24.2.2020

Weiterbildung im Spannungsfeld von Digitalisierung und Qualitätssicherung

Am 18.2.2020 fand im Bildungszentrum der AK Wien eine gemeinsame Tagung von AK und dem Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds (waff) statt. Vorgestellt wurde eine neue, vom waff beauftragte Studie des Österreichischen Instituts für Berufsbildungsforschung (öibf) zum Thema „10 Jahre wien-cert“ (das Wiener Qualitätssiegel für Erwachsenenbildungsinstitute). Außerdem gab es einen Rückblick auf das erste Digi-Winner Jahr (der Digi-Winner wurde mit 1. Februar 2019 eingeführt).

Präsidentin Renate Anderl und Stadtrat Peter Hanke eröffneten die Tagung mit 230 TeilnehmerInnen, vorwiegend aus dem Bereich der Erwachsenenbildung. Hervorgehoben wurde dabei die erfolgreiche Kooperation zwischen AK und der Stadt Wien, deutlich zu sehen beim Digi-Winner, wo sich AK und waff die Kosten im Verhältnis 1:1 teilen. Digitalisierung sei eine Chance für die ArbeitnehmerInnen, könne aber auch den „digital gap“, also die Kluft zwischen jenen, die mit den neuen Technologien umgehen und sie für ihr berufliches Weiterkommen verwenden