Reiferer, bärtiger Mann mit Mütze und Skateboard lächelt zufrieden
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Recht auf Arbeit, die nicht krank macht

Ständige Erreichbarkeit, hoher Arbeitsdruck und fehlende Erholung machen krank – deshalb braucht es klare Grenzen und gesunde Arbeitsbedingungen.

GESUNDE ARBEIT

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Das Hamsterrad der Arbeit dreht sich immer schneller. Von immer mehr Menschen wird erwartet, dass sie für ihre Firma ständig erreichbar sind. Alles andere wird der Arbeit untergeordnet – nicht zuletzt die eigene Gesundheit. Wir kämpfen für Arbeitsverhältnisse, die nicht krank machen. Das wird immer wichtiger. Denn als Einzelne ist es oft schwer, sich dem zunehmenden Druck zu widersetzen. Wer zugibt, dass die persönlichen Grenzen längst erreicht sind, muss nicht selten um den Arbeitsplatz fürchten. Viele arbeiten auch „freiwillig“ in ihrer Freizeit, weil die Arbeitsmenge sonst nicht mehr zu bewältigen ist.

Die Realität in drei Zahlen

70 Prozent sind ständig erreichbar
Bei einer Erhebung der AK Niederösterreich gaben 70 Prozent der Befragten an, permanent erreichbar zu sein – auch in der Freizeit, im Urlaub oder im Krankenstand.

Fast die Hälfte der Arbeitgeber erwartet ständige Erreichbarkeit
Das zeigt eine Untersuchung des Beratungsunternehmens Randstad Austria.

Jede Fünfte arbeitet im Urlaub
Das ergibt der Arbeitsklima Index der AK Oberösterreich.

Wer pausenlos arbeitet, lebt gefährlich

Wer ständig erreichbar ist, hat ein mehr als doppelt so hohes Depressionsrisiko. Bei Arbeitnehmer, die in ihrer Freizeit nicht oder kaum erreichbar sind, liegt der Anteil mit Depressionserscheinungen bei 11,3 Prozent. Bei Beschäftigten mit einem hohen Maß an Erreichbarkeit sind es 24 Prozent. Das zeigt der DAK-Gesundheitsreport.

Dauerstress macht krank

Wer über lange Zeit ohne Erholungsphasen unter Hochdruck arbeitet, riskiert seine Gesundheit. Mögliche Folgen sind Erschöpfungsdepression (Burnout), Schlafstörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie ein erhöhtes Krebs- und Sterberisiko.

Psychische Belastungen verursachen hohe Kosten

Krankenstände aufgrund arbeitsbedingter psychischer Belastungen verursachen bereits gesamtwirtschaftliche Kosten in Höhe von 3,3 Milliarden Euro. Geld, das in der Prävention besser aufgehoben wäre.

40 Prozent gehen krank in die Arbeit

40 Prozent der Beschäftigten in Österreich gehen krank in die Arbeit – und schaden damit sich selbst und dem Unternehmen. Wer krank arbeiten geht, riskiert einen späteren, oft erheblich längeren Ausfall, chronische Gesundheitsschäden und Langzeitkrankenstände. Gleichzeitig sinkt die Arbeitsqualität. Fehler und Unfälle am Arbeitsplatz nehmen zu und verursachen Kosten in Milliardenhöhe. Verschiedene Untersuchungen weisen darauf hin, dass krank arbeitende Mitarbeiter einem Unternehmen doppelt bis mehrfach so teuer kommen wie Mitarbeiter, die sich krankmelden und auskurieren.

Belastung führt zu mehr Krankenstandstagen

Beschäftigte ohne arbeitsbedingte Belastungen weisen nur 0,8 Tage krankheitsbedingte Arbeitsausfälle auf. 3,3 Ausfallstage sind auf arbeitsbedingte psychische Belastungen zurückzuführen. Treffen psychische und physische Belastungen zusammen, sind es bereits knapp 6 Ausfalltage.

Lange Arbeitszeiten senken die geistige Leistung

Eine Studie der Universität Melbourne untersuchte die Auswirkungen der Arbeitszeit auf die kognitiven Fähigkeiten von 3.000 Männern und 3.500 Frauen über 40. Die Ergebnisse zeigen: Bis zu 30 Arbeitsstunden pro Woche haben einen positiven Einfluss auf die kognitiven Fähigkeiten. Mehr Arbeitsstunden wirken sich dagegen negativ aus. Beschäftigte, die 60 Stunden oder mehr arbeiten, zeigen in Leistungstests sogar schlechtere Ergebnisse als Personen, die gar keiner Beschäftigung nachgehen. Die Forscher folgern daraus, dass lange Arbeitszeiten zu einer Verschlechterung der geistigen Leistungsfähigkeit führen.

Was wir fordern

  • Recht auf Nicht-Erreichbarkeit: In der Freizeit, im Urlaub oder im Krankenstand muss einmal Schluss sein mit Arbeit – und zwar ohne negative Konsequenzen für die Beschäftigten.

  • Korrekte Teilzeitbezahlung: Auch Teilzeitbeschäftigte sind massiv von der Entgrenzung der Arbeit betroffen. Sie sind kürzer am Arbeitsplatz. Deshalb werden Besprechungen und betriebliche Koordination über Mobiltelefone und PC immer stärker in die Freizeit verlagert. Doch geleistete Mehrarbeit muss auch bezahlt oder mit Zeitausgleich abgegolten werden.

  • Zeitausgleich mit Zuschlägen: Mehrleistungen von Teilzeitbeschäftigten sollen wie Überstunden mit vollen Zuschlägen bezahlt werden.

  • Klare finanzielle Regeln für Arbeit in der Freizeit: Wer sich in der Freizeit für die Arbeit bereithalten soll, muss auch dafür bezahlt werden. Dafür braucht es klare finanzielle Regelungen, wie Erreichbarkeit in der Freizeit abgegolten wird – etwa als Rufbereitschaft oder Überstunden.

  • Betriebliche Gesundheitsförderung verpflichtend machen: Mitarbeiter und Arbeitgeber sollen gemeinsam an einer gesundheitsförderlichen Betriebskultur arbeiten können und dabei auch professionell begleitet werden.

  • Überstunden-Euro einführen: Pro geleisteter Überstunde soll ein Euro vom Arbeitgeber in einen Präventionstopf gezahlt werden. Damit ließen sich zum Beispiel Maßnahmen zur Betrieblichen Gesundheitsförderung oder Präventionsprojekte finanzieren.

  • Arbeitszeit verkürzen: Um den gestiegenen Druck in der Arbeit besser zu verkraften, braucht es Arbeitszeitverkürzung – etwa in Form einer Weiterbildungswoche, einer 6. Urlaubswoche nach 25 Jahren oder einer Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit.

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