Mehr Frauen als Fachkräfte gewinnen
Jahr für Jahr steigt der Bedarf an Fachkräften in nahezu allen Wirtschaftssparten.
Die wichtigsten Ursachen lassen sich mit den sogenannten „3 D“ zusammenfassen:
- Demografie
- Dekarbonisierung
- Digitalisierung
Fachkräftebedarf – eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung
Um die Erwerbsquote langfristig zumindest annähernd stabil zu halten, ist die Sicherstellung eines ausreichenden Arbeitskräfteangebots entscheidend. Dies kann vor allem durch die Hebung der sogenannten „Stillen Reserve“, insbesondere von Frauen, erreicht werden. Weitere Ansatzpunkte sind eine gezielte Steuerung der Zuwanderung sowie – in geringerem Ausmaß – Maßnahmen wie die Erhöhung der Erwerbsbeteiligung älterer Arbeitnehmer:innen.
Am sinnvollsten und gesellschaftlich am ehesten akzeptiert ist eine Kombination mehrerer Maßnahmen, da keine einzelne Lösung den Fachkräftebedarf alleine decken kann.
Frauen in Österreich – ein unterschätztes Potenzial
Art und Umfang der Erwerbsarbeit von Frauen unterscheiden sich in Österreich grundlegend von jener der Männer:
- Frauen arbeiten häufiger im Niedriglohnsektor
- Frauen arbeiten deutlich öfter Teilzeit
- Frauen verdienen im Durchschnitt weniger als Männer
Das ist umso bemerkenswerter, als Frauen Männer bei den Bildungsabschlüssen seit Jahrzehnten deutlich überholen.
Das Kernproblem: Ungleiche Verteilung von Care-Arbeit
Die starke Trennung des Arbeitsmarktes nach Geschlechtern hat ihre Ursache vor allem in der ungleichen Aufteilung der unbezahlten Care-Arbeit. Frauen übernehmen nach wie vor den Großteil von:
- Kinderbetreuung
- Pflege von alten und kranken Menschen
- Hausarbeit
Diese Mehrfachbelastung hat erhebliche Auswirkungen auf ihre Erwerbstätigkeit. Frauen gelten – und sind faktisch oft – weniger verfügbar und flexibel, als es viele Arbeitgeber:innen erwarten.
Ein wesentlicher Grund dafür ist das unzureichende Angebot an öffentlicher Kinderbetreuung und Pflege. Ohne verlässliche Betreuungsstrukturen ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für viele Frauen nur sehr eingeschränkt möglich.
Wo fehlen die Fachkräfte?
Der Fachkräftemangel zeigt sich sowohl in klassischen Frauenberufen als auch in klassischen Männerberufen:
- In frauendominierten Bereichen wie Pflege, soziale Berufe, Erziehung und Betreuung
- In männerdominierten Branchen wie MINT-Berufen und dem Handwerk
Frauen fehlen somit nicht nur dort, wo sie traditionell stark vertreten sind, sondern auch in jenen Bereichen, die bislang überwiegend von Männern geprägt sind.
Wie trifft der Fachkräftebedarf Frauen?
Direkt
Besonders betroffen sind sogenannte systemerhaltende Bereiche wie:
- Gesundheit und Pflege
- Erziehung und Betreuung
- Ernährung
Der hohe Personalmangel führt zu wachsendem Arbeitsdruck für die Beschäftigten. Gleichzeitig sind auch viele männerdominierte Berufe stark von Engpässen betroffen.
Indirekt
Der Personalmangel in Kinderbetreuung, Ganztagsschulen und Pflegeeinrichtungen führt häufig zu Qualitätsverlusten. In der Folge springen meist Frauen innerhalb der Familie ein, um Betreuung und Pflege zu übernehmen.
Diese informelle Unterstützung ist oft die Voraussetzung dafür, dass die zunehmend geforderte Flexibilität am Arbeitsplatz überhaupt möglich ist.
Wie werden mehr Frauen zu Fachkräften der Zukunft?
Das „4+1“-Modell des Aufbrechens
1. (Er-)Halten
Ältere Arbeitnehmerinnen müssen gesund und qualifiziert im Arbeitsmarkt gehalten werden. Besonders belastende Branchen sollten durch höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen attraktiver gestaltet werden. Dazu gehört auch eine rechtzeitige Vorsorge für ein gesundes Arbeitsleben, insbesondere für mehrfachbelastete Frauen.
2. Öffnen
Die „entmutigte Stille Reserve“ kann durch öffentliche Investitionen in Kinderbetreuung, Pflege und öffentlichen Verkehr sowie durch gezielte Programme zur Aktivierung benachteiligter Gruppen gehoben werden.
3. Weiterdenken
Eine umfassende Aus- und Weiterbildungsoffensive ist notwendig – insbesondere in den Bereichen Digitalisierung, ökologischer Umbau, Pflege und Kinderbetreuung. Gleichzeitig braucht es eine Neubewertung von sogenannter „Frauenarbeit“. Mitgebrachte Qualifikationen – unabhängig davon, wo und wann sie erworben wurden – sollten kostenlos und rasch anerkannt werden, um Frauen den Einstieg in den Arbeitsmarkt zu erleichtern.
4. Willkommen heißen
In Österreich lebende Migrantinnen müssen gezielt in den Arbeitsmarkt integriert werden. Gleichzeitig sollte weibliche Zuwanderung positiv gestaltet werden. Frauen auch in männerdominierten Branchen willkommen zu heißen bedeutet, Arbeitskulturen menschlicher und inklusiver zu gestalten.
+1 Aufbrechen
Eine zusätzliche, zentrale Antwort auf den Fachkräftebedarf ist das Aufbrechen traditioneller Berufs- und Rollenbilder. Dazu gehört: Best-Practice-Beispiele von Frauen in Männerberufen und Männern in Frauenberufen gezielt nutzen.
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