Pipeline © 63ru78, stock.adobe.com
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11.3.2022

Was bedeutet der Krieg in der Ukraine für die Gasversorgung?

Der schreckliche Krieg in der Ukraine erfüllt viele mit Sorge und dazu kommt die Angst vor Problemen mit der Gasversorgung. 

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Versorgung derzeit gesichert, aber Gas wird teurer 

Vorläufig Entwarnung gibt die Regulierungsbehörde E-Control: Sie hält es grundsätzlich für unwahrscheinlich, dass Russland die Gaslieferungen drosselt oder sogar einstellt. Haushalte zählen außerdem zu den besonders geschützten Kund:innen: Ihre Versorgung mit Gas und Fernwärme ist auch dann noch für mehrere Wochen gewährleistet, wenn Russland die Gaslieferungen unterbricht. 

Denn sowohl auf EU-Ebene als auch in Österreich gelten Haushalte als „schutzbedürftige“ Verbraucher:innen, die vorrangig mit Erdgas versorgt werden müssen. Aber: Aufgrund der hohen Abhängigkeit von Russland reagieren die Börsen stark auf den Krieg in der Ukraine – einfacher ausgedrückt: Gas wird teurer.

Wieviel Gas haben wir vorrätig?

Die heimischen Gasspeicher sind derzeit zu rund einem Fünftel gefüllt. Da derzeit weiterhin Gas geliefert wird, veränderte sich der Speicherstand zuletzt kaum. Mit Ende des Winters sinkt zudem der Gasverbrauch. 

Was ist, wenn kein Gas mehr über die Ukraine nach Europa gelangt?

Rund die Hälfte der Gaslieferungen aus Russland gelangen über die Ukraine nach Österreich. Europaweit machen die Lieferungen über die Ukraine aber nur 10% der Gaslieferungen aus. Im Falle einer Unterbrechung dieses Lieferweges müsste das Gas über andere Lieferrouten nach Österreich transportiert werden. 

Welche Alternativen gibt es zu Gas aus Russland?

Österreich bezieht einen großen Teil seiner Gasimporte aus Russland, geringe Mengen kommen aus anderen Lieferländern, wie etwa Norwegen. Ein Teil des Verbrauchs wird aus österreichischer Produktion gedeckt.

Jetzt gilt es rasch alternative Bezugsquellen zu finden und Vorbereitungen zu treffen, damit die Gasspeicher vor dem kommenden Winter ausreichend gefüllt sind. Die Möglichkeiten reichen hierbei von Gaslieferungen über Pipelines aus anderen Lieferländern bis hin zum Import von Flüssiggas (liquefied natural gas, LNG). Letzteres gelangt über den Schiffsweg an europäische LNG-Terminals, etwa in Italien, und wird dort in Pipelines gespeist.

SWIFT und die Gasversorgung

Ein Ausschluss aus dem Zahlungsinfomationssystem Swift bedeutet nicht, dass kein Gas mehr nach Österreich geliefert wird. Die Gaslieferverträge gelten weiterhin - es wird nur schwieriger, zu bezahlen. 

Was geschieht, wenn doch nicht ausreichend Gas zur Verfügung steht?

Wenn die Märkte nicht mehr in der Lage sind die Gasversorgung sicherzustellen, greift das Energielenkungsgesetz. Das bedeutet, dass private Haushalte zuerst mit Gas versorgt werden. Große Verbraucher:innen, wie Industriebetriebe, müssen dann ihren Gasverbrauch einschränken. Haushaltskunden gelten als geschützte Verbraucher:innen und sind als allerletzte von Einschränkungen betroffen.

Außerdem wurde von Bundesministerien Gewessler angekündigt, eine Bevorratung von Gas auch gesetzlich vorzuschreiben. So eine Vorschrift gibt es bereits für Erdöl: Hier muss die Versorgung aller Verbraucher:innen für 90 Tage gesichert werden.

Unsere Forderungen

Die AK fordert daher (und zwar unabhängig vom Krieg in der Ukraine), dass Energie als zentraler Bestandteil der Daseinsvorsorge weiterhin leistbar bleibt! 

Und weiters:

  • Zeitlich befristete, signifikante Senkung der Steuern auf Energie. Diese ist eine effektive und rasch umzusetzende Maßnahme zur Entlastung der Verbraucher:innen und Unternehmen.
  • Prüfung einer möglichen Regulierung der Tarife sowie eine Deckelung der Energiepreise, wie dies auch von der EU-Kommission vorgeschlagen wird.
  • Übergewinne der Energieversorgungsunternehmen abschöpfen und an die Endverbraucher:innen umverteilen
  • Konsumentenfreundliche Standardtarife von Seiten der Energieversorger, die leistbar sind und auf die sich Haushalte verlassen können.
  • Rasch ein neues Energieeffizienz- und erneuerbares Wärmegesetz auf den Weg bringen
  • Heizkostenzuschüsse der Länder kräftig erhöhen
  • Preistransparenz und Überwachung der Energiemärkte, damit die Preise nicht durch Spekulanten in die Höhe getrieben werden
  • Einen Energie- und Klimahilfsfonds, der energiearme Haushalte umfassend unterstützt.  

Kontakt

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Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien

Prinz Eugenstraße 20-22
1040 Wien

Telefon: +43 1 50165-0

- erreichbar mit der Linie D -

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