Weiterbeschäftigungspflicht: Weiterarbeit nach Ende der Lehre
Ist die Lehrzeit vorbei, stellt sich für viele die Frage, ob sie weiter im Betrieb arbeiten oder sich nach einem neuen Arbeitsplatz umsehen wollen.
Grundsätzlich gilt, dass Lehrberechtigte ehemalige Lehrlinge mindestens noch 3 Monate weiter beschäftigen müssen. Lehrlinge können hingegen sofort den Arbeitsplatz wechseln - falls sie das wollen (und kein befristeter Vertrag für den Zeitraum der Weiterbeschäftigungszeit vereinbart wurde).
Weiterbeschäftigungszeit
Normale Weiterbeschäftigungszeit
Lehrberechtigte sind verpflichtet, ehemalige Lehrlinge im Betrieb im erlernten Beruf 3 Monate weiter zu beschäftigen. Voraussetzung dafür ist, dass das Lehrverhältnis durch Zeitablauf (Lehrzeitende laut Lehrvertrag) oder durch die erfolgreich abgelegte Lehrabschlussprüfung (Lehrzeitende = der der Prüfung folgende Sonntag) geendet hat.
Die Weiterbeschäftigungszeit beginnt also unmittelbar nach Ende der Lehrzeit. Unabhängig davon, ob die Lehrabschlussprüfung bereits abgelegt wurde oder nicht beziehungsweise die Prüfung positiv oder negativ absolviert wurde.
Die Weiterbeschäftigungspflicht betrifft ausschließlich die Lehrberechtigten. Lehrlinge können am Ende der Lehrzeit entscheiden, ob sie die Weiterbeschäftigungszeit in Anspruch nehmen oder nicht. Diese Wahlmöglichkeit entfällt, wenn schon im Lehrvertrag eine Befristung des Arbeitsvertrages für die Dauer der Weiterbeschäftigungszeit abgeschlossen wurde.
Kürzere Weiterbeschäftigungszeit
Wenn vom Lehrling nicht die gesamte Lehrzeit im gleichen Lehrbetrieb zurückgelegt wurde, gilt folgende Regelung:
- Beträgt die beim letzten Lehrberechtigten zurückgelegte Lehrzeit die Hälfte oder weniger als die halbe Lehrzeit, so steht dem Lehrling auch nur die halbe Weiterbeschäftigungszeit (1,5 Monate) zu.
Längere Weiterbeschäftigungszeit
Durch Bestimmungen in den Kollektivverträgen kann die Dauer der Weiterbeschäftigungszeit auch mehr als 3 Monate betragen. So legen zum Beispiel die Kollektivverträge für Arbeiter im Metallgewerbe und in der Metallindustrie die Dauer der Weiterbeschäftigungspflicht mit 6 Monaten fest. In manchen Kollektivverträgen wird auch geregelt, dass das Ende der Weiterbeschäftigungszeit auf den Monatsletzten zu erstrecken ist.
Erlassung der Weiterbeschäftigungspflicht, Bewilligung zur Kündigung
Die Weiterbeschäftigungspflicht kann Lehrberechtigten erlassen werden oder die Bewilligung zu Kündigung vor Ablauf der Weiterbeschäftigungszeit erteilt werden, wenn erhebliche wirtschaftliche Gründe vorliegen und Lehrberechtigte diese Erlassung beziehungsweise Bewilligung zeitgerecht beantragt haben.
Dieser Antrag ist bei der Wirtschaftskammer einzubringen, diese muss im Einvernehmen mit der Arbeiterkammer innerhalb von 14 Tagen entscheiden.
Entscheidet die Wirtschaftskammer nicht fristgerecht oder kommt es zu keinem Einvernehmen zwischen den Interessenvertretungen, so muss die Bezirksverwaltungsbehörde nach nochmaliger Anhörung von Wirtschafts- und Arbeiterkammer die endgültige Entscheidung treffen.
WICHTIG
- Eine berechtigte vorzeitige Auflösung des Arbeitsvertrages während der Weiterbeschäftigungszeit (Entlassung, vorzeitiger Austritt) oder eine einvernehmliche Lösung ist natürlich möglich.
- Wurde keine Befristung für die Weiterbeschäftigungszeit abgeschlossen, können Arbeitnehmer:innen das Arbeitsverhältnis auch durch Kündigung auflösen (Kündigungsfristen- und Termine beachten).
- Außerdem wird der Ablauf der Weiterbeschäftigungszeit gehemmt, wenn in diesem Zeitraum der Arbeitnehmer den Präsenz-, Ausbildungs- oder Zivildienst beziehungsweise die Arbeitnehmerin den Ausbildungsdienst antritt. Dies bedeutet, dass sich nach dem Präsenz-, Ausbildungs- oder Zivildienst die nicht verbrauchte Weiterbeschäftigungszeit als wiederum kündigungsgeschützte Zeit anschließt.
- Obig angeführte Bestimmungen gelten auch für Personen, die im Rahmen der Berufsausbildung mit verlängerter Lehrzeit oder Teilqualifizierung in einem Lehrbetrieb ausgebildet werden.
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