Equal Pension Day 2026
Am 9. August ist Equal Pension Day – jener Tag, an dem Männer in Österreich bereits die Pensionssumme erreicht haben, die Frauen erst bis 31. Dezember erhalten. Die Lücke ist massiv und macht deutlich, dass Frauen im Alter noch immer den Preis für eine unfaire Arbeitsteilung, Teilzeitarbeit und Altersdiskriminierung zahlen.
Welche strukturellen Änderungen auf dem Arbeitsmarkt und im Pensionskonto jetzt zwingend notwendig sind und wie familiäre Sorgearbeit im Alter gerecht abgesichert wird, wurden im Rahmen einer Pressekonferenz erläutert:
Österreich ist Vize-Europameister bei der Pensionslücke
Der Equal Pension Day macht sichtbar, wie tief die Ungleichheit zwischen Frauen und Männern im Alter in Österreich noch immer verankert ist. Aktuelle Berechnungen auf Basis der heimischen Pensionsversicherung zeigen: Frauen erhalten in Österreich im Durchschnitt um fast 40 Prozent (39,4 Prozent) weniger Pension als Männer. Das belegt auch der internationale Vergleich: Laut dem jüngsten OECD-Bericht bildet Österreich im deutschsprachigen Raum das Schlusslicht bei der Gleichstellung im Alter und liegt bei der Pensionslücke weit über dem OECD-Schnitt. Auch die Eurostat-Zahlen bestätigen diese alarmierende Tendenz: Österreich weist im EU-Vergleich nach Malta die zweithöchste geschlechtsspezifische Pensionslücke auf.
Lohnlücke und Teilzeitarbeit als Pensionsdämpfer
Niedrige Frauenpensionen entstehen nicht erst beim Pensionsantritt, sondern über Jahrzehnte hinweg am Arbeitsmarkt. 2024 lag der Gender Pay Gap in Österreich bei 17,6 Prozent, was bedeutet, dass Frauen pro Stunde im Durchschnitt um 17,6 Prozent weniger verdienen als Männer. Wer über ein ganzes Berufsleben hinweg deutlich geringere Stundenlöhne erhält, kann am Ende auch keine gleichwertigen Pensionsansprüche aufbauen.
Verschärft wird dieses Problem durch Teilzeitarbeit. Viele Frauen müssen ihre Arbeitszeit deshalb reduzieren, weil Kinderbetreuung, Pflege und Haushalt in Österreich noch immer überwiegend auf ihren Schultern lasten. Das spiegelt sich in den Erwerbsbiografien deutlich wider: Frauen hatten 2022 durchschnittlich 8,4 Jahre Erwerbslücken, Männer hingegen nur 5,6 Jahre. Besonders drastisch zeigen sich die Folgen einer Familiengründung: Zwölf Jahre nach der Geburt eines Kindes liegt das Einkommen von Frauen im Schnitt noch immer um zehn Prozent unter dem Niveau vor der Geburt, während Männer im selben Zeitraum ein Einkommensplus von 16 Prozent verzeichnen.
Altersdiskriminierung: Arbeitslos vor der Pension
Wer in der aktuellen Debatte ein noch höheres Pensionsantrittsalter fordert, verkennt die Realität am Arbeitsmarkt. Seit Jänner 2024 wird das gesetzliche Frauenpensionsalter schrittweise auf 65 Jahre angehoben – mit einem ernüchternden Ergebnis: Anstatt länger im Betrieb gehalten zu werden, steigt auch die Arbeitslosigkeit älterer Frauen an. Aktuelle Daten zeigen, dass die Arbeitslosenquote bei Frauen zwischen 60 und 64 Jahren mittlerweile bei 7,2 Prozent liegt (2025). Ein immer späterer Pensionsantritt führt also nicht automatisch zu längerer Beschäftigung, sondern für viele direkt in die Arbeitslosigkeit. Fast jede dritte Frau scheitert am direkten Übertritt aus der Beschäftigung in die Pension. Der Grund dafür ist eine grassierende Altersdiskriminierung in vielen Unternehmen: Ältere Arbeitnehmerinnen werden oft aussortiert oder nach Jobverlust gar nicht erst wieder eingestellt.
Mehr Fairness bei der Kindererziehung und im Betrieb
Ein zentraler Grund für die Pensionslücke liegt in der ungleichen Verteilung von unbezahlter Arbeit: Eine partnerschaftliche Aufteilung von Kinderbetreuung und Haushalt ist in Österreich nach wie vor eher Ausnahme als Regel. Weil auch ein flächendeckendes, ausreichendes Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen vielerorts fehlt, bleibt Müttern meist nur ein Ausweg: Sie wechseln für viele Jahre in Teilzeit. Nur so lässt sich der Spagat zwischen Familie und Beruf überhaupt stemmen – ein Kompromiss, der sich auf dem Pensionskonto rächt.
Das fordert die AK
- Bessere Anrechnung von Kindererziehungszeiten
- 65 Jahre sind genug. Keine weitere Erhöhung des Antrittsalters!
- Bonus-Malus-System gegen Altersdiskriminierung
- Krankheit ist kein Kündigungsgrund
- Faire Löhne durch Transparenz
- Ausbau flächendeckender, leistbarer und hochqualitativer Kinderbetreuungs- sowie Pflegeeinrichtungen