27.2.2019

Frauen.Management.Report 2019: Die Quote wirkt!

Seit mehr als zehn Jahren analysiert die AK Wien den Anteil von Frauen in den Kontrollgremien und Geschäftsleitungen von börsennotierten Unter­nehmen sowie von den nach Umsatz gereihten 200 größten Unter­nehmen in Österreich.

Das Ergebnis fiel immer sehr mager aus. Gab es Zuwächse, bewegten sich diese nur in einem marginalen Bereich. Manchmal mussten auch Rückgänge ver­zeichnet werden. Deshalb trat die AK Wien jahrelang für die gesetzliche Implementierung einer sogenannten Geschlechter­quote ein, die international – in Ländern wie Frankreich oder Italien – bereits erfolgreich für mehr Gleich­stellung im Aufsichtsrat gesorgt an.

Gefordert wurde ein verpflichtender Anteil von 40 Prozent in den Aufsichts­räten, weil die jahrelange Evaluierung gezeigt hat, dass die sogenannte freiwillige Selbstverpflichtung der Unternehmen zu keiner wesentlichen Verbesserung geführt hat.

Die Quote zeigt ihre Wirkung

Seit 1. Jänner 2018 sieht nun der österreichische Gesetzgeber eine verbindliche Quote für ein ausgewogeneres Geschlechterverhältnis in Aufsichtsratsgremien vor.  Konkret sieht das Gesetz bei Neubestellungen einen Frauenanteil von mindestens 30 Prozent im Aufsichtsrat vor. Die Quote gilt natürlich auch im umgekehrten Fall: Stellen Männer die unter­repräsentierte Geschlechtergruppe dar, gilt auch für sie eine Quote von 30 Prozent.

Mit dem nun vorliegendem Frauen.Management.Report 2019 kann die gesetzliche Quote erstmals evaluiert werden. Und wie die Zahlen zeigen, entfaltet die Quote ihre Wirkung. Der Anteil von Frauen in den Aufsichtsräten jener Unternehmen, die unter diese Quotenregelung fallen, ist in nur einem Jahr zum Teil signifikant gestiegen. „Es zeigt sich also, dass wir mit unserer jahrelangen Forderung genau richtiggelegen sind. Nur eine gesetzliche Quote bringt den gewünschten Erfolg, Freiwilligkeit reicht nicht aus. Denn jahrelang hat es geheißen: Es gibt nicht genug Frauen für diese Positionen. Offenbar gibt es sie doch“, bringt es Renate Anderl, Präsidentin der AK Wien, auf den Punkt. 

Umso mehr gilt es jetzt, die Anzahl der Unternehmen, die unter die Quoten­regelung fallen, weiter auszudehnen. Zudem wäre ein nächster Schritt, die Überlegung einer ebenso verbindlichen Quotenregelung für den Vorstand. „Es ist noch lange nicht an der Zeit, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Wir sehen, dass sich der Frauenanteil in den wichtigen Positionen dieses Landes in die richtige Richtung entwickelt. Unsere Hartnäckigkeit hat sich also gelohnt. Jetzt müssen wir weiter dranbleiben, um noch weitere Verbesserungen zu erreichen“, betont die AK Präsidentin.

Die gesetzliche Quoten­regelung im Detail

Das sogenannte Gleichstellungsgesetz von Frauen und Männern im Aufsichtsrat (GFMA-G) sieht seit 1. Jänner 2018 eine verpflichtende Geschlechterquote von 30 Prozent für Aufsichtsräte sämtlicher börsennotierter Unternehmen sowie zusätzlich für Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten vor. 

Das Gesetz gilt für Wahlen in den Aufsichtsrat, die nach dem 31. Dezember 2017 vorgenommen werden. Gesellschafts­rechts­expertInnen gehen mittlerweile davon aus, dass lediglich 70 bis 80 Unternehmen in Österreich von dieser Regelung betroffen sind. Denn um unter die Quotenregelung zu fallen, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt werden:

Voraussetzung für Kapital­vertreter­Innen: 

  • Der Aufsichtsrat muss aus mindesten sechs Kapital­vertreterInnen bestehen. 
  • Die Belegschaft muss zu mindestens 20 Prozent aus dem sogenannten Minderheits­geschlecht bestehen. Das Gesetz legt übrigens nicht fest, ob dabei der Konzern oder das Einzelunternehmen als Bemessungsgrundlage heranzuziehen ist.

Voraussetzung für Arbeit­nehmer­Innen­vertretung: 

  • Der Aufsichtsrat muss aus mindestens drei Arbeit­nehmer­vertreter­Innen bestehen. 
  • Die Belegschaft muss zu mindestens 20 Prozent aus Mitgliedern der unterrepräsentierten Gruppe bestehen. 

Bei Nichteinhaltung der Quotenregelung – egal ob dies auf Seite der Kapital­vertreter­Innen oder auf Seite der Arbeit­nehmer­Innen­vertretung passiert – gilt folgendes: Die Wahl ist nichtig, das Mandat bleibt unbesetzt („leerer Stuhl“). 

Die Ergebnisse im Detail 

Der vorliegende Report untersucht sowohl den Frauenanteil in den Aufsichtsratsgremien als auch in den Geschäftsleitungen. Traditionell sind Frauen in Aufsichtsratspositionen stärker vertreten als im Management (Geschäftsführung, Vorstand).  

