder Kirchenbeiträge verringern bis zum jeweiligen Höchst­be­trag in vollem Umfang die Lohn­steuer­be­mess­ungs­grundlage. Als Nachweis der Spende gilt entweder der Überweisungsbeleg oder eine Bestätigung der Spendenorganisation. Ab 2017 werden Spenden und Kirchenbeiträge jedoch von der jeweiligen Organisation an das Finanzamt gemeldet. Dadurch werden die gemeldeten Beiträge automatisch bei der ArbeitnehmerInnenveranlagung berücksichtigt.

Service

Eine Liste der begünstigten SpendenempfängerInnen finden Sie auf der Website des Fin­anz­ministeriums.

So viel können Sie absetzen: 

  • Beiträge für Kirchen- und Religionsgemeinschaften in der EU/EWR, wenn in Österreich an­er­kannt: 400 Euro jährlich
  • Spenden an begünstigte SpendenempfängerInnen: bis zu 10 % der Einkünfte des laufenden Jahres

Sonderausgaben für Familienangehörige

Folgende Ausgaben können Sie auch dann von der Steuer absetzen, wenn Sie die Kosten für ihre Partnerin/ihren Partner oder für Kinder, für die Sie mehr als 6 Monate Familienbeihilfe bezogen oder Unterhalt geleistet haben, geltend machen:

  • Personenversicherungen (zB freiwillige Krankenversicherung),
  • die freiwillige Weiterversicherung in der gesetzlichen Pensionsversicherung,
  • den Nachkauf von Versicherungszeiten, 
  • Ausgaben für Wohnraumschaffung und Wohnraumsanierung
  • Kirchenbeiträge

Seit 2017: Automatische Berücksichtigung mancher Sonderausgaben

Seit der ArbeitnehmerInnenveranlagung 2017 werden diese Sonderausgaben von den jeweiligen Organisationen dem Finanzamt gemeldet und automatisch berücksichtigt:

  • Kirchenbeiträge
  • Beiträge für den Nachkauf von Versicherungszeiten
  • Beiträge für die freiwillige Weiterversicherung in der gesetzlichen Pensionsversicherung
  • Spenden

Damit die Organisation die bezahlten Beiträge dem Finanzamt übermitteln kann, müssen Sie Vor- und Nachname wie im Zentralen Melderegister sowie das Geburtsdatum bekannt geben. Wollen Sie nicht, dass die Organisation die Sonderausgaben übermittelt, dann können Sie der Meldung widersprechen. Es können allerdings nur die gemeldeten Beträge bei der Arbeit­nehmer­Innen­ver­an­lagung berücksichtig werden. Wenn Sie also der Meldung widersprechen, können keine Sonder­ausgaben abgesetzt werden.

Ob die Organisation die richtigen Beträge gemeldet hat, können Sie über Finanz Online fest­­stellen. Außerdem wird am Einkommensteuerbescheid genau angeführt, welche Organisationen welche Beträge gemeldet haben. Stimmt etwa der Betrag der geleisteten Spende nicht, braucht es die Korrektur durch die Organisation. Die Korrektur müssen Sie selbst veranlassen. Nur wenn die Organisation die Meldung nicht berichtigt, können die Sonder­aus­gaben von Ihnen selbst be­antragt werden.

Sollen die Kirchenbeiträge oder die Beiträge zur freiwilligen Weiter­ver­sicher­ung bzw. den Nachkauf von Schulzeiten bei einer anderen als der gemeldeten Person berücksichtigt werden, weil er z.B. nur von einem Ehepartner steuerlich geltend gemacht wird, können die Steuer­pflichtig­en dies selbst beim Finanz­amt beantragen. Dafür wird das Extra-Formular L1d als Beilage zur Arbeit­nehmer­Innen­ver­an­lagung benötigt.

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