11.5.2015

Wien wächst: Verkehr

„Es ist höchste Eisenbahn für eine Verkehrspolitik in und um Wien, die mehr über die Ländergrenzen hinausgeht“, sagte der Leiter der AK Abteilung Kommunalpolitik Thomas Ritt auf der AK-Tagung „Wien wächst: Verkehr.“

Denn nicht nur Wien, die gesamte Ostregion wird bis 2030 um 450.000 BewohnerInnen wachsen. Das wird zu einem immer stärkeren Verkehrsaufkommen gerade am Weg zur Arbeit in und um Wien führen. „Schon jetzt sind die Pendlerzüge nach Wien voll, und die Fahrt zur Arbeit per Auto oft nur noch ein Stop and Go“, so Ritt. „Wir müssen jetzt die Weichen stellen: In der Verkehrsplanung muss die gesamte Ostregion viel stärker als bisher länderübergreifend betrachtet werden. Deshalb  fordert die AK mehr Anreize über den Finanzausgleich für mehr länderübergreifende Verkehrsplanung durch Wien, Niederösterreich und Burgenland. „Sowohl bei der Ansiedlungsplanung der Gemeinden als auch bei der Verkehrsplanung sollte mehr im Ganzen und weniger in Partikularinteressen gedacht werden“, so Ritt.

Mitschnitt der Veranstaltung

60.000 BahnpendlerInnen kommen täglich nach Wien

Etwa 60.000 PendlerInnen kommen täglich nach Wien mit der Bahn zur Arbeit. Es könnten viel mehr sein, so eine neue Studie der AK, die Wohnorte von rund 200.000 Wien-PendlerInnen nach dem Zugang zum öffentlichen Verkehr untersucht hat: „Rund 64 Prozent der PendlerInnen, die die Bahn am Arbeitsweg nutzen könnten, leben im Umkreis von drei Kilomentern eines Bahnhofs“, sagte die Leiterin der AK Abteilung Verkehrspolitik, Sylvia Leodolter. Doch für viele ist genau dieser kurze Weg zum Bahnhof das Problem. Es fehlt an Bus-Linien vom Wohnort zum Bahnhof, an Park and Ride-Möglichkeiten und an sicheren Radabstellplätzen. „Wenn wir hier ansetzen, und es gelingt, gute und schnelle Verbindungen zur Bahn und mit der Bahn zu entwickeln, haben wir einen Schlüssel für die Mobilität der Zukunft in der wachsenden Ostregion. Dafür braucht es mehr gemeinsame Planung durch die Länder Wien, Niederösterreich und Burgenland“, so Leodolter.

Bei Ansiedlungen auf Öffi-Anbindung achten

Noch viel zu häufig wird in der Ostregion Bauland in Lagen ohne hochrangige Anbindung an den öffentlichen Verkehr gewidmet. „Die Einzelinteressen der Gemeinden sollten mit den Zielvorstellungen für eine sinnvolle regionale Siedlungsentwicklung besser in Einklang gebracht werden“, sagt Ritt.

Qualitätssprung bei der länderübergreifenden Planung

Die Planungsgemeinschaft Ost und der Verkehrsverbund Ostregion haben keine verbindlichen Entscheidungskompetenzen. Hier sind die Länder gefordert: Erstmals gibt es nun eine gemeinsame regionale Mobilitätsstrategie. Das ist ein erster wichtiger Schritt, aber bisher noch zu unverbindlich.

Mehr Züge, mehr Sitzplätze, mehr Verbindungen

Die Pendlerzüge sind jetzt schon voll, die Gleise insbesondere der Südbahn sind mehr als ausgelastet. Je schneller ein gutes und bequemes Angebot kommt, desto eher steigen wieder mehr PendlerInnen auf die Öffis um.

Forderung

  • Gute Anreize für mehr gemeinsame Planung im Finanzausgleich durch den Bundesfinanzminister, etwa dadurch, dass grenzübergreifende Konzepte für den öffentlichen Verkehr mit mehr Geld für die Öffis belohnt werden. 
  • Die Länder sollten ihre Raumordnungskompetenz stärker wahrnehmen. Bei der  Siedlungsentwicklung sollte auch auf die bestehenden Achsen des öffentlichen Verkehrs geachtet werden.  Die Planungsgemeinschaft Ost (länderübergreifende  Regionalplanung und Koordination) und der Verkehrsverbund Ostregion (Verkehrsplanung) brauchen mehr Kompetenzen für die länderübergreifende Planung.   
  • Das Angebot macht die Nachfrage im öffentlichen Verkehr. Notwendig wäre der schnelle  vierspurigen Ausbau der Südbahn, der Ausbau der Pottendorferlinie und des Marchegger Astes. Außerdem braucht es  mehr Waggons in den übervollen Pendlerzügen, um in den verkehrsreichsten Pendlerstrecken die Angebote weiter zu verbessern. 
  • Der Weg zum Bahnhof sollte erleichtert werden: Es braucht mehr Busverbindungen zu und von den Bahnhöfen. Außerdem sollte es  mehr Park- and Ride Möglichkeiten schon im Umland und sichere Radabstellplätze geben. 
  • Es braucht eine engere Verzahnung der bestehenden Angebote wie etwa U-Bahn und S-Bahn. Der 10-Minuten-Takt in der S-Bahn muss auf allen Linien kommen. 
  • Die Verkehrsunternehmen sind wichtige Arbeitgeber im Umland. Die AK setzt sich dafür ein, dass es kein Sozialdumping beim öffentlichen Verkehr gibt. Bei Ausschreibungen von Verkehrsdienstleistungen muss das Bestbieter-Prinzip vor dem Billigsbieter-Prinzip Vorrang haben.