22.1.2018

Fach­kräf­te-Sti­pen­di­um

Wer als Erwachsener eine Fachkräfte-Ausbildung machen will, stand bis 2013 vor hohen finanziellen Hürden. Während es für ein Studium an einer Universität schon lange ein Stipendium gibt, gab es keines für Erwachsene, die eine Ausbildung wie z.B. Krankenpflege machen wollten. Im Juli 2013 wurde dann endlich die Forderung der AK erfüllt und ein „Fachkräftestipendium“ (FKS) für sogenannte „Mangelberufe“ eingeführt.

Dieses Stipendium war ab 2014 so stark beansprucht, dass das AMS (Arbeitsmarktservice) aus budgetären Gründen schon mit 2015 die Typen der geförderten Ausbildungen reduzierte. Der Andrang blieb allerdings weiterhin hoch, sodass das AMS ab 2016 keine Neuanträge auf ein FKS mehr entgegennahm. Damit war das Stipendium de facto eingestellt.

AK Erfolg: Fachkräfte-Stipendium ab 2017 weitergeführt

Wir konnten uns erfolgreich für die Weiterführung des Fachkräftestipendiums einsetzen. Ab 1.1.2017 ist es wieder möglich, das Stipendium zu beantragen. Dabei gelten die gleichen Rahmenbedingungen und Kriterien wie zuvor. Für den Zeitraum 2017 und 2018 gibt es ein Kontingent für zusätzliche (!) 6.500 Fachkräftestipendien. Damit ist für die nächsten zwei Jahre gesichert, dass es ein Stipendium gibt, um den Lebensunterhalt in einer Phase der beruflichen Neuorientierung zu sichern. 

Tipp/Hinweis/Achtung

Mit dem Fachkräftestipendium werden Ausbildungen gefördert, die frühestens am 1.1.2017 und spätestens am 31.12.2018 begonnen werden. Damit kann ein FKS theoretisch bis Ende 2021 bezogen werden.

Achtung!

Die neue Regierung will das Fachkräfte-Stipendium „überprüfen“. Es ist daher unsicher, ob es das Stipendium ab 2019 weiter geben wird. Also besser, wenn möglich, noch im Jahr 2018 einreichen. Die AK setzt sich jedenfalls für ein Nachfolge-Modell mit dem Titel „Qualifizierungsgeld“ ein.“ 

Wer bekommt das Fachkräftestipendium?

  • ArbeitnehmerInnen, die für die Dauer der Ausbildung karenziert sind
  • Arbeitslose
  • ehemalige Selbstständige, wenn die Tätigkeit ruht 

Tipp/Hinweis/Achtung

Das Fachkräftestipendium können Sie nur bekommen, wenn Ihr höchster Bildungsabschluss unter dem FH-Niveau liegt (z.B. Matura). Haben Sie bereits ein Studium absolviert (Uni, FH, Pädagogische Hochschule), besteht also keine Möglichkeit auf ein Fachkräftestipendium. 

Was sind die Voraussetzungen für ein Fachkräftestipendium? 

Wenn Sie ein Fachkräftestipendium in Anspruch nehmen möchten, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Sie müssen 4 Jahre lang (208 Wochen) einer arbeitslosenversicherungspflichtigen Beschäftigung innerhalb der letzten 15 Jahre nachgegangen sein (Lehrjahre werden berücksichtigt)
  • Ihre Qualifikation muss unter FH-Niveau liegen (siehe oben).
  • Sie müssen die Aufnahmevoraussetzungen der jeweiligen Bildungseinrichtung erfüllen.   
  • Sie müssen eine Ausbildung mit einer Dauer von mindestens drei Monaten und im Umfang von durchschnittlich 20 Stunden pro Woche absolvieren.
  • Ihr Wohnsitz muss in Österreich liegen.
  • Beratung und Antrag beim Arbeitsmarktservice

Wie hoch ist das Stipendium und wie lange bekomme ich es? 

Wenn Sie das Fachkräftestipendium vom Arbeitsmarktservice bekommen, haben Sie für maximal 3 Jahre Anspruch auf ein Stipendium von mindestens 909,42 Euro (bei einem Monat von 30 Tagen). Davon wird ein Krankenversicherungsbeitrag abgezogen. Liegt der Anspruch auf Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe darüber, wird der höhere Betrag ausbezahlt.

Wie bin ich versichert?

Wenn Sie ein Fachkräftestipendium beziehen, sind Sie kranken-, unfall- und pensionsversichert.

Was ist bei Unterbrechungen?

Ausbildungsfreie Zeiten (Ferien, Zeiten der Prüfungsvorbereitung) unterbrechen den Bezug des Fachkräftestipendiums nur dann, wenn sie mehr als drei Monate pro Kalenderjahr umfassen. 

