Ältere Arbeitnehmer:innen, die ihren Job verlieren, haben kaum Chancen, einen neuen zu finden.
Ältere Arbeitnehmer:innen, die ihren Job verlieren, haben kaum Chancen, einen neuen zu finden. © Daniel, Adobe
2.11.2026

Jobs ab 60 Jahren: Wer Ältere beschäftigt, soll profitieren

Wer länger arbeiten soll, braucht auch einen Arbeitsplatz. Doch viele Betriebe beschäftigen kaum ältere Menschen. AK und ÖGB schlagen deshalb ein Bonus-Malus-System vor: Wer überdurchschnittlich viele Ältere beschäftigt, soll gefördert werden. Wer die Vorgaben verfehlt, soll einen finanziellen Beitrag leisten. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

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Warum braucht es das Modell?

In mehr als einem Viertel der Betriebe mit mindestens 20 Beschäftigten arbeitet keine einzige Person über 60. Wer in diesem Alter arbeitslos wird, findet besonders schwer zurück: 60- bis 64-Jährige sind im Schnitt 451 Tage beim AMS arbeitslos vorgemerkt. Das Modell soll Betriebe dazu bewegen, erfahrene Beschäftigte zu halten und ältere Arbeitsuchende einzustellen.

Für wen soll das System gelten?

Für Betriebe ab 20 Beschäftigten. Entscheidend ist der Anteil der 60- bis 64-Jährigen an ihrer Belegschaft. Kleinere Betriebe sind ausgenommen. Für 21 Branchen sind unterschiedliche Zielquoten vorgesehen, die schrittweise steigen. So berücksichtigt das Modell, dass etwa auf einer Baustelle andere Arbeitsbedingungen herrschen als in einer Bank.

Wie funktionieren Bonus und Malus?

Betriebe, die ihre Branchenquote übertreffen, sollen Förderungen aus einem Bonus-Topf erhalten. Wer zu wenige ältere Menschen beschäftigt, soll eine Ausgleichszahlung leisten: pro fehlender älterer Person jährlich 15 Prozent des durchschnittlichen Jahreslohns im jeweiligen Betrieb. Laut Modellrechnung entspricht das im Durchschnitt rund 615 Euro monatlich je fehlender Person.

Ein Beispiel

Ein Hotel mit 50 Beschäftigten müsste bei der ersten Überprüfung 2028 mindestens zwei Personen zwischen 60 und 64 beschäftigen. Hat es keine und beträgt der durchschnittliche Jahreslohn 20.500 Euro, wären insgesamt 6.150 Euro im Jahr fällig – rund 513 Euro im Monat.

Wofür soll das Geld verwendet werden?

Die Hälfte der Ausgleichszahlungen soll in den Bonus-Topf fließen. Damit können Betriebe, die ihre Quote übertreffen, etwa ergonomische Arbeitsplätze, altersgerechte Arbeitsbedingungen und Weiterbildung finanzieren. Die andere Hälfte soll das AMS für Beschäftigungsprojekte und die Wiedereingliederung älterer Arbeitsloser erhalten.

Ab wann soll das Modell wirken?

Der Vorschlag sieht einen Start 2027 vor. Die Betriebe sollen ein Jahr Zeit bekommen, sich auf die Zielquote ihrer Branche einzustellen. Erstmals 2028 würde überprüft, ob sie die Quote für 2027 erreichen. Bei einer Unterschreitung wäre dann ein Malus fällig. Danach sollen jährliche Kontrollen folgen; 2031 müsste die Zielquote für 2030 erreicht sein.

Was bringt das für Beschäftigte und Pensionen?

Mehr Chancen auf einen Job und Arbeitsbedingungen, unter denen Menschen gesund bis zur Pension arbeiten können: Das wollen AK und ÖGB erreichen. Bleiben mehr Ältere in Beschäftigung, stärkt das auch die Finanzierung der Pensionen. Eine Erhöhung des gesetzlichen Pensionsalters lehnen AK und ÖGB ab.

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