Sanitäter:innen im Gesundheitswesen
Das österreichische Gesundheitssystem ist am Limit: Die Zahl der Rettungseinsätze steigt seit Jahren – 2024 wurden bereits rund drei Millionen Transporte durchgeführt. Die Ressourcen für echte Notfälle werden immer knapper.
Zudem stehen Sanitäter:innen trotz kurzer Ausbildung tagtäglich an vorderster Front. Zu diesem Thema informierten Katharina Scheinast, AK Wien, Daniel Unger, Samariterbund Österreich und Florian Zahorka, Bundesverband Rettungsdienst, in einer Pressekonferenz:
Die größten Baustellen
Hoher Anteil vermeidbarer Spitalsfälle
Jährlich werden rund 600.000 Patient:innen als Notfall mit der Rettung ins Spital gebracht und ohne stationäre Aufnahme wieder entlassen. In vielen Fällen wäre eine Fahrt in die Ambulanz nicht notwendig, weil eine Versorgung im niedergelassenen Bereich möglich wäre. Die Folge sind überfüllte Notauf-nahmen, Dauerstress in Ambulanzen und knappe Ressourcen für echte Notfälle.
Mehrfachnutzer: Ursache für 25 % der Notfälle
Rund 25 Prozent aller Rettungseinsätze gehen auf sogenannte Frequent User zurück – das sind beispielsweise Patient:innen mit zumeist chronischen Erkrankungen, Personen, die von Einsamkeit betroffen sind, oder überforderte pflegende Angehörige. Sie alarmieren mehrmals im Jahr, teils sogar mehrmals täglich den Rettungsdienst, ohne dass Probleme nachhaltig gelöst werden. Viele dieser Einsätze könnten durch gezielte Steuerung effizienter und passgenauer abgewickelt werden.
Notfalleinsätze aus Pflegeheimen
Schätzungen zufolge stammen mindestens 50.000 Notfalleinsätze pro Jahr aus Pflegeheimen. Gerade bei hoch pflegebedürftigen oder dementen Patient:innen erhöhen Transporte und Spitalsaufenthalte das Risiko von Komplikationen deutlich. Studien zeigen: Rund ein Drittel der stationären Aufnahmen wäre vermeidbar, wenn Strukturen, Kommunikation und medizinische Abklärung vor Ort besser zusammenspielen.
Kosten laufen davon
Allein die staatlichen Gesundheitsausgaben für Rettungs- und Krankentransporte stiegen laut Statistik Austria von 2018 – 2024 von 419 Mio. Euro auf mehr als 600 Mio. Euro – das ist ein Plus von mehr als 40 Prozent in nur sechs Jahren. Ohne strukturelle Reformen steuert das System sehenden Auges auf eine Überlastung zu – mit spürbaren Folgen für Versorgungssicherheit und Qualität, beispielsweise wird die Einhaltung von Hilfsfristen immer schlechter.
Investieren statt überlasten
Wer das Rettungswesen entlasten will, muss dort investieren, wo Entscheidungen fallen: vor dem Spital. Ein vollständiger Rollout der Höherqualifizierung von rund 4.000 Notfallsanitäter:innen (von aktuell 48.000 Sanitäter:innen) bis 2036 bringt dem Gesundheitssystem ein dauerhaftes Entlastungspotenzial von rund 840 Mio. Euro jährlich.
Dadurch werden Ressourcen frei – für den Ausbau der niedergelassenen Versorgung, für mobile und stationäre Langzeitpflege und für die Entlastung der Spitalsambulanzen. Innovative Versorgungsmodelle wie Gemeindenotfallsanitäter:innen (Deutschland), Telenotfallsanitäter:innen (Wien) oder Acute Community Nurses [NÖ] belegen das Potenzial.
Diese Ansätze müssen in die Sanitäter:innenausbildung aufgenommen werden. Wenn ab 2027 schrittweise ausgebildet wird, greifen die Effekte rasch. Die Ausbildungskosten amortisieren sich bereits in den ersten Jahren. Jeder investierte Euro kommt in der Akutversorgung 21-fach zurück.
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