Darf ich zum Fachkräftestipendium dazuverdienen?

Sie können zum Fachkräftestipendium bis zur Geringfügigkeitsgrenze dazuverdienen. Diese liegt 2018 bei 438,05 Euro monatlich. Übersteigt das Einkommen die Geringfügigkeitsgrenze, dann wird für diesen Beschäftigungszeitraum der Bezug des Fachkräftestipendiums unterbrochen. Diese Zeit der Unterbrechung kann im Bedarfsfall hinten „angehängt“ werden.

Ausnahme

Eine Sonderregelung gibt es für KrankenpflegeschülerInnen: Ihnen wird das Fachkräftestipendium auch dann gewährt, wenn das Taschengeld während der geförderten Ausbildung die Geringfügigkeitsgrenze übersteigt. Ab einem Taschengeld von mehr als 500 Euro monatlich erlischt allerdings auch für sie der Anspruch auf ein Fachkräftestipendium.

Welche Ausbildungen werden gefördert?

Mit dem Fachkräftestipendium werden Ausbildungen in Mangelberufen gefördert, und zwar aus folgenden Bereichen:

  • Bereich Technik: Das Fachkräftestipendium fördert vorwiegend Ausbildungen im technischen Bereich, das sind nahezu alle HTLs (Aufbaulehrgänge, Kollegs). Auch das Nachholen von Lehrabschlüssen im Bereich Metall/Bau/Holz/Elektrotechnik wird gefördert.
  • Lehrabschlüsse nachholen: Neu ist: Bei Personen ohne Berufsausbildung und maximal Pflichtschulabschluss wird das Nachholen jedes Lehrabschlusses gefördert.
  • Bereich Pflege: Ebenfalls gefördert werden die Ausbildung zur neuen Pflegefachassistenz und die Aufschulung von der Pflegeassistenz zur Pflegefachassistenz
  • Die Liste aller förderbarer Ausbildungen finden Sie hier im Detail...

Welche Ausbildungen werden nicht gefördert?

  • Studien an Universitäten und Fachhochschulen
  • Ausbildungen im Ausland
  • Fernlehrgänge
  • Ausbildungen, die länger als 4 Jahre dauern 
  • Sozialberufe, pädagogische Berufe

Wo stelle ich einen Antrag auf ein Fachkräftestipendium?

Das Fachkräftestipendium wird beim Arbeitsmarktservice (AMS) beantragt und von diesem auch ausgezahlt. Sie müssen ein verpflichtendes Beratungsgespräch mit einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter des AMS absolvieren. Bitte nehmen Sie daher rechtzeitig vor der Ausbildung mit dem AMS Kontakt auf. 

Nachweis über Ausbildungsfortschritt 

In weiterer Folge müssen Sie auch einen Nachweis über den Ausbildungsfortschritt (Semesterzeugnisse) bzw. über eine 75%-ige Anwesenheit bei der Ausbildung erbringen. 

Hinweis: Pflegeausbildungen

Aus dem Bereich Gesundheit/Pflege werden folgende Ausbildungen finanziert:

  • Schule für den medizinisch-technischen Fachdienst (auslaufend)
  • Schule für medizinische Assistenzberufe mit 7 Zweigen + medizinische Fachassistenz (ca. 2 Jahre)
  • Lehrgang für medizinische Assistenzberufe: 7 Zweige
  • Schule für medizinische Verwaltung (2 Jahre)
  • Pflegefachassistenz – Ausbildung (Ausbildung für 2 Jahre oder Aufschulung für 1 Jahr)
  • Schule für allgemeine Gesundheits- und Krankenpflege (3 Jahre; auch in verkürzter Form)
  • Schule für Kinder- und Jugendlichenpflege (3 Jahre; auslaufend)
  • Schule für psychiatrische Gesundheits- und Krankenpflege (3 Jahre; auslaufend)


Das könnte Sie auch interessieren

Frau stöbert in Bibliothek © Claudia Nagel, Fotolia

Bil­dungs­ka­renz

So lassen Sie sich für Ihre Weiterbildung freistellen: Wie viel Geld es gibt und wie Sie Bildungsfortschritte nachweisen müssen.

Bildungsteilzeit

Wenn Sie Ihre Arbeitszeit wegen einer Weiterbildung reduzieren, erhalten Sie Lohnersatz. Alle Infos, wie Bildungsteilzeit im Detail funktioniert.

Gruppe Schüler mit Unterlagen © Andres Rodriguez, Fotolia

AK Bild­ungs­förder­ung

Von EDV- bis Sprach­kurs: Die AK unter­stützt Ihr Vor­wärts­kommen im Be­ruf. Finden Sie her­aus, welche Förder­ung­en in Ihrem Bundes­land an­ge­bot­en werden!