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3.10.2022

Erdost: Bildung muss endlich Priorität werden, auch budgetär

Mutige Bildungsmaßnahmen und Investitionen sind keine Wunschträumerei, sondern reale Prioritätensetzung, das zeigt der Blick in andere europäische Länder. 

Ilkim Erdost, AK Bereichsleiterin Bildung, sieht dringenden Handlungsbedarf für die Politik: „Statt mit einem deutlichen Investitionsschub einen Neustart in der Bildungspolitik voranzutreiben, den Reformstau ehrlich anzugehen und die Bedürfnisse der Schulen und Schülerinnen und Schüler ernst zu nehmen, herrscht Mutlosigkeit und Kleinklein in der Schulpolitik.“

Würden die Bildungsausgaben wie im OECD-Schnitt mit dem Anstieg des BIPs mitwachsen, könnten längst zielgerichtete Maßnahmen umgesetzt werden, um jedes Kind jetzt, aber auch in Zukunft, bestmöglich zu unterstützen.

OECD-Studie zeigt: Österreich hinkt bei Bildungsausgaben hinterher 

„Österreichs Schulen sind aktuell nicht so ausgestattet, dass jedes Kind ausreichend beim Lernen unterstützt werden kann – das zeigt der internationale Vergleich deutlich“, kritisiert Erdost und weiter „Im Gegenteil: In Österreich wird der Bildungserfolg privatisiert und die Eltern müssen kompensieren, was in der Schule nicht stattfindet. Daran dürfen wir nicht weiter festhalten“.

Laut der am 3.10.2022 veröffentlichten OECD-Studie „Bildung auf einen Blick“, wurden 2019 in Österreich 4,7 Prozent des BIP für Bildungseinrichtungen von Volksschule bis Universität verwendet, in der OECD waren es im Schnitt 4,9 Prozent. Im Kindergartenbereich sieht es sehr ähnlich aus: In Österreich gab man für die Kleinsten 0,7 Prozent des BIP, im OECD-Schnitt 0,9 Prozent aus. Hieran hat sich auch in den letzten Jahren wenig verbessert. 

Seit 2015 sind in Österreich die Bildungsausgaben um 4,2 Prozent gestiegen, während das BIP in dieser Zeit um 8,5 Prozent gewachsen ist. In der OECD hielten sich die Ausgabensteigerung für die Bildung (10 Prozent) und das BIP-Wachstum (11,5 Prozent) in etwa die Waage. 

Während Österreich schon kaum auf die Folgen der COVID-19-Pandemie für den Bildungsbereich budgetär reagiert hat, haben andere europäische Länder umfassende „Catch-Up“ Programme auf den Weg gebracht und ihre Ausgaben deutlich erhöht, um Folgen der Pandemie abzufedern und Lernlücken zu schließen. Auch im aktuellen OECD Bericht wird nun wieder deutlich: Bildungspolitik ist in Österreich kein Schwerpunkt. 

Bildung muss budgetäre Priorität werden 

Kinder und Jugendliche und ihr Umfeld sind offenbar immer noch keine Priorität. Die Arbeiterkammer fordert daher nichts weniger als Kinder und Jugendliche endlich an die oberste Stelle der politischen Tagesordnung zu stellen. Im Budget verdienen Kinder, Eltern und Lehrpersonen mehr: konkret zumindest 300 Mio. mehr Mittel mit dem AK Chancenindex! 

Qualitätsvolle Elementarbildung braucht Investitionen in Gruppengröße 

Österreich ist auch bei der Elementarbildung viel zu sparsam und die Rahmenbedingung sind zu schlecht. Das zeigt der internationale Vergleich deutlich. Mit Ausgaben von 0,70 Prozent des BIP liegt Österreich weit unter dem OECD-Durchschnitt von knapp 1 Prozent. Als erste Bildungseinrichtung müssen die Kindergärten entsprechend ausgestattet werden. „In Österreich sind die Arbeitsbedingungen für die Elementarpädagoginnen und -pädagogen jedoch derart herausfordernd, dass viele aus dem Beruf aussteigen, Gruppen aufgrund von Personalknappheit geschlossen werden müssen.

Das ist ein unwürdiger Zustand für eines der reichsten Länder in der OECD“, kritisiert Erdost. Elementare Bildungseinrichtungen spielen sowohl für die Betreuungssicherheit als auch für die Bildungsgerechtigkeit eine zentrale Rolle. Darüber hinaus zeigen sich enorme Folgeeffekte auf unterschiedlichen Ebenen: direkte und indirekte monetäre Rückflüsse in den Staatshaushalt, höhere Bildungserfolge und geringere Abhängigkeit von Sozialleistungen. Erdost appelliert an das Bildungsministerium: „Es braucht mutige Reformen und Investitionen für Österreichs Kindergärten: Ambitionierte bundesweite Qualitätskriterien sowie höhere Investitionen sind eine entscheidende Voraussetzung für bessere Bildungschancen für Kinder und mehr Vereinbarkeit für berufstätige Eltern.“

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