Entwicklung in den Aufsichtsratsgremien: 

  • Der Frauenanteil in jenen börsen­notierten Unternehmen, die unter die Quoten­regelung fallen, hat sich bereits innerhalb eines Jahres deutlich von 22,0 Prozent (Jänner 2018) auf 27,5 Prozent (Jänner 2019) verbessert (+ 5,5 Prozentpunkte). „Rund die Hälfte der quotenpflichtigen Unternehmen an der Wiener Börse erfüllt bereits den Mindestanteil von 30 Prozent Frauen im Aufsichtsrat“, sagt Christina Wieser, Studienautorin und Betriebswirtin in der AK Wien. Im Gegensatz dazu konnte der Anteil weiblicher Aufsichtsratsmitglieder in den nicht-quoten­pflichtigen, börsen­notierten Unternehmen nur um 2,1 Prozentpunkte auf lediglich 13,8 Prozent erhöht werden. Dazu Wieser: „An diesen beiden Ergebnissen zeigt sich ganz deutlich, dass nur eine gesetzliche Verpflichtung Wirkung zeigt.“ 

  • Betrachtet man sämtliche Segmente an der Wiener Börse, hat sich der Frauenanteil im Aufsichtsrat von 18,0 Prozent auf 22,0 Prozent erhöht. Positiv ist dabei insbesondere die Dynamik im Leitindex ATX hervorzuheben, wo der Frauenanteil bereits 27,7 Prozent erreicht (+ 6,6 Prozentpunkte zu 2018). Waren es im Vorjahr noch sechs, sind es jetzt immerhin elf ATX-Unternehmen, die die 30-Prozent-Hürde nehmen. „Zwei davon – nämlich die Post und die Vienna Insurance – weisen sogar bereits eine Quote von mehr als 40 Prozent auf“, hebt Wieser hervor. 

  • Weniger dynamisch ist die Entwicklung bei den umsatz­stärksten Unternehmen: Per Jänner 2019 erhöht sich der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der 200 umsatzstärksten Unternehmen zwar auf 21,4 Prozent (2018: 18,5 Prozent), von einem Mindestanteil von 30 Prozent sind diese Gremien jedoch nach wie vor deutlich entfernt. Ein Fünftel der Top-200-Unternehmen kommt noch immer gänzlich ohne Frauen in Geschäftsführung und Aufsichtsrat aus, 82 Prozent sämtlicher Spitzenpositionen in Geschäftsführung und Aufsichtsrat sind mit Männern besetzt.  
Grafik © AK


Entwicklung im Management (Geschäftsführung/Vorstand) 

  • In den Vorständen der börsen­notierten Gesellschaften finden sich im Jänner 2019 lediglich zehn Frauen (4,9 Prozent), das ist sogar ein leichter Rückgang zum Vorjahr (5,1 Prozent). „Während die Rekrutierung von Vorständen in deutschen Börsen­unternehmen als ewiger Thomas-Kreislauf bezeichnet wird, könnte man in Österreich analog dazu von einem Peter-Kreislauf sprechen. Tatsächlich gibt es in den Vorständen der ATX-Unternehmen mehr Männer, die Peter heißen, nämlich sieben, als Frauen. Das sind nur vier“, sagt Studienautorin Wieser.  

  • Auch in den 200 umsatz­stärksten Unternehmen liegt der Anteil der Geschäfts­führerinnen bei lediglich 8,2 Prozent und hat sich im Vergleich zum Vorjahr (2018: 8,4 Prozent) reduziert. Nur elf Gesellschaften und damit 5,5 Prozent der untersuchten Unternehmen (2018: 6,5 Prozent), liefern ein nach Geschlechtern ausgewogenes Bild in der Geschäftsführung, bei dem sowohl Frauen als auch Männer zwischen 40 und 60 Prozent vertreten sind. 

Resümee von Betriebswirtin Wieser: „Die erhoffte Strahlkraft der noch jungen Quotenregelung für den Aufsichtsrat ist auf Managementebene noch nicht eingetreten.“

Forderungen

Fazit und Forderungen 

„In den Aufsichtsräten sind wir seit Einführung der Quotenregelung auf einem guten Weg. Nun müssen weitere Schritte gesetzt werden, um die Gleichstellung von Frauen in den Unternehmen weiter voranzutreiben“, resümiert AK Präsidentin Anderl. Denn Frauen tragen in den Unternehmen zu einer Verbesserung der Unternehmenskultur bei, da sie verstärkt auf Team Work setzen und einen besseren Blick auf die Probleme und Anliegen der weiblichen Belegschaft haben. Zudem sind Frauen im Top-Management ein Vorbild für andere Frauen und können positiv auf deren berufliche Entwicklung einwirken. Aus Sicht der AK Wien ergeben sich aus dem heurigen Frauen.Management.Report folgende Forderungen: 

  • Eine Ausweitung der Geschlechterquote von 30 Prozent in den Aufsichtsratsgremien auf alle börsen­notierten Unternehmen sowie auf alle großen Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten.  

  • Die Einführung einer Geschlechterquote im Management. Ab drei Personen sollte ein Drittel weiblich sein. Dazu Anderl: „Hier könnte, ähnlich wie bei der Quotenregelung in den Aufsichtsräten, die öffentliche Hand mit gutem Beispiel vorangehen und die Festlegung einer Geschlechterquote in der Geschäftsführung für staatsnahe Unternehmen vorgeben.“  


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