KI: Was bleibt nach dem Hype? Eine neue Basistechnologie!
Kurzfassung des Blogbeitrages von Fridolin Wenny
Der KI-Hype erzeugt hohe Erwartungshaltungen und die Gefahr einer Spekulationsblase. Doch während viele betriebliche Pilotprojekte scheitern, beginnt die eigentliche Arbeit der Implementierung erst. Als langfristige Basistechnologie entfaltet KI ihren Nutzen erst durch zeitintensive Systeminnovationen, Infrastrukturinvestitionen und betriebliche Mitgestaltung.
Eine MIT-Studie zeigt, dass über 95 Prozent der generativen KI-Projekte in Betrieben scheitern. Die größte Hürde ist es, Fehler des Systems schnell zu erkennen. Fehlt diese Kontrolle, bleibt die erhoffte Arbeitsersparnis aus. In den USA beruhen rund 92 Prozent des BIP-Wachstums im ersten Halbjahr 2025 und 80 Prozent der Aktienzuwächse auf KI-Investitionen. Die US-Wirtschaft hängt an der Wette, dass sich diese immensen Ausgaben am Markt amortisieren. Unabhängig von einer möglichen Finanzblase kann KI langfristig die Erwartungen an eine Allzweck- oder Basistechnologie des 21. Jahrhunderts erfüllen. Die Umstellung braucht jedoch Zeit für Lernen, Infrastrukturaufbau und die Weiterentwicklung organisatorischer Abläufe.
KI als Allzweck- und Basistechnologie
Ähnlich wie Elektrizität oder das Internet erfordert KI komplementäre Investitionen, um produktiv zu werden. Erst nachgelagerte Systeminnovationen (wie das Fließband Jahrzehnte nach der Erfindung des Elektromotors) bringen den echten Produktivitätsdurchbruch. Der Erfolg einer Technologie misst sich somit nicht nur an ihrer Erfindung, sondern daran, wie breit sie in alle Wirtschaftsbereiche diffundiert. Dabei erzeugt technologischer Wandel Anpassungsdruck. Erst politische Maßnahmen und betriebliche Mitbestimmung stellen sicher, dass Produktivitätsgewinne fair verteilt werden.
Wo stehen Europa und Österreich im Technologierennen?
Während Tech-Giganten in den USA den Ausbau von Rechenzentren privat und über Trägervehikel finanzieren – was gewisse systemische Risiken birgt –, setzt die EU auf öffentlich geförderte AI-Factorys, wie etwa in Wien, und Superrechenzentren.
Eine zentrale Herausforderung liegt dabei in Österreichs kleinteiliger Wirtschaftsstruktur: Viele KMUs tun sich schwer, die nötigen Mittel für Digitalisierung sowie die laufende Aus- und Weiterbildung aufzubringen. Fehlt es hier an Pionieren, droht der Anschluss in ganzen Branchen und Regionen verloren zu gehen.
Zwar fehlen Europa eigene Hyperscaler, doch der Kontinent verfügt über exzellente Forschung und Spitzen-Fachkräfte. Dieses Potenzial gilt es zu nutzen, um KI in der Breite menschzentriert, datenschutzorientiert und ökologisch nachhaltig einzusetzen – gestützt auf betriebliche Mitbestimmung und kontinuierliche Weiterbildung.
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