31.1.2020

Gesundheitsrisiko: Lange Arbeitszeiten

Seit dem 1. September 2018 sind in Österreich 12-Stunden-Arbeitstage und 60 Stunden-Arbeitswochen gesetzlich erlaubt. Welche Auswirkungen sind bei der Ausschöpfung der verlängerten Arbeitszeiten auf die Gesundheit der ArbeitnehmerInnen zu erwarten? Die Österreichische Gesellschaft für Arbeitsmedizin (ÖGA) hat die aktuellen wissenschaftlichen Befunde zu langen Arbeitszeiten fachlich analysiert.

Einmal mehr wird deutlich: Lange Arbeitszeiten sind ein klares Risiko für die Gesundheit und Sicherheit der ArbeitnehmerInnen. Körperliche Erkrankungen wie Schlaganfälle, Herzinfarkte, Thrombosen, Diabetes, Muskel- Skeletterkrankungen uvm. sowie ein erhöhtes Unfallrisiko können die Folge sein. Auch psychische Beschwerden wie etwa Depressionen, erhöhter Alkoholkonsum oder Übergewicht sind mit langen Arbeitszeiten assoziiert.

Fakt ist: ArbeitgeberInnen sind laut ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG) verpflichtet die Beschäftigten vor psychischen und physischen Gefahren zu schützen. Sie müssen Gefährdungen am Arbeitsplatz ermitteln und wirksame Gegenstrategien entwickeln. Belastung, die zu Fehlbeanspruchung führen kann, ist auszuschalten oder zu reduzieren; dies gilt auch für die Belastung durch Arbeitszeit.

Vorstellung des „Leitfaden zur arbeitsmedizinischen Beurteilung langer Arbeitszeiten“

Arbeitszeitausweitungen im Betrieb erfordern stets eine neuerliche Evaluierung hinsichtlich Gefährdungspotential und wirksamer Schutzmaßnahmen. Der neue „Leitfaden zur arbeitsmedizinischen Beurteilung langer Arbeitszeiten“ der ÖGA unterstützt hier mit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen sowie praxisnahen Empfehlungen. Vor allem für ArbeitsmedizinerInnen und ArbeitspsychologInnen aber auch für Sicherheitsfachkräfte, ArbeitgeberInnen, Führungskräfte, BelegschaftsvertreterInnen, Sicherheitsvertrauenspersonen und ArbeitnehmerInnen stellt dieser eine wertvolle Handlungshilfe dar. 

Die Folgen langer Arbeitszeiten: Grundsätze und Grenzwerte

Überlange Arbeitszeiten bergen Gefahren. Besonders die Kombination von langen Arbeitszeiten mit weiteren Gesundheitsrisiken wie Nachtarbeit, hohe Konzentrationserfordernisse, vorhandene Arbeitsstoffe, Hitze, ungeregelte Pausen etc. ist kritisch zu sehen. Was viele nicht wissen: Auch Arbeitsstoffe und physikalische Belastungen sind Arbeitszeitthemen. Viele Grenzwerte sind lediglich auf 8-Stunden-Arbeitstage ausgelegt. 

Lange Arbeitszeiten: Körperliche Belastungen – Dauerleistungsgrenzen – Unfallrisiken

Zahlreiche Studien zeigen einen deutlichen Zusammenhang zwischen langer Arbeitszeit und einem erhöhten Unfallrisiko. Vor allem ab der 9. bzw. 10. Arbeitsstunde steigt das Risiko stark an. Nicht nur körperlich arbeitende Menschen sind gefährdet, auch der Arbeitsweg wird bei langen Arbeitszeiten zur oft unterschätzen Gefahr. 

Psychosoziale Effekte langer Arbeitszeiten: Work – Life Balance?!

Wird ein Gummiband übermäßig gedehnt, reißt es irgendwann: Diese physikalische Gesetzmäßigkeit gilt auch für uns Menschen. Ein Gleichgewicht zwischen Arbeits- und Erholungszeit ist wichtig, um langfristig leistungsfähig zu bleiben - Spannung braucht Entspannung. Je länger gearbeitet wird, desto weniger Zeit bleibt für wichtige Regeneration und Freizeit. Gleichzeitig steigt der Erholungsbedarf um das mehr an Arbeitsbelastung auszugleichen. Ermüdungsausgleich statt entspannte Mußestunden? Wo bleibt die Work-Life Balance? 

Die Veranstaltung lieferte einen Überblick über die ersten Erfahrungen der Arbeitszeitverlängerung und aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu Arbeitszeit und Gesundheit. Dazu wurde der neue Leitfaden zur arbeitsmedizinischen Beurteilung langer Arbeitszeiten vorgestellt.

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