9.3.2020

Gestalkt statt Gebrauchtwaren verkauft

Frau S.x) schaltete ein Inserat auf Willhaben.at. Eigentlich wollte sie etwas verkaufen, stattdessen wurde sie telefonisch gestalkt. In den Pflichtfeldern des Kontaktformulars war eine Telefonnummer anzugeben. Sie wandte sich an die AK. AK Datenschutzexpertin Daniela Zimmer: „Ärgerlich: ein unter dem Pflichtfeld angebrachtes vorangehaktes Kästchen ‚Telefonnummer anzeigen‘ ist schnell übersehen.“ Die AK kontaktierte Willhaben.at – erfolgreich: Willhaben hat rasch reagiert und die Voreinstellung der Telefonnummer geändert – nun ist sie nicht mehr sichtbar. Wer will, dass die Handynummer von Haus aus sichtbar ist, kann das mit einem Klick tun.

Frau S.x) wurde Opfer eines Stalkers

Sie hatte auf Willhaben.at ein Inserat geschaltet – mit Angabe ihrer Telefonnummer. Die Telefonnummer ist ein Pflichtfeld. Bei der Angabe der Telefonnummer ist bereits voreingestellt, dass sie nicht nur beim Anbieter gespeichert, sondern auch in der Anzeige veröffentlicht wird (durch ein angehaktes Kästchen ‚Telefonnummer anzeigen‘ bzw. am Handy einen aktivierten ‚sichtbar‘-Regler). Frau S. sagt, „dass der User dazu verleitet wird, die Handynummer anzugeben. Denn die Plattform begründet, dass man mit Angabe der Telefonnummer die Verkaufschancen erhöhen würde.“ 

Die Konsumentin wandte sich an die AK Konsumentenberatung. Die AK hat das Kontaktformular auf Willhaben.at unter die Lupe genommen. AK Konsumentenschützerin Daniela Zimmer fasst zusammen: „Die Datenschutz-Grundverordnung untersagt solche Voreinstellungen ausdrücklich. Denn dadurch würden Kundendaten ‚ohne Eingreifen der Person einer unbestimmten Zahl anderer Personen zugänglich gemacht‘. Bereits vorangekreuzte Kästchen oder aktivierte Button stellen niemals eine wirksame Einwilligung zur Veröffentlichung von Daten dar. Die EU-Verordnung verlangt aktive Zeichen der Zustimmung und schützt so vor Unachtsamkeit.“

Die AK kontaktierte Willhaben.at – mit Erfolg

Willhaben hat rasch reagiert und die Voreinstellung der Telefonnummer geändert – nun ist sie nicht mehr sichtbar.

Die Online-Plattform stellte „by default“ die Einstellung datensparsam ein. Das heißt: Die Handynummer als Pflichtfeld ist verborgen. Wer möchte, dass sie im Inserat aufscheint, kann das mit einem Klick ändern.

Tipp

Zimmer rät dennoch: „Überlegen Sie sich genau, ob Sie Ihre Handynummer veröffentlichen wollen. Legen Sie sich für solche Zwecke eventuell ein Wertkartenhandy zu, dass Sie nicht privat verwenden. Achten Sie bei der Onlineregistrierung generell auf Voreinstellungen. Die Anzeigenplattform hat erfreulicherweise rasch reagiert. Viele Onlinedienste nehmen ‚privacy by default‘ aber noch immer nicht als Datenschutzpflicht wahr.“

x) Name von der Redaktion geändert

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