AK: Jugend sucht Bildung, aber Schulplätze fehlen
Nach der 8. Schulstufe, mit 14 Jahren, steht für rund 90.000 Jugendliche eine wichtige Bildungsentscheidung an. Der Übergang nach AHS-Unterstufe oder Mittelschule ist oft keine freie Bildungsentscheidung mehr, sondern ein Verteilungskampf um knappe Schulplätze.
„Der Übergang nach der Mittelschule oder Unterstufe ist eine der wichtigsten Weichenstellungen im Leben junger Menschen. Er darf nicht davon abhängen, ob ein Platz frei ist“, sagt Renate Anderl, Präsidentin der Arbeiterkammer Wien. „Dort, wo dringend benötigte Arbeitskräfte für die Zukunft ausgebildet werden sollen, fehlen Schulplätze. Das ist kurzsichtig.“
28 Prozent bekommen eine Absage
Die Zahlen einer aktuellen AK-Elternbefragung zeigen die Dimension des Problems:
- 28 Prozent der Kinder bekommen bei der Anmeldung für eine weiterführende Schule eine Absage.
- Hauptgrund für Absagen ist der Schulplatzmangel: Bei 27 Prozent dieser Absagen wird ein fehlender Schulplatz als Grund genannt. Schlechte Noten sind nur in 19 Prozent der Fälle ausschlaggebend, eine nicht bestandene Aufnahmeprüfung nur in 5 Prozent. Hochgerechnet fehlen österreichweit damit zwischen 4.000 und 8.000 Schulplätze.
- Bei weiteren 15 Prozent wurde die Entfernung zum Wohnort für die Absage genannt – auch das deutet auf knappe Schulplätze hin.
Eine Folge davon: Mehr als jedes zehnte Kind (12 Prozent) startet das kommende Schuljahr nicht an der Wunschschule und oft auch nicht in der Wunschausbildung.
„Die Schulwahl mit 14 entscheidet darüber, welche Abschlüsse und welche Berufe einem Menschen später offenstehen. Diese Weichenstellung darf nicht von der Zahl der verfügbaren Schulplätze abhängen“, so Renate Anderl. „Wir brauchen ausreichend Schulplätze – und zwar dort, wo Jugendliche ihre Ausbildung machen wollen und wo sie gute Chancen auf einen Beruf mit Zukunft haben.“
Vor zehn Jahren trat in Österreich die „Ausbildung bis 18“ in Kraft. Das Ziel: Alle Jugendlichen sollen nach der Pflichtschule eine weitere Ausbildung absolvieren. Einen Rechtsanspruch auf einen Schulplatz gibt es allerdings nicht. „Für die Familien ist der Frühling vor der 9. Schulstufe eine Zeit der Unsicherheit – und für viele endet er mit einer Absage. Das ist kein freier Bildungsweg, das ist ein Verteilungskampf in der Mangelverwaltung“, so Renate Anderl.
Jeder zweite Jugendliche will an eine BHS
Die berufsbildende höhere Schule (BHS) ist die meistgewählte Schulform nach der 8. Schulstufe: 53 Prozent der Kinder haben sich für eine BHS angemeldet. Dazu zählen unter anderem Höhere Technische Lehranstalten (HTL), Handelsakademien (HAK), Höhere Lehranstalten für wirtschaftliche Berufe, Tourismus und Mode sowie Bildungsanstalten für Elementar- und Sozialpädagogik.
Wegen des Drucks auf die Schulplätze wurden laut Aussage der Eltern 21 Prozent der Kinder an mehr als einer BHS angemeldet. Das deutet darauf hin, dass Eltern mit einer Absage an der Wunschschule rechnen. Die BHS ist damit die meistgewählte Schulform und jene mit den häufigsten Mehrfachanmeldungen.
Forderungen der AK
Die Arbeiterkammer fordert daher, das Schulentwicklungsprogramm zu aktualisieren und die Kapazitäten dort auszubauen, wo Schulplätze offensichtlich fehlen. Die Zahl der Schulplätze muss sich am tatsächlichen Bedarf der Jugendlichen und am künftigen Arbeitskräftebedarf orientieren. Zudem braucht es eine öffentliche Liste der freien Schulplätze an den einzelnen Schulen wie sie etwa die Bildungsdirektion Wien bereitstellt.
Zur Befragung
Während der Anmeldephase von März bis Mai 2026 wurden im Auftrag der Arbeiterkammer von IFES österreichweit 789 Eltern von 843 Kindern der 8. und 9. Schulstufe befragt.
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