Was ist ein Freibetragsbescheid?

Wer während des Jahres zu viel Steuern zahlt, weil bestimmte Ausgaben (z.B. Werbungskosten) bei der monatlichen Steuerberechnung nicht berücksichtigt wurden, kann sich später mit der ArbeitnehmerInnenveranlagung (ANV) Geld vom Finanzamt zurückholen.

Aber es gibt auch eine andere Möglichkeit: Mit einem Freibetragsbescheid kann man dafür sorgen, dass man Monat für Monat weniger Lohnsteuer bezahlt, weil diese Ausgaben bereits bei der Lohnverrechnung berücksichtigt werden können. 

Achtung!

Ein bisschen mehr Geld im Börserl, Monat für Monat, und nicht erst auf die ArbeitnehmerInnenveranlagung warten müssen: Das klingt sehr fein, der Freibetragsbescheid kann aber auch seine Tücken haben. Wenn Sie nämlich den Freibetrag in der monatlichen Lohnverrechnung berücksichtigen lassen, müssen Sie für das betreffende Jahr eine ArbeitnehmerInnenveranlagung durchführen lassen. Wenn Sie weniger steuerrelevante Ausgaben hatten als im Freibetragsbescheid berücksichtigt, müssen Sie Steuern nachzahlen. Sie können beim Finanzamt beantragen, dass Ihnen kein Freibetragsbescheid mehr ausgestellt wird, wenn Sie keine steuermindernden Ausgaben mehr haben. Außerdem können Sie beantragen, dass Ihnen ein Bescheid über einen niedrigeren Betrag ausgestellt wird, wenn Sie bereits wissen, dass sich Ihre Ausgaben verringern werden.

Wie bekomme ich einen Freibetragsbescheid?

Die Grundlage für die Höhe des Freibetragsbescheids bilden bestimmte Sonderausgaben, Werbungskosten und außergewöhnlichen Belastungen, die bei der ANV berücksichtigt werden. Der Freibetragsbescheid wird Ihnen zusammen mit dem Einkommensteuerbescheid zugeschickt. Der Bescheid gilt immer für das übernächste Kalenderjahr. Das heißt, Sie bekommen gemeinsam mit dem Einkommensteuerbescheid 2020 auch den Freibetragsbescheid für das Jahr 2022.

Mitteilung für den Arbeitgeber

Außerdem wird Ihnen eine Mitteilung zur Vorlage an den Arbeitgeber geschickt. Diese Mitteilung können Sie Ihrem Arbeitgeber vorlegen, müssen es aber nicht. Die Abgabe der Mitteilung bewirkt, dass beim Lohnsteuerabzug im übernächsten Jahr vorläufig derselbe Betrag an steuermindernden Ausgaben berücksichtigt wird wie zwei Jahre davor.

Beispiel

In der ANV wurden Fortbildungskosten von 600 € geltend gemacht. Daher wird gemeinsam mit dem Einkommensteuerbescheid 2020 auch ein Freibetragsbescheid für 2022 mitgeschickt. Auf diesem Freibetragsbescheid wird ein jährlicher Freibetrag in Höhe der Abschreibung von 2020, d.h. 600 €, ausgewiesen. Ein Zwölftel davon, das sind 50 €, können von der monatlichen Lohnsteuermessungsgrundlage lohnsteuermindernd bei der Lohnverrechnung abgezogen werden. Dafür ist die mit dem Freibetragsbescheid mitgeschickte Mitteilung für den Arbeitgeber in der Personalabteilung abzugeben.

ArbeitnehmerInnenveranlagung ist Pflicht!

Wenn Sie beim Arbeitgeber die Mitteilung über den Freibetrag abgegeben haben, sind Sie nach Aufforderung des Finanzamts verpflichtet, die ArbeitnehmerInnenveranlagung zu machen – damit wird überprüft, ob Ihr Freibetrag tatsächlich die angenommene Höhe erreicht hat.

Sollten Sie vergessen haben, den Freibetragsbescheid „abzubestellen", dann hat das noch keine Konsequenzen. Die Pflichtveranlagung tritt erst dann ein, wenn Sie die Mitteilung über den Freibetrag tatsächlich beim Arbeitgeber einreichen und dieser den Freibetrag in der Lohnverrechnung steuermindernd berücksichtigt.

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