42. Klimadialog: Energiearmut – welche Haushalte sind besonders betroffen?
Energiearmut ist ein komplexes Phänomen, das durch die Energiepreiskrise im Jahr 2022 sowie die aktuelle energiepolitische Lage verstärkt in den Fokus gerückt ist. Sie beschreibt einerseits die mangelnde Leistbarkeit von Energie – mit der Folge, dass notwendiger Energieverbrauch eingeschränkt wird. Andererseits zeigt sie sich im Spannungsfeld zwischen niedrigen Einkommen und hohen Energiekosten. Zusätzliche Faktoren wie schlechte Gebäudequalität, geringe Energieeffizienz oder veraltete elektrische Geräte können den Energieverbrauch erhöhen und Energiearmut weiter verschärfen.Neue Daten, klare Erkenntnisse
Mit dem im Dezember 2025 in Kraft getretenen Energiearmuts-Definitions-Gesetz (EnDG) liegt erstmals eine umfassende Grundlage für die statistische Erfassung von Energiearmut in Österreich vor. Es berücksichtigt mehrere Indikatoren und ermöglicht damit eine differenzierte Betrachtung.
Energiearmut betrifft mehr als jeden zehnten Haushalt
Die Ergebnisse zeigen deutlich: Energiearmut ist weiter verbreitet als oft angenommen.
Rund 12,5 % aller österreichischen Haushalte gelten als energiearm – das entspricht mehr als jedem zehnten Haushalt.
Dabei gilt: Armutsbetroffenheit und Energiearmut sind nicht deckungsgleich. Zwar ist knapp jeder zweite armutsbetroffene Haushalt auch energiearm, doch können etwa Haushalte mit geringem Einkommen in gut gedämmten Wohnungen dennoch nicht energiearm sein.
Erwerbssituation als zentraler Risikofaktor
Ein wesentlicher Einflussfaktor ist die Erwerbssituation. Haushalte mit geringer Erwerbsbeteiligung oder Bezug von Sozialleistungen sind besonders stark betroffen.
Knapp jeder zweite Haushalt mit arbeitslosen Personen gilt als energiearm. Ähnlich hoch ist der Anteil bei Haushalten, in denen mindestens eine Person langzeitarbeitslos ist.
Auch sogenannte Working Poor – also Haushalte trotz Erwerbstätigkeit unter der Armutsgrenze – sind stark betroffen: Fast jeder zweite dieser Haushalte ist energiearm. Insgesamt machen sie rund 5 % aller Haushalte in Österreich aus.
Energiearmut hat ein weibliches Gesicht
Die Analyse zeigt zudem eine klare geschlechtsspezifische Dimension. Energiearmut betrifft Frauen überdurchschnittlich häufig.
So ist etwa jede vierte alleinerziehende Person energiearm. Auch Haushalte mit drei oder mehr Kindern zählen zu den besonders gefährdeten Gruppen. Darüber hinaus haben Haushalte mit weiblichen Hauptverdienerinnen ein um rund ein Drittel höheres Risiko, von Energiearmut betroffen zu sein, als jene mit männlichen Hauptverdienern.
Städtischer Raum besonders betroffen
Energiearmut ist in Österreich vor allem ein städtisches Phänomen. Besonders im dicht besiedelten Raum mit mehrgeschossigem Wohnbau zeigt sich eine erhöhte Betroffenheit.
Viele energiearme Haushalte leben zur Miete. Besonders deutlich wird dies in Wien: Hier ist bereits jeder fünfte Haushalt energiearm – auch aufgrund insgesamt höherer Armutszahlen.
Auch die Heizform spielt eine Rolle: Haushalte mit Fernwärme oder Gasheizungen sind überdurchschnittlich häufig von Energiearmut betroffen, verglichen mit Haushalten, die mit Heizöl oder Holz heizen.
Fazit
Die Ergebnisse des 42. Klimadialogs verdeutlichen, dass Energiearmut ein vielschichtiges Problem ist, das weit über reine Einkommensfragen hinausgeht. Neben finanziellen Faktoren spielen auch Wohnsituation, Energieeffizienz und strukturelle Rahmenbedingungen eine entscheidende Rolle. Die neue gesetzliche Grundlage sowie die aktuelle Datenlage bieten eine wichtige Basis, um gezielte Maßnahmen zu entwickeln und besonders betroffene Haushalte wirksam zu unterstützen.
AK Klimadialog
Die Klimadialoge sind eine Veranstaltungsreihe, die die sozialen Aspekte in den Mittelpunkt der klima- und energiepolitischen Diskussion stellt. Die Klima- und Energiewende ist nicht nur eine technische Frage, sondern vor allem eine soziale Herausforderung. Es geht um gute Beschäftigung, eine gerechte Verteilung der Kosten und die sichere Versorgung mit leistbarer Energie und Mobilität.
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