FSG13 - Nationales Aktionsprogramm für alternsgerechte Arbeitswelt
Antrag Nr. 13 der Fraktion sozialdemokratischer GewerkschafterInnen zur 145. Vollversammlung der Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien am 7. November 2006 NATIONALES AKTIONSPROGRAMM FÜR ALTERNSGERECHTE ARBEITSWELT Die Vollversammlung der AK Wien fordert von der zukünftigen Bundesregierung, der Tatsache, dass sich die demographishe Entwicklung schon in Kürze in einer kräftigen Anhebung des Durchschnittsal-ters der ArbeitnehmerInnen niederschlagen wird, wesentlich mehr Aufmerksamkeit zu schenken, als das bisher der Fall war. Mit Hilfe eines nationalen Aktionsprogramms muss möglichst rasch eine „al-ternsgerechte Arbeitswelt“ etabliert werden. Dieses Aktionsprogramm sollte unter Einbindung aller relevanten Akteure erstellt und umgesetzt werden. Zu beachten ist, dass eine signifikante Verbesserung der Beschäftigungschancen einer durchschnitt-lich älter werdenden Arbeitnehmerschaft untrennbar mit der allgemeinen Arbeitsmarkt- und Beschäfti-gungspolitik verbunden ist. Nur wenn in Summe genügend Arbeitsplätze zur Verfügung stehen, gehen positive Maßnahmen für die eine Gruppe nicht zu Lasten einer anderen. Die Maßnahmen für eine alternsgerechte Arbeitswelt müssen daher eingebettet sein in eine beschäftigungsfördernde und –schaffende Gesamtpolitik sowohl auf nationaler als auch auf EU-Ebene. Das Aktionsprogramm muss insbesondere folgende Punkte umfassen: 1. Verstärkte Investitionen in Bildung und Qualifizierung zB Attraktivierung der Bildungskarenz (Rechtsanspruch, bessere materielle Absicherung etc), 35 Stunden Weiterbildung pro Jahr in der Ar-beitszeit für alle. 2. Alternsgerechter ArbeitnehmerInnenschutz und betriebliche Gesundheitsförderung Grundvoraussetzung für einen längeren Verbleib im Erwerbsleben ist der Erhalt der Gesundheit. Dafür braucht es verstärkte Investitionen in den ArbeitnehmerInnenschutz, in die Reduzierung der körperli-chen und psychischen Beanspruchungen der ArbeitnehmerInnen, zB • Ausbau der in Österreich noch wenig verbreiteten betrieblichen Gesundheitsförderung (Erar-beitung und Umsetzung branchenbezogener Leitlinien etc) • Verbreitung von Zertifizierungen „gesunder“ Betriebe durch unabhängige Einrichtungen • Schaffung eines Kompetenzzentrums für arbeitsbedingte Erkrankungen in der AUVA • Einführung einer flächendeckenden Gesundheitsstiftung, die Invalidität vorbeugt und Arbeit Suchenden und Beschäftigten eine neue gesundheitliche und berufliche Perspektive bietet • Reduktion der Überstunden – weniger Überstunden helfen gesund zu bleiben und schaffen neue Arbeitsplätze 3. Schaffung alternsgerechter Arbeitsplätze in den Betrieben Weiterbildung, Gesundheitsschutz etc nützen wenig, wenn in den Betrieben keine adäquaten Arbeits-plätze für Ältere geschaffen werden. Auch auf dieser Ebene besteht enormer Handlungsbedarf. Die nordischen Staaten sollten dabei als Vorbild dienen. 