Porträt einer Studentin mit Tätowierung
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20.7.2026

Immer mehr Pflichtpraktika – viele bleiben unbezahlt

Für viele Studierende gehört ein Praktikum zum Sommer. Doch ausgerechnet verpflichtende Praktika bleiben häufig unbezahlt – und Frauen sind davon besonders betroffen. Das zeigt eine neue Sonderauswertung der Studierenden-Sozialerhebung 2025 im Auftrag der AK.

Mehr Pflichtpraktika, mehr Handlungsbedarf

Knapp jede:r zweite Studierende (49 Prozent) hat seit Studienbeginn mindestens ein Praktikum absolviert. Während freiwillige Praktika leicht zurückgehen, steigt der Anteil verpflichtender Praktika kontinuierlich an. Bereits 29 Prozent aller Studierenden haben ein Pflichtpraktikum absolviert – 2019 waren es noch 24 Prozent. Pflichtpraktika sind insbesondere im Gesundheits- und Sozialbereich, im Lehramt sowie im Medizinstudium fixer Bestandteil der Ausbildung. Mit dem steigenden Anteil verpflichtender Praktika gewinnt auch die Frage nach fairen Arbeitsbedingungen an Bedeutung.

„Praktika sind ein wichtiger Teil der Ausbildung. Wer arbeitet und Verantwortung übernimmt, darf aber nicht leer ausgehen. Gerade Pflichtpraktika müssen fair bezahlt und arbeitsrechtlich abgesichert sein,“ so Boris Ginner, Bildungsexperte der AK.

Pflichtpraktika bleiben häufig unbezahlt

Eine faire Bezahlung ist bei Pflichtpraktika jedoch oft die Ausnahme. Während vier von fünf freiwilligen Praktika entlohnt werden, erhält nicht einmal jede dritte Person für ein Pflichtpraktikum in Österreich eine Bezahlung.

Im Gesundheits- und Sozialbereich bleiben 78 Prozent der Pflichtpraktika unbezahlt, in der Medizin sind es 77 Prozent und im Lehramt 73 Prozent. Gerade dort, wo praktische Ausbildung unverzichtbar ist, arbeiten viele Studierende ohne Entgelt.

Frauen sind besonders benachteiligt

„Besonders alarmierend ist, dass Frauen deutlich häufiger Pflichtpraktika absolvieren und dafür wesentlich seltener bezahlt werden. Diese Ungleichbehandlung beginnt bereits während der Ausbildung,“ so Boris Ginner.

Auch insgesamt zeigt sich ein deutliches Ungleichgewicht bei der Bezahlung von Praktika: Während 42 Prozent der Studentinnen ein bezahltes Praktikum absolviert haben, waren es bei den Studenten 63 Prozent. Diese Unterschiede bestehen auch innerhalb einzelner Studienrichtungen. So erhielten im Studienfeld Naturwissenschaften 63 Prozent der Studentinnen, aber 78 Prozent der Studenten eine Bezahlung für ihr Praktikum.

Auslandspraktika meist ohne Förderung

Auch bei Auslandspraktika zeigt sich Verbesserungsbedarf. Zehn Prozent der Studierenden absolvieren Praktika im Ausland. Drei Viertel organisieren und finanzieren diese selbst, Erasmus+ unterstützt lediglich rund jedes fünfte Auslandspraktikum. Besonders Medizinstudierende absolvieren häufig Praktika im Ausland – meist ohne finanzielle Unterstützung.

Praktika müssen fair bezahlt werden!

Für die AK Expert:innen besteht Handlungsbedarf. Praktika sind ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung und dürfen nicht dazu führen, dass Studierende unbezahlt reguläre Arbeit leisten. Die AK fordert daher eine gesetzliche Klarstellung, dass bei Praktika im Zweifel ein Arbeitsverhältnis vorliegt, ein verpflichtendes Praktikumsentgelt für alle Auszubildenden, eine volle arbeits- und sozialrechtliche Absicherung von Pflichtpraktikant:innen sowie schriftliche Arbeitsverträge. Darüber hinaus braucht es mehr qualitativ hochwertige Praktikumsplätze, bessere Unterstützung bei der Praktikumssuche und eine stärkere Vermittlung arbeitsrechtlicher Grundlagen bereits während der Ausbildung.

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