Autorin Daniela Brodesser und Volkshilfe-Chef Erich Fenninger diskutierten darüber, wie man Armut bekämpfen kann. © Miriam Koch

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Bild teilen Autorin Daniela Brodesser und Volkshilfe-Chef Erich Fenninger im AK Talk © Miriam Koch
10.11.2022

AK Talk zum Thema Armut

„Mir passiert Armut nie, eine Arbeit finde ich immer, hab ich gedacht“, erzählte Daniela Brodesser am 9.11.2022 bei einem Talk in der AK Wien.

Brodesser: Unser Weg in die Armut

„Wir waren eine ganz durchschnittliche Familie, mit Urlaub, Kinobesuchen, Essen gehen. 2008 wurde die jüngste Tochter mit einer schweren Krankheit geboren, mein Mann arbeitete mehr, um die Mehrkosten zu finanzieren, bis auch er krank wurde – das war unser Weg in die Armut.“

Vor fünf Jahren begann sie auf Twitter über Beschämung zu schreiben: Das hat in weiterer Folge auch zu neuen Jobs und einem Ausstieg aus der Armut geführt – aber das Thema beschäftigt die Oberösterreicherin weiter. In einem AK Talk diskutierte Daniela Brodesser, die demnächst ein Buch zum Thema Armut veröffentlichen wird, mit Volkshilfe-Chef Erich Fenninger unter der Moderation von AK Expertin Sybille Pirklbauer. 

Armutsfallen: Krankheiten oder Arbeitslosigkeit

Was Armutsfallen sind, zeigt die Statistik deutlich: Kinder, Krankheiten oder Arbeitslosigkeit sind in Österreich oft ein Grund, dass man zu wenig Geld hat, um am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können.

„Es gibt keinen Menschen, der das Ziel hat, arm zu werden“, sagte Fenninger. Sein Anliegen ist es, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, die Menschen und ihre Erfahrungen zu verstehen. „Und besonders für Kinder ist Armut verknüpft mit Isolation“, sagt Fenninger.

Mehr als 300.000 Kinder sind im reichen Land Österreich von Armut betroffen. „Diese Kinder können keine Interessen entwickeln, weil Interessen immer mit Kosten verbunden sind“, sagt Fenninger.

Sozialstaat muss verbessert werden

Der Sozialstaat sollte der sichere Boden unter den Füßen der Menschen sein und gegen Armut helfen. Das tut er auch jetzt schon. Ohne Sozialleistungen, wäre knapp die Hälfte der Bevölkerung von Armut bedroht oder betroffen. Aber dieser Sozialstaat muss verbessert werden.

„Es ist nicht leicht, die richtigen Informationen zu bekommen und zu wissen, was einem zusteht“, sagt Brodesser. Zudem ist die Absicherung im Falle von Arbeitslosigkeit gering. „Das österreichische System der Sozialgesetze ist sehr komplex“, sagt Volkshilfe-Chef Fenninger. Diese müssen vereinfacht werden.

Ausreichend Unterstützungsmaßnahmen für Wohnen, Energie und ein Rechtsanspruch darauf, dass Grundbedürfnisse erfüllt werden, würden vieles erleichtern. Umso mehr als wir in Zeiten der Teuerung leben. Die steigenden Energierechnungen führen dazu, dass bei den Lebensmitteln gespart werden muss.

„Man würde nicht glauben, wie viele Eltern in Österreich auf Mahlzeiten verzichten, damit die Kinder satt werden“, sagt Daniela Brodesser. 

Bekämpfung der Armut scheitert nicht am Geld 

Für Fenninger und für Brodesser ist klar, dass die Bekämpfung der Armut nicht am Geld scheitert. „Wir müssten den Reichsten sagen: Wir wollen und können uns euren Superreichtum nicht mehr leisten“, sagt Fenninger und spricht sich wie Brodesser für die Einführung von Vermögens- und Erbschaftssteuern aus.

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