Geschäftsmann mit KI-Symbolen für automatisierte Arbeitsprozesse
© Adobe Stock, Dilok
13.11.2025

Arbeit mit KI

Kurzfassung des Blogbeitrages von Tünde Fülöp und David Walker

Tünde Fülöp, AK Expertin für Digitalisierung
Tünde Fülöp, AK Expertin für Digitalisierung © Ludwig Schedl

Können Beschäftigte ohne Weiteres durch künstliche Intelligenz (KI) ersetzt werden? Die einen feiern KI als Revolution, die Arbeit erleichtert und Produktivität steigert. Die anderen warnen vor massiven Arbeitsplatzverlusten. Doch wie groß ist der Wandel wirklich – und wie kann er so gestaltet werden, dass er den Beschäftigten nützt? 

Wie verändert sich Arbeit?

KI und der Wandel von Berufen und Branchen
KI unterstützt nicht mehr nur bei Routinen (wie Datensortierung oder Planung), sondern automatisiert durch generative KI zunehmend komplexe kognitive Aufgaben (z. B. Programmierung, Textanalyse, Übersetzung). Neben IT und Finanzsektor kommt KI nun auch in wissensintensiven und kreativen Berufe wie Design, Journalismus oder Rechtsberatung zum Einsatz.

Veränderung bestehender Tätigkeiten und Berufsbilder
Mensch und Maschine arbeiten zunehmend zusammen, es verändern sich eher einzelne Aufgabenbereiche als ganze Berufe. Weil aber KI-Systeme einfache Einstiegsaufgaben übernehmen, fehlt Nachwuchskräften oft der Raum für praktische Lernerfahrungen. Erfahrene Fachkräfte können dagegen verstärkt anspruchsvolle Aufgaben übernehmen und mit KI-Unterstützung produktiver arbeiten. 
Es entstehen neue Berufe (z. B. Prompt Engineer), deren Halbwertszeit durch die rasche Weiterentwicklung der Systeme jedoch kurz sein kann.

Neue Kompetenzen sind gefragt
Wichtig werden kritisches Hinterfragen und Einordnen von KI-Ergebnissen. Soziale, kognitive und kommunikative Fähigkeiten des Menschen bleiben dabei aber unverzichtbar.
Weniger gut qualifizierte Personen können besonders von KI profitieren. Gleichzeitig droht bei standardisierten Aufgaben eine Abwertung oder Verdrängung. Besonders Frauen und ältere Personen laufen Gefahr, abgehängt zu werden. Um diesen Wandel fair zu gestalten ist gezielte Aus- und Weiterbildung notwendig.

Arbeitsbelastung und Arbeitszufriedenheit
Sinnvoll integriert, stärkt KI Produktivität, Qualität und Gestaltungsspielräume, indem sie Zeit für kreative und anspruchsvolle Tätigkeiten schafft. Aber als Überwachungs- oder Verdichtungsinstrument eingesetzt, führt KI zu Entwertung der Arbeit und zum Verlust von Gestaltungsspielräumen.
Der Wandel hin zu komplexeren Aufgaben und die Notwendigkeit ständiger Anpassung an neue Tools können bei Beschäftigten zu dauerhafter Überforderung führen.

Welche Rahmenbedingungen braucht „gute Arbeit“?

Bislang sind weder die oft befürchtete Massenarbeitslosigkeit noch extreme Produktivitätssprünge eingetreten, obwohl sich KI deutlich schneller durchsetzt als frühere Technologien. Die zentrale Frage lautet daher nicht mehr, ob automatisiert wird, sondern unter welchen Bedingungen dies geschieht. Da KI kein Automatismus für Wohlstand ist, kommt es entscheidend auf die politische Steuerung an. Ohne gezielte Rahmenbedingungen – wie Investitionen in Bildung, Wettbewerb und soziale Sicherung – drohen eine Profitkonzentration bei wenigen Tech-Giganten sowie eine weiter wachsende soziale Schere.  Das wiederum schwächt die Kaufkraft und die Grundlagen des demokratischen Sozialstaats. 


Vier Bedingungen für inklusive KI-Gewinne

  1. KI-Kompetenz, komplementäre Fähigkeiten und Weiterbildung:
    Förderung digitaler, kreativer und kritischer Fähigkeiten ist Voraussetzung für gute Arbeit in der Zukunft. Weiterbildung und Lebenslanges Lernen müssen systematisch gefördert werden – mit niedrigschwelligen Angeboten besonders für vulnerable Beschäftigtengruppen.

  2. Digitale Souveränität, fairer Wettbewerb und gerechte Datennutzung:
    Vermeidung von Monopolen durch Tech-Konzerne, die Daten abschöpfen und Überwachung ermöglichen. Benötigt werden rechtskonforme, diskriminierungsfreie KI-Tools sowie offene Datenräume, starke Aufsichtsbehören und klare Regeln für Datenportabilität um KMUs und Beschäftigte zu schützen.

  3. Rechtliche und institutionelle Rahmenbedingungen:
    Soziale Absicherung, gerechte Löhne und faire Übergänge garantieren eine breite Wohlstandsverteilung. Es braucht die Durchsetzung von Transparenz, Sicherheit und Datenschutz, sowie die Abfederung negativer Folgewirkungen.

  4. Umsetzung im Betrieb:
    KI ist dort erfolgreich, wo Transparenz herrscht und Beschäftigte über Mitbestimmung aktiv einbezogen und geschult werden. Kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) brauchen gezielte Unterstützung bei Know-how und Implementierung.

Arbeit hat Zukunft - wenn wir sie gestalten! 

„The future is in our hands. By building a complementarity economy, driving innovation with intent and investing in capabilities that count, societies can use AI to expand people’s choices and possibilities.“ (UNDP Human Development Report 2025)

KI bringt Chancen, aber auch Risiken. Aufgabe der Politik ist es, soziale Schieflagen zu verhindern und gute Arbeit zu sichern – etwa durch den Ausbau von Qualifizierungsprogrammen, sozialer Sicherung und gezielter Unterstützung im Wandel.

Produktivitätssteigerungen müssen auch den Beschäftigten zugutekommen: Neu gewonnene Freiräume dürfen nicht zu höherem Druck führen, sondern sollen Arbeit sinnvoller machen – auch weil kreative, kommunikative und soziale Kompetenzen die Grundlage für Innovation sind. Unternehmen wie Regulierungsbehörden tragen Verantwortung dafür, dass KI gerecht entwickelt und angewendet wird.

Literaturhinweis:
Konzept für ein KI-Observatorium, Studie im Auftrag des BMAW (2024), Joanneum Research (Autoren: David Walker, Nicholas Katz, Florian Holzinger, Andreas Niederl)


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