4. Neuordnung der Altersteilzeit Viele ältere ArbeitnehmerInnen haben Sorge, nicht bis zur Erreichung des Pensionsalters durchhalten zu können. Attraktive Möglichkeiten für einen gleitenden Übergang vom Erwerbsleben in die Pension können Abhilfe schaffen. • Neuordnung und Attraktivierung der Altersteilzeit (in Abstimmung mit zu überarbeitenden pensionsrechtlichen Regelungen) 5. Arbeitsmarktpolitik zugunsten Älterer Für ältere ArbeitnehmerInnen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben und mit großen Wiedereingliede-rungsschwierigkeiten zu kämpfen haben, bedarf es vermehrt arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen z. B. Übergangsarbeitsmärkte zur Vorbereitung auf den ersten Arbeitsmarkt oder zur Überbrückung bis in die Pension. Auch die soziale Sicherung für ältere Arbeitsuchende muss verbessert werden: • Übergangsgeld: Leichterer Zugang und Geltung auch über 2009 hinaus • Arbeitslosengeld: Verlängerung der Bezugsdauer bei langer Versicherungsdauer (78 Wochen bei 300 Versicherungsmonaten) 6. Sensibilisierungsaktivitäten, um Vorurteilen und Altersdiskriminierung entgegenzuwirken Sehr wichtig ist es auch, dass mehr dafür getan wird, „Vorurteile“ gegenüber älteren ArbeitnehmerIn-nen abzubauen. Es ist eine wissenschaftlich erwiesene Tatsache, dass ältere nicht schlechter, son-dern nur anders arbeiten als junge MitarbeiterInnen. Begründung: • Nach wie vor werden viele ältere ArbeitnehmerInnen aus dem Arbeitsprozess gedrängt und haben keine Chance auf einen Wiedereinstieg. Die Arbeitsbelastung und damit verbunden die Gesundheitsgefährdungen nehmen in vielen Bereichen zu. Gleichzeitig wird von der Regie-rung und von Arbeitgeber-VertreterInnen die lapidare Forderung erhoben, dass die Menschen länger arbeiten sollen. • Das Pensionsalter wurde in den letzten Jahren im Eiltempo kräftig nach oben gesetzt und völ-lig überzogene Abschläge bei „vorzeitigem“ Pensionsantritt (Korridorpension) eingeführt. Es wurde aber nichts Substantielles getan, damit Menschen länger in Arbeit bleiben können. • Die Arbeitslosigkeit Älterer steigt. Von 2000 bis 2005 erfolgte ein Anstieg der Arbeit Suchen-den im Alter ab 50 (inkl. SchulungsteilnehmerInnen und BezieherInnen von Pensionsvor-schuss und Übergangsgeld) um 30 Prozent. • Die Beschäftigungsquote der 55- bis 64-Jährigen ist noch immer sehr niedrig. Sie betrug im Jahre 2005 in Österreich nur 31,8 Prozent. Im Vergleich dazu beträgt der EU-Schnitt (EU-15) der Erwerbstätigen in diesem Alterssegment 44,1 %. Auf EU-Ebene wurde das Ziel von 50 % Erwerbsbeteiligung für das Jahr 2010 fixiert. • Dramatisch sind die schlechten Arbeitsmarktchancen bei Älteren vor allem angesichts der be-vorstehenden Alterung der Erwerbsbevölkerung. Die Baby-Boom-Generation wird in wenigen Jahren zur Kategorie „Ältere ArbeitnehmerInnen“ aufschließen. Laut Statistik Austria wird es bei den ab 50-Jährigen folgende Entwicklung geben. 2005 2020 50- bis 54-Jährige 507.000 673.000 (+ 33 %) 55- bis 59-Jährige 480.000 657.000 (+ 37 %) 60- bis 64-Jährige 469.000 556.000 (+ 19 %) Eine massive Verbesserung der Erwerbschancen Älterer muss in Anbetracht dieser Zahlen eines der zentralen Ziele der Politik der nächsten Jahre sein.Ergebnis: E ang einstimmig angenommenDokumente
Erledigungsbericht FSG13.pdf (0,2 MB)Kontakt
Kontakt
Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien
Prinz Eugenstraße 20-22
1040 Wien
Telefon: +43 1 50165-0
- erreichbar mit der Linie D -