Gestresster Lehrer lehnt sich mit dem Kopf gegen die Tafel
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7.7.2026

Arbeiten am Limit: Arbeitsdruck steigt

Die Beschäftigten in Österreich stehen immer stärker unter Druck. Das zeigt das Strukturwandelbarometer 2026, das das Forschungsinstitut IFES im Auftrag von AK und ÖGB erstellt hat. Für die Studie wurden rund 1.500 Betriebsratsvorsitzende befragt. Sie vertreten insgesamt rund 600.000 Beschäftigte und geben damit einen repräsentativen Einblick in die Situation in österreichischen Unternehmen.  

Gesunde Arbeit statt Dauerbelastung  

Die Ergebnisse zeigen deutlich: Die Arbeit wird intensiver, Krankenstände nehmen zu und viele Beschäftigte stehen auch in ihrer Freizeit oder während eines Krankenstands unter Druck. Gleichzeitig wird über ein höheres Pensionsalter diskutiert. AK und ÖGB sehen darin einen klaren Widerspruch: Wer länger arbeiten soll, braucht gesunde Arbeitsbedingungen und Arbeitsplätze, die auch im Alter bewältigt werden können.

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Gesundheit stärker in den Mittelpunkt rücken

„Die Arbeit wird immer intensiver, was in einer steigenden Anzahl von Krankenständen resultiert. Gleichzeitig wird von Vertreter:innen der Wirtschaft nach einem höheren Pensionsalter gerufen. Unsere Umfrage zeigt deutlich, dass hier völlig an der Realität vorbei argumentiert wird“, zieht AK Direktorin Silvia Hruška-Frank Bilanz. 

Silvia Hruška-Frank, Direktorin der AK Wien und der Bundesarbeitskammer
Silvia Hruška-Frank, Direktorin der AK Wien und der Bundesarbeitskammer © Lisi Specht


Willi Mernyi, Bundesgeschäftsführer des ÖGB, schlägt in die selbe Kerbe: „Es reicht, dass Beschäftigte die Rechnung für den wirtschaftlichen Druck zahlen. Schluss mit mehr Stress, mehr Belastung und weniger Lebensqualität. Unternehmen müssen aufwachen und verstehen: Gute Arbeit braucht gute Bedingungen – denn ohne Beschäftigte gibt es keinen Erfolg.“

Willi Mernyi, Bundesgeschäftsführer des ÖGB
Willi Mernyi, Bundesgeschäftsführer des ÖGB © Lisi Specht


Für AK und ÖGB ist klar: Gesundheit, altersgerechte Arbeitsplätze, Qualifizierung sowie Mitbestimmung müssen stärker gefördert werden.

Kommunikation verbessert sich – Mitbestimmung verschlechtert sich

Positiv beurteilen die Befragten die Kommunikation im Betrieb. Weniger erfreulich ist jedoch die Entwicklung bei der Mitbestimmung: Erstmals wird die Einbindung des Betriebsrats in Unternehmensentscheidungen schlechter bewertet als in den vergangenen Jahren.

Digitalisierung bleibt positiv

Die Digitalisierung wird weiterhin überwiegend positiv bewertet. Die Betriebsratsvorsitzenden sehen hier insgesamt eine stabile Entwicklung.

Fachkräfte fehlen – Potenzial wird nicht genutzt

Viele Unternehmen haben weiterhin Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen.

63 Prozent der Befragten berichten, dass ihr Betrieb große oder eher große Probleme hat, die benötigten Arbeitskräfte zu finden. Damit bleibt der Fachkräftemangel hoch, auch wenn der Wert unter jenem der Vorjahre liegt (73 bzw. 85 Prozent).

Gleichzeitig sehen die Betriebsratsvorsitzenden ungenutztes Potenzial bei der Personalsuche. Aus ihrer Sicht zeigen viele Unternehmen nur geringe Bereitschaft, bestimmte Personengruppen einzustellen:

  • 35 Prozent stellen Langzeitarbeitslose gar nicht oder nur ungern ein.
  • 29 Prozent sind zurückhaltend gegenüber Arbeitnehmer:innen über 50 Jahren.
  • 22 Prozent zeigen wenig Bereitschaft, Menschen mit Teilzeitwunsch einzustellen.
  • 17 Prozent schließen Personen mit Betreuungspflichten aus.
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Schwerpunkt 2026: Produktivität

Für 73 Prozent der Befragten spielt das Thema Produktivität im eigenen Unternehmen eine große Rolle.

Mehr als die Hälfte berichtet, dass die Produktivität in den vergangenen drei Jahren gestiegen ist. Gleichzeitig sehen viele Betriebsratsvorsitzende, dass dieser Anstieg häufig mit höherem Arbeitsdruck und einem schlechteren Arbeitsklima einhergeht.

Welche Maßnahmen steigern die Produktivität?

Am häufigsten nannten die Befragten folgende Maßnahmen:

  • Prozessoptimierung (61 Prozent)
  • stärkere Einbindung der Mitarbeiter (59 Prozent)
  • Aus- und Weiterbildung sowie Qualifizierung (51 Prozent)
  • Digitalisierung (41 Prozent  

Vor allem bei der Einbindung der Beschäftigten und bei der Qualifizierung sehen die Betriebsratsvorsitzenden noch erheblichen Nachholbedarf.

Fazit

Für AK und ÖGB darf Produktivität nicht auf Kosten der Beschäftigten steigen.

Forderungen von AK und ÖGB

Aus den Ergebnissen des Strukturwandelbarometers 2026 leiten AK und ÖGB folgende Forderungen an die Unternehmen ab:

  • Qualifizierung ausbauen: Beschäftigte sollen durch eine umfassende Aus- und Weiterbildungsoffensive besser unterstützt werden.

  • Gesunde Arbeitsbedingungen schaffen: Unternehmen brauchen altersgerechte Arbeitsplätze, damit Beschäftigte gesund bis zur Pension arbeiten können.

  • Mitbestimmung und Kommunikation stärken: Eine gute Zusammenarbeit zwischen Beschäftigten, Betriebsrat und Unternehmensleitung ist eine wichtige Grundlage für wirtschaftlichen Erfolg und eine positive Entwicklung im Betrieb.

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