21.11.2019

Sachverhaltsdarstellung gegen unsaubere Reinigungsfirma

Die Arbeiterkammer Wien hat eine Sachverhaltsdarstellung gegen die Inhaberin eines Reinigungsbetriebs und deren Ehemann eingebracht, welche bei der Abrechnung von Mehr- und Überstunden mehr als unsauber vorgegangen sind.

AK Präsidentin Renate Anderl: „Es muss endlich Schluss sein mit Überstunden-Nepp! 2018 wurden 43 Millionen Mehr- und Überstunden weder in Geld noch in Zeitausgleich abgegolten. Das ist so viel, als würden alle ArbeitnehmerInnen von 31. Oktober bis zum Ende des Jahres kein Entgelt für Mehr- und Überstunden mehr bekommen. Seit diesem ,No Pay Day‘ sind bereits 15 Millionen unbezahlte Mehr- und Überstunden angefallen.“

Unbezahlte  Überstunden

„Die Chefin war einfach gut was die psychologische Seite betrifft. Sie war erst wie eine Freundin“, so eine der betroffenen Arbeitnehmerinnen. Sie arbeitete von 6 Uhr früh bis 20 Uhr abends. Dazu kam, dass die Chefin den Dienstplan vier Mal in der Woche änderte. Nach einem halben Jahr bekam die Arbeitnehmerin Mehr- und Überstunden nicht mehr ausbezahlt, insgesamt 21.500 Euro.

„Es war eine schwierige Zeit. Ich konnte plötzlich meine Rechnungen nicht mehr zahlen, wir konnten uns notwendige Anschaffungen für unsere Kinder nicht mehr leisten. Wir hatten einen Kredit laufen und konnten die Raten nicht mehr zahlen. Dann wollte die Bank, dass wir den ganzen Kredit sofort zurückzahlen.“

AK erstritt 65.000 Euro

Die Arbeitnehmerin und zehn weitere KollegInnen holten sich Hilfe bei der Arbeiterkammer, traten vorzeitig berechtigt aus und zogen vor Gericht. Dank der guten Arbeitszeitaufzeichnungen der ArbeitnehmerInnen konnte die AK für sie insgesamt 65.000 Euro herausholen.

Doch die Betriebsinhaber hatten ihre frühere Reinigungsfirma in Konkurs gehen lassen, die Summe musste aus dem Insolvenzentgeltfonds beglichen werden. Kurz darauf meldeten sie eine neue Firma an und stellten weiterhin ArbeitnehmerInnen ein, die sie wieder nicht bezahlten. Auch die neue Firma ging wieder insolvent. Die AK hat daher eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft eingebracht. Es besteht der Verdacht, dass die Inhaber in betrügerischer Absicht gehandelt haben.

2018 haben alle ArbeitnehmerInnen in Österreich insgesamt 255 Millionen Mehr- und Überstunden geleistet. Davon wurden allerdings laut Statistik Austria 43 Millionen nicht abgegolten, weder in Geld noch gab es dafür Zeitausgleich.

AK und ÖGB fordern

  • Verbot von Verfallsfristen!
  • Entschädigung, wenn Mehr- und Überstunden systematisch nicht bezahlt werden! (Überstunden-Doppel)
  • Schärfere Kontrolle der Höchstarbeitszeit!
  • Wahlfreiheit zwischen Geld oder Zeitausgleich für Mehr- und Überstunden!

Tipp

Notieren Sie Ihre Arbeitszeit! www.ak-zeitspeicher.at oder integriert in die AK App „Frag uns!“ im AppStore oder auf Google Play. Alle Daten bleiben selbstverständlich anonym!

Kontakt

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Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien

Prinz Eugenstraße 20-22
1040 Wien

Telefon: +43 1 50165-0

- erreichbar mit der Linie D -