Julia Cagé: Wie Reichtum Demokratie & Medien aus dem Gleichgewicht bringt
Wirtschaftliche und politische Macht sind eng miteinander verflochten. Durch Parteienfinanzierung, Großspenden und den Besitz von Medien nehmen Vermögende Einfluss auf die Politik. Wachsende wirtschaftliche Ungleichheit und Medienkonzentration bringen unsere Demokratie zunehmend aus dem Gleichgewicht.
Am 10.03.2026 war die französische Ökonomin Julia Cagé auf Einladung der AK zu Gast in Wien. Sie ist Professorin an der Sciences Po in Paris und gehört gemeinsam mit Thomas Piketty, Gabriel Zucman und Lucas Chancel zu den international führenden Stimmen der Verteilungsforschung. Sie untersucht, wie Reichtum, Medienkonzentration und politische Macht zusammenwirken – und welche Folgen das für unsere Demokratie hat.
Die Mechanismen von Einfluss und Macht
In ihrem Vortrag stellte sie zentrale Thesen aus ihren Büchern The Price of Democracy und Saving the Media vor. Dabei zeigte Julia Cagé eindrücklich, wie wirtschaftliche Ungleichheit die demokratische Teilhabe untergräbt. Sie strich dabei drei Kanäle hervor, durch die Vermögende Einfluss auf die Politik nehmen:
- Parteienfinanzierung, die trotz bestehender Obergrenzen in vielen Ländern beträchtliche Summen erreicht;
- Medienbesitz, mit dessen Hilfe Vermögende ihre Agenda setzen und die öffentliche Meinung beeinflussen können;
- Großspenden, mit denen etwa neoliberale Think Tanks finanziert werden. Durch die Möglichkeit diese Spenden steuerlich abzusetzen, zahlt letztlich sogar die Allgemeinheit durch entgangene Steuereinnahmen für die Interessen einiger weniger.
Impressionen der Veranstaltung
Reformideen für eine faire Demokratie
Im anschließenden Gespräch mit Julia Hofmann (AK Wien) wurden konkrete Reformideen diskutiert:
- Faire Parteienfinanzierung, die Einflussnahme durch Großvermögen einschränkt.
- Unabhängige Medienstrukturen, die Vielfalt und kritischen Journalismus sichern.
- Ein gerechtes Steuersystem, das die Allgemeinheit vor einseitiger Vorteilsnahme schützt.
- Nachhaltige Finanzierung des Sozialstaates, um soziale Gerechtigkeit langfristig zu sichern.
Hier finden Sie das Video zum Nachschauen der Veranstaltung: