Pensionistin mit Tochter und Enkelin
Pensionistin mit Tochter und Enkelin © Halfpoint, stock.adobe.com
03.08.2026

AK Anderl: Mehr Chancen am Arbeitsmarkt statt höherem Pensionsantrittsalter

Arbeitslosigkeit bei Älteren und Frauen steigt – Unternehmen müssen Älteren Chancen bieten und sich an Kosten beteiligen, wenn sie ihrer Verantwortung nicht nachkommen.

Die aktuellen AMS-Zahlen machen einmal mehr deutlich: Die Zahl der Arbeitsuchenden ab 50 Jahren steigt weiterhin an, besonders betroffen sind ältere Frauen. Für die Betroffenen bedeutet das nicht nur eine enorme persönliche Belastung, sondern geht oft auch mit Armutsgefährdung einher – mit hohen Folgekosten für den Sozialstaat. 

AK Präsidentin Renate Anderl


„Es braucht mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt anstatt einer Erhöhung des Pensionsantrittsalters.“ – AK Präsidentin Renate Anderl


  

Kritik an Forderungen nach höherem Pensionsantrittsalter

„Die Rufe, dass die Menschen länger arbeiten sollen, sind angesichts dieser Entwicklungen zynisch“, sagt Renate Anderl, Präsidentin der Arbeiterkammer. Viel relevanter als das gesetzliche Pensionsantrittsalter sei, wann die Menschen tatsächlich in Pension gehen. Die aktuellen Zahlen zur Arbeitslosigkeit belegen, dass es hier dringenden Handlungsbedarf gibt.

Herausforderungen bei älteren Arbeitnehmer:innen und Frauen

Ein zentrales Problem ist, dass es nicht ausreichend gelingt, ältere Menschen in Beschäftigung zu halten. Diese Entwicklung wird durch die Anhebung des Frauenpensionsalters zusätzlich verschärft. Schon jetzt gehen zu viele Frauen nicht aus Erwerbsarbeit, sondern aus Arbeitslosigkeit oder nach längeren Krankenständen in Pension. „Zusätzlich sind Frauen auf dem Arbeitsmarkt doppelt belastet: In jüngeren Jahren übernehmen sie oft die Kinderbetreuung, im höheren Alter tragen sie häufig die Verantwortung für die Pflege von Angehörigen. Diese Mehrfachbelastung verschlechtert ihre Position in der Arbeitswelt zusätzlich, insbesondere wenn sie älter werden“, kritisiert Renate Anderl.

Stärkere Einbindung der Unternehmen in die Verantwortung 

Um die steigende Arbeitslosigkeit von Älteren und Frauen einzudämmen, ist ein Umdenken der Unternehmen beim Recruiting notwendig. „Ältere Menschen, hier insbesondere Frauen, müssen eine echte Chance bekommen“, fordert die AK Präsidentin. Die Erfahrungen zeigen jedoch, dass Appelle und Kampagnen allein nicht ausreichen. Deswegen fordert die AK ein System der Kostenbeteiligung von Unternehmen bei der Beschäftigung älterer Arbeitnehmer:innen. Jene Betriebe, die ihrer Verantwortung bei der Beschäftigung Älterer nicht nachkommen und bestimmte Quoten nicht erfüllen, sollen über Ausgleichzahlungen an den sozialstaatlichen Kosten beteiligt werden. 

Gezielte arbeitsmarktpolitische Maßnahmen sind notwendig

Neben den Unternehmen sind auch gezielte arbeitsmarktpolitische Unterstützungsprogramme für ältere Arbeitssuchende unerlässlich. Erfolgreiche Projekte wie „Schritt für Schritt“ für langzeitarbeitslose Personen in Wien zeigen, dass sich Investitionen in diesem Bereich lohnen. „Unterstützungsprogramme müssen ausreichend finanziert und langfristig abgesichert sein – denn keine Zielgruppe darf am Arbeitsmarkt zurückgelassen werden“, so Renate Anderl. 

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