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Zeitverwendungsstudie zeigt fehlende Frauenpolitik
„Ernüchternd, aber nicht überraschend.“ So bezeichnet AK Präsidentin Renate Anderl das Ergebnis der am 18.12.2023 veröffentlichten Zeitverwendungserhebung der Statistik Austria.Und weiter: „Kein Wunder, dass so lange mit der Erhebung und dann mit der Veröffentlichung gewartet wurde. Denn die Ergebnisse zeigen deutlich auf, dass die aktuelle Frauenpolitik in Österreich aus den 50er Jahren stammt.“ Aufgrund der Daten fordert die AK Präsidentin jetzt rasch Maßnahmen, um die Situation der Frauen zu verbessern, primär einen tatsächlichen und raschen Ausbau der Kinderbildung und der Pflege.
Frauen leisten jeden Tag fast zwei Stunden unbezahlte Arbeit mehr
Frauen leisten in Österreich jeden Tag fast zwei Stunden unbezahlte Arbeit mehr als Männer. Den bei weitem größten Teil macht die Sorgearbeit für die Familie und im Haushalt aus. Männer leisten hier rund 40 Prozent weniger Sorgearbeit als Frauen. Bei der Kinderbetreuung zeigt sich: Je jünger das Kind, umso mehr unbezahlte Erziehungs- und Betreuungsarbeit übernehmen die Frauen. Insgesamt verbringen Frauen mehr als doppelt so viel Zeit mit den Kindern als Männer.
„Im Vergleich mit der vorangegangenen Erhebung aus 2008/09 hat sich die Situation für die Frauen in diesem Land null verbessert. Sie leisten immer noch die Mehrheit der Sorgearbeit – und das unbezahlt und unter größtem Druck. Und bereits junge Mädchen machen deutlich mehr Hausarbeit als Burschen. Damit ist der von Frauenministerin Susanne Raab deklarierte Generationenwandel für mich nicht ersichtlich“, kritisiert Anderl.
Wichtig sei, dass die Zeitverwendungserhebung regelmäßig stattfindet. Anderl fordert: „Wir brauchen regelmäßige und vergleichbare Daten. Nur auf dieser Basis können Entwicklungen in der Verteilung der bezahlten und unbezahlten Arbeit erkannt und aktiver gesteuert werden.“ Eine Vergleichbarkeit mit den lange zurückliegenden Ergebnissen aus 2008/2009 sei nicht durchgängig gegeben.
Für die AK Präsident ist jetzt Eile geboten: „Wir müssen nun rasch Maßnahmen ergreifen, um die Verteilung der unbezahlten Arbeit fairer zu gestalten.“
Unsere Forderungen
- Einen Ausbau der Kinderbildung und -betreuung. Es braucht mehr Plätze, längere Öffnungszeiten, einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ab dem 1. Geburtstag des Kindes sowie eine Ausbildungsoffensive und verbesserte Arbeitsbedingungen für das Personal in der Elementarpädagogik. Die angekündigten 4,5 Milliarden Euro müssen rasch und tatsächlich in Ausbau und Qualität investiert werden.
- Einen Ausbau der Pflege, damit nicht automatisch Frauen zu Hause die Betreuung von Angehörigen übernehmen müssen. Weiters muss der Pflegeberuf durch eine bessere Entlohnung und eine Arbeitszeitverkürzung attraktiver werden.
- Gezielte Anreize, damit die partnerschaftliche Aufteilung zwischen Elternteilen tatsächlich Realität wird. Dazu muss ein höherer Mindestanteil des Kinderbetreuungsgeldes für Väter bei einer partnerschaftlichen Teilung reserviert werden.
- Eine bundesweite Imagekampagne zur Väterbeteiligung. Es muss in der Gesellschaft und in den Betrieben ein Wertewandel stattfinden. Aktive Maßnahmen müssen gesetzt werden, damit Väter ihren Teil der Betreuungsarbeit übernehmen.
- AK/ÖGB Familienarbeitszeitmodell einführen. Wenn sich Eltern die Familienarbeit teilen und die Arbeitszeit auf ein ähnliches Ausmaß reduzieren, soll dies finanziell unterstützt werden. Väter hätten mehr Zeit für ihre Kinder, Frauen könnten mehr Stunden arbeiten und so mehr verdienen.
- Regelmäßige und vergleichbare Erhebungen zur Zeitverwendung – dabei eine Teilnahme an der nächsten EU-weiten Zeitverwendungsstudie im Jahr 2030.
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