Junge Frau trinkt ein Nahrungsergänzungsmittel.
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21.10.2026

Nahrungsergänzungsmittel: Junge greifen häufig zu Pillen und Pulvern

65 Prozent der befragten 14- bis 25-Jährigen haben in den vergangenen drei Monaten Nahrungsergänzungsmittel eingenommen. Viele kombinieren mehrere Produkte, der tatsächliche Bedarf wird selten fachlich abgeklärt. Informationen und Empfehlungen kommen häufig aus dem Netz. Die AK fordert mehr Aufklärung, strengere Kontrollen und eine Meldepflicht für die Präparate.

Vitamine fürs Immunsystem, Proteine für den Muskelaufbau: Nahrungsergänzungsmittel sind bei jungen Menschen gefragt. Das zeigt eine Umfrage der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung im Auftrag der AK. Befragt wurden im Mai und Juni 2026 insgesamt 569 Personen zwischen 14 und 25 Jahren. Die Umfrage präsentierten die AK Konsument:innenschützer Gabriele Zgubic und Petra Lehner.


Mehrere Produkte – wenig fachliche Beratung

Schon die Hälfte der befragten 14- bis 17-Jährigen nimmt Nahrungsergänzungsmittel, bei den 18- bis 25-Jährigen sind es drei Viertel. Wer zu Supplements greift, verwendet durchschnittlich Produkte aus vier verschiedenen Kategorien – vereinzelt sogar aus bis zu 14. Eine ärztliche oder fachliche Abklärung des Bedarfs wird nur selten genannt.

„Wer mehrere Produkte kombiniert, kann leicht den Überblick über die Gesamtaufnahme verlieren“, warnt AK Ernährungsexpertin Petra Lehner. Die Mengen können sich aus Einzel-, Multi- und Kombinationspräparaten sowie angereicherten Lebensmitteln und Getränken summieren. Überdosierungen sind möglich, etwa bei Koffein, Magnesium, Vitamin D oder Zink.

Proteine boomen, Motive unterscheiden sich

Proteine bilden die größte Produktgruppe, Whey-Protein ist das am häufigsten genannte Einzelprodukt. Auch Kreatin und Kollagen liegen im Trend. Dabei lässt sich der Eiweißbedarf in der Regel über die Ernährung decken.

Bei den Einnahmemotiven zeigen sich deutliche Unterschiede: 74 Prozent der befragten jungen Männer nennen Muskelaufbau, bei den jungen Frauen sind es 31 Prozent. Diese wollen häufiger Nährstoffmängeln vorbeugen: 46 Prozent nennen dieses Motiv, gegenüber 19 Prozent der jungen Männer. Die 14- bis 17-Jährigen führen häufiger Körperfettreduktion sowie Aussehen und Schönheit an. 

Rat kommt häufig aus dem Netz

Social Media und Internet werden von 38 Prozent als Informations- und Empfehlungsquellen genannt, Influencer und Online-Coaches von 14 Prozent. Auch Familie und Freund spielen eine wichtige Rolle. Weniger als zehn Prozent nutzen überwiegend professionelle Informationsquellen.

„Nicht jedes Nahrungsergänzungsmittel ist sinnvoll und nicht jedes Online-Versprechen seriös“, betont Gabriele Zgubic, Leiterin der AK Konsument.

AK fordert klare Regeln

Damit junge Menschen besser geschützt sind, verlangt die AK:

  • Werbung und Vermarktung stärker kontrollieren: Besonders online müssen irreführende Gesundheitsversprechen wirksam verfolgt werden.
  • Plattformen und Influencer in die Pflicht nehmen: Werbung, Kooperationen und fachliche Qualifikationen müssen klar erkennbar sein. Bestehende Regeln müssen auch durchgesetzt werden.
  • Meldepflicht wieder einführen: Eine verpflichtende Meldung von Nahrungsergänzungsmitteln soll den Behörden einen besseren Marktüberblick und eine fundiertere Risikobewertung ermöglichen.
  • Gesetzliche Höchstmengen festlegen: Verbindliche Grenzen für Vitamine, Mineralstoffe und sonstige Inhaltsstoffe sollen Überdosierungen vorbeugen.
  • Qualifizierte Ernährungsberatung leichter zugänglich machen: Krankenkassen sollen Beratung stärker unterstützen. Sie soll auch beim Ausbau des Eltern-Kind-Passes berücksichtigt werden.

Drei Tipps für den sicheren Umgang

  • Bedarf abklären. Wer gesund ist und sich ausgewogen ernährt, braucht meist keine Nahrungsergänzungsmittel. Besprechen Sie mit Ärzt oder qualifizierten Ernährungsfachkräften, ob eine gezielte Ergänzung sinnvoll ist. 
  • Inhaltsstoffe und Mengen prüfen. Achten Sie darauf, welche Stoffe in mehreren Präparaten oder angereicherten Lebensmitteln enthalten sind. Die Mengen können sich summieren.
  • Medikamente berücksichtigen. Nahrungsergänzungsmittel können Wechselwirkungen mit Medikamenten haben. Klären Sie die gemeinsame Einnahme ärztlich oder in der Apotheke ab.

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