Junge Frau mit Tablet
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9.3.2023

Digitalisierung braucht Regulierung

Damit Technologie zum Vorteil der Vielen gerät, braucht es eine Digitalisierungsoffensive, Regulierungsmaßnahmen sowie eine gerechte Besteuerung der Tech-Giganten.  

AK-Diskussion zum Thema Digitalisierung

Technologischer Wandel ist nicht neutral. Bestehende Machtverhältnisse und Interessen beeinflussen, unter welchen Bedingungen Technologien entwickelt und eingesetzt werden. Was braucht es, damit Digitalisierung zum Vorteil von allen und nicht nur einiger weniger gerät? Über nötige Regulierungsmaßnahmen, gerechte Besteuerung der Tech-Giganten und den „iPhone“-Moment von ChatGPT haben im Rahmen einer AK Diskussion der Staatssekretär für Digitalisierung und Telekommunikation Florian Tursky, die assoziierte TU-Wien Professorin Hilda Tellioğlu sowie die AK Direktorin Silvia Hruška-Frank diskutiert:

Digitalisierungsfittes Österreich 

„Wir wollen bis 2030 alle Österreicherinnen und Österreicher digitalisierungsfit machen“, so der Staatssekretär für Digitalisierung und Telekommunikation Florian Tursky. Dadurch soll im Zeitalter der Digitalisierung Österreich im internationalen Wettbewerb eine Vorreiterrolle einnehmen und die Jobchancen der Arbeitnehmer:innen für zukünftige Anforderungen am Arbeitsmarkt erhöht werden.

Beschäftigte fürchten mehr Überwachung

AK Direktorin Silvia Hruška-Frank stimmt dem grundsätzlich zu, wirft jedoch ein, dass beim Thema Digitalisierung „Mitbestimmung für die Mitarbeiter:innen in den Betrieben sehr wichtig ist“. Eine Ifes-Umfrage im Auftrag der AK Wien hat erhoben, dass drei Viertel aller Beschäftigten sich vor mehr Überwachung aufgrund der Digitalisierung fürchten. Viele haben auch Angst abgehängt zu werden und wünschen sich mehr Mitsprache bei der Einführung digitaler Arbeitsmittel.

Arbeitszeit und Freizeit verschwimmen

Eine Folge der Digitalisierung ist, dass für viele Arbeitnehmer:innen Arbeitszeit und Freizeit immer mehr verschwimmen. „Wir müssen die Sorgen der Beschäftigten ernst nehmen und den negativen Folgen der Digitalisierung einen Riegel vorschieben, nur so gelingt es uns die Ängste der Arbeitnehmer:innen abzubauen“, so die AK Direktorin.

Damit die Ängste genommen werden können, müssen die Beschäftigten darüber informiert werden, welche Technologie was genau macht und wobei sie unterstützen kann. Die besondere Betonung einer Regulierung auch auf einer EU-Ebene durch den Staatssekräter Tursky relativiert die assoziierte TU-Wien Professorin Hilda Tellioğlu mit: „Wichtig ist aber vor allem eine sinnvolle Regulierung der Digitalisierung, denn es gibt Menschen mit guten und auch welche mit schlechten Absichten“.

„iPhone-Moment“ ChatGPT 

Digitalisierung wird derzeit in den Medien insbesondere rund um den Chatbot ChatGPT diskutiert. Das sei ein „iPhone-Moment“, so Tursky. „So wie bei der Einführung des iPhones plötzlich vielen klar wurde, welche Potentiale Smartphones haben, so wecke auch ChatGPT die Fantasie, was möglich ist, wohin die Reise gehen könnte“, sagt Staatssekretär Tursky.

Es braucht Regulierung

Es gibt im Bereich der Digitalisierung viel zu wenig Regulierung, hier sind sich die AK Direktorin und der Staatssekretär einig. Hruška-Frank fordert deswegen Zulassungsverfahren mit Technologiefolgen-Abschätzungen aber auch eine gerechte Besteuerung von Tech-Unternehmen.

„Als EU müssen wir hier Standards schaffen, wie die Regulierung im Bereich der Digitalisierung aussehen soll“, so die AK Direktorin. Und ergänzt: „Wir als AK sind eine Plattform für den Dialog, denn wir sind nahe an den Arbeitnehmer:innen dran und wissen über positive und negative Digitalisierungs-Praktiken in der Arbeitswelt ganz genau Bescheid“. 

AK Projekte und #AKDigiday

Auf Basis dieses Wissens hat die AK das Zukunftsprogramm 2019 – 2023 ins Leben gerufen.

Rund 500 Projekte wurden österreichweit von der AK bisher durch diese Digitalisierungsoffensive gefördert. „Die AK ist auch die Stimme für eine gerechte Arbeitswelt von morgen. Die Projektergebnisse zeigen, was geschehen muss, damit Arbeitnehmer:innen im Zuge der Digitalisierung nicht gläsern oder abgehängt werden“, sagt AK Direktorin Silvia Hruška-Frank. „Eine gerecht gestaltete Digitalisierung ist möglich.“

Die AK präsentiert wöchentlich unter dem Hashtag #AKDigiday die unterstützten Projekte. Eine Übersicht über Highlightförderungen aus den Arbeiterkammern findet man hier.