Vorsorge statt Strukturbruch
45. Klimadialog: Wie sich regionaler Transformationsstress messen lässt
Wenn Geschäftsmodelle wegbrechen, Betriebe ihre Produktion umstellen oder die Energiekosten zu hoch werden, kann das ganze Regionen unter Druck setzen. Der Wandel, der auf europäischer und nationaler Ebene notwendig ist, kann vor Ort zur Belastung für Beschäftigte, Betriebe und Gemeinden werden. Beim 45. AK Klimadialog ging es darum, wie Österreichs Regionen diesen Wandel so gestalten können, dass daraus neue Chancen entstehen.
Wie Dekarbonisierung Regionen verändert
Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI im Auftrag der Arbeiterkammer Wien untersucht, wie sich die Dekarbonisierung bisher auf die Wirtschafts- und Beschäftigungsstrukturen in Österreich ausgewirkt hat. Sie zeigt, wie unterschiedlich die Regionen betroffen sind und wie besonders geforderte Regionen mit dem Wandel umgehen und welche Handlungsmöglichkeiten sie haben.
Videorückblick
Esther Schnabl vom Fraunhofer ISI stellte als Co-Autorin die Ergebnisse der Studie „Regionaler Transformationsdruck: Wirtschaftliche Disparitäten in der grünen Transformation österreichischer Regionen“ vor. Anschließend ordnete Helene Schuberth, Bundesgeschäftsführerin des ÖGB, die Ergebnisse aus gewerkschaftlicher Sicht ein.
Highlights des Klimadialogs
Weniger CO₂-Ausstoß bedeutet nicht automatisch weniger Arbeitsplätze. Wie stark der industrielle Umbau eine Region fordert, hängt von ihrer Wirtschaftsstruktur ab. Besonders unter Druck stehen Regionen, in denen viele Menschen in Branchen mit hohem CO₂-Ausstoß arbeiten und der Umbau tief in die bestehenden Wirtschaftsstrukturen eingreift.
Die Industrieschwäche verschärft den Druck. Geopolitische Spannungen, hohe Energiepreise und internationale Unsicherheiten belasten die Betriebe. Seit 2023 geht die Beschäftigung in fast allen Industriebereichen leicht zurück. In den besonders betroffenen Regionen steigt die Arbeitslosigkeit überdurchschnittlich stark.
„Hinter diesen Entwicklungen stehen Menschen, deren Arbeitsplätze und berufliche Zukunft auf dem Spiel stehen. Gerade in Regionen, die stark von der Industrie abhängig sind, brauchen Beschäftigte rechtzeitig Perspektiven. Es geht darum, den Wandel so zu gestalten, dass neue Chancen entstehen und niemand zurückgelassen wird.“ Helene Schuberth, Bundesgeschäftsführerin des ÖGB
Den Wandel frühzeitig gestalten
Jede Region bringt andere Voraussetzungen mit und braucht daher Lösungen, die vor Ort greifen. Je früher die Politik handelt, desto besser kann sie Nachteile ausgleichen, neue Chancen eröffnen und Arbeitsplätze sichern.
„Der Strukturwandel ist keine Naturgewalt, wir können die Initiative ergreifen, um den industriellen Wandel zu gestalten. Dafür braucht es eine Transformationsstrategie, die gemeinsam mit den Sozialpartnern entwickelt und umgesetzt wird. Im Regierungsprogramm ist sie bereits angekündigt.“ Christa Schlager, Leiterin der Abteilung Wirtschaftspolitik der AK Wien
Was AK und ÖGB fordern
- Rasch eine Transformationsstrategie umsetzen. Die Bundesregierung muss die im Regierungsprogramm angekündigte Strategie gemeinsam mit den Sozialpartnern ausarbeiten und umsetzen.
- Faire Chancen für alle schaffen. Ein gerechter Wandel (Just Transition) muss ein zentrales Prinzip der Regional- und Strukturpolitik sein und den Beschäftigten Perspektiven eröffnen.
- Eine Just-Transition-Agentur einrichten. Eine bundesweite Anlaufstelle soll Regionen und Betriebe beraten und der Politik wissenschaftliche Entscheidungsgrundlagen liefern.
- Ein Recht auf Aus- und Weiterbildung verankern. Beschäftigte müssen sich für neue Anforderungen und Berufe qualifizieren können.
- Die Mitbestimmung stärken. Beschäftigte müssen bei geplanten Veränderungen in ihren Betrieben mitreden können.
- Mehr in die Infrastruktur investieren. Besonders stark vom Wandel betroffene Regionen brauchen gezielte Investitionen in ihre Infrastruktur.
AK Klimadialog
Die Klimadialoge sind eine Veranstaltungsreihe, die die sozialen Aspekte in den Mittelpunkt der klima- und energiepolitischen Diskussion stellt. Die Klima- und Energiewende ist nicht nur eine technische Frage, sondern vor allem eine soziale Herausforderung. Es geht um gute Beschäftigung, eine gerechte Verteilung der Kosten und die sichere Versorgung mit leistbarer Energie und Mobilität.
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Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien
Prinz Eugenstraße 20-22
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Telefon: +43 1 50165-0
- erreichbar mit der Linie D -