Junge Frau am Schreibtisch mit Rechnungen
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Mehr Finanzwissen für alle

Finanzielle Entscheidungen gehören zum Alltag: vom Umgang mit dem eigenen Konto über Konsumkredite bis hin zur Altersvorsorge. Gleichzeitig werden Finanzprodukte immer komplexer, digitale Angebote nehmen zu und auch Betrugsfälle im Finanzsektor häufen sich. Umso wichtiger ist es, dass Menschen über grundlegende Finanzkompetenzen verfügen.

Die Nationale Finanzbildungsstrategie

Vor diesem Hintergrund wurde 2021 die Nationale Finanzbildungsstrategie als Bildungsinitiative ins Leben gerufen. Ziel ist es, die Finanzkompetenz der gesamten Bevölkerung in Österreich zu stärken und Menschen zu befähigen, fundierte finanzielle Entscheidungen zu treffen.

Initiator und Träger dieses Projektes ist das österreichische Bundesministerium für Finanzen (BMF) in enger Kooperation mit der Österreichischen Nationalbank (OeNB). Die Entwicklung erfolgte in Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen wie der Europäischen Kommission und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sowie rund 50 nationalen Institutionen und Stakeholdern aus dem Finanzbildungsbereich. Auch die Bundesarbeiterkammer ist Mitglied in den Beratungs- und Expertengremien der Initiative.

Ziel dieser Initiative ist es, dass Menschen nicht nur den Umgang mit Geld erlernen, sondern auch langfristig finanzielle Entscheidungen treffen können, die zu finanzieller Stabilität und Wohlstand beitragen.

Warum ist Finanzbildung wichtig?

Eine grundlegende Finanzbildung hilft Menschen, ihre finanzielle Situation besser zu verstehen und verantwortungsvoll mit Geld umzugehen. Dazu gehört insbesondere die Fähigkeiten,

  • Einnahmen und Ausgaben im Alltag zu überblicken,
  • ein Girokonto sicher zu verwalten,
  • Kredite und Versicherungen verantwortungsvoll abzuschließen sowie
  • finanzielle Risiken realistisch einzuschätzen.

Angesichts der zunehmenden Komplexität von Finanzprodukten, der fortschreitenden Digitalisierung und neuer Konsumformen wird Finanzbildung immer wichtiger. Sie ermöglicht es Menschen, finanzielle Entscheidungen selbstbestimmt zu treffen und langfristig finanzielle Stabilität zu erreichen.

Die Arbeiterkammer unterstützt daher Initiativen zur Stärkung der Finanzbildung, da sie eine wichtige Grundlage für wirtschaftliche Selbstständigkeit und gesellschaftliche Teilhabe darstellt.

Maßnahmen zur Förderung der Finanzbildung

Im Rahmen der nationalen Strategie setzen zahlreiche Akteur:innen unterschiedliche Initiativen zur Finanzbildung um. Diese reichen von schulischer Bildung bis zu Informations- und Beratungsangeboten für Erwachsene.

Zu den zentralen Themen gehören:

  • verantwortungsvoller Umgang mit Geld
  • Budgetplanung im Alltag
  • Vermögensaufbau und finanzielle Vorsorge
  • Verständnis wirtschaftlicher Zusammenhänge
  • sichere und informierte Teilnahme an Finanzmärkten
  • verantwortungsvoller Umgang mit Krediten
  • Prävention von Überschuldung

Gerade für junge Menschen ist Finanzbildung besonders wichtig. Neue Konsumangebote wie „Buy now, pay later“, leicht zugängliche Konsumkredite oder komplexe Leasingverträge können erhebliche finanzielle Risiken bergen.

Ein besonderer Schwerpunkt der nationalen Strategie liegt zudem auf der Finanzkompetenz von Frauen. Fehlendes Finanzwissen kann insbesondere bei Trennung, längerer Teilzeit oder Erwerbsunterbrechungen zu finanziellen Schwierigkeiten führen. Finanzbildung kann dabei helfen, die eigene finanzielle Situation besser zu verstehen und langfristig abzusichern.

Grenzen der Finanzbildung

Trotz ihrer großen Bedeutung kann Finanzbildung gesellschaftliche Probleme nicht allein lösen.

Strukturelle Herausforderungen wie drohende Altersarmut bei Alleinerziehenden oder die finanzielle Benachteiligung von Frauen – etwa durch geschlechtsspezifische Einkommensunterschiede – erfordern vor allem sozialpolitische Maßnahmen.

Zudem darf Finanzbildung nicht dazu führen, dass Banken und Versicherungen aus ihrer Verantwortung entlassen werden. Finanzdienstleister:innen müssen ihre Produkte und Dienstleistungen verständlich erklären und transparent kommunizieren. Dazu zählen etwa:

  • klare und nachvollziehbare Beratung
  • verständliche Angebots- und Vertragsunterlagen
  • transparente Kontoauszüge und Versicherungsinformationen
  • einfach gestaltete Finanzprodukte ohne unnötig komplizierte Fachsprache.

Die Arbeiterkammer sieht daher auch Initiativen von Banken und Versicherungsunternehmen kritisch. Da diese Unternehmen wirtschaftliche Interessen verfolgen, besteht die Gefahr, dass Finanzbildungsangebote nicht vollständig neutral sind – etwa wenn bestimmte Finanzprodukte stark beworben werden.

tipp

Finanznavi – der digitale Wegweiser für Finanzentscheidungen

Ein Projekt im Rahmen der Nationalen Finanzbildungsstrategie ist das Finanznavi. Ziel des Portals ist es, die Finanzbildung der österreichischen Bevölkerung nachhaltig zu verbessern und in wichtigen finanziellen Lebensfragen Orientierung zu geben.

Anhand verschiedener Lebensphasen (Schule, Arbeitsleben, Vorsorge, Familienleben und Pension) werden die Nutzerinnen und Nutzer dort abgeholt, wo sie geradestehen, und finden mit wenigen Klicks relevante Inhalte und Tipps:

  • Unabhängige, qualitätsgesicherte Informationen mit lebensnahen Beispielen
  • Externe Bildungsangebote
  • Finanznavi-Check

Grüne Finanzbildung

Auf der Website vom Bundesministerium Klima- und Umweltschutz finden Sie Informationen rund um das Thema grüne Finanzprodukte - von ESG-Kriterien (Environmental, Social und Governance, zu Deutsch: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) für Nachhaltigkeit bis zu Greenwashing – darunter ist das Bestreben von Unternehmen zu verstehen ein grünes Image zu vermitteln, ohne dafür entsprechende Kriterien zu erfüllen.

Das Umweltbundesamt hat zudem eine Serie von Videos initiiert, die auf der Webseite des Bundesministeriums für Finanzen (BMF) abrufbar sind.

TIPP

Finanzführerschein

Seit Februar 2020 bietet die Wiener Schuldenberatung in Zusammenarbeit mit der Bildungsdirektion Wien und unterstützt von der Arbeiterkammer Wien den Finanzführerschein an Wiener Schulen an. Im Rahmen des Ausbildungsprogramms erhalten Schüler:innen praxisnahes Wissen rund um das Thema Geld. Die Schwerpunkte liegen auf den Themen Wohnen, Wohnungssicherung und Geldeinteilung bzw. Prioritäten bei Zahlungen. Eine aktive und kritische Auseinandersetzung anhand von Beispielen aus dem Leben soll überlegtes und kompetentes Handeln in Finanz- und Konsumentenfragen fördern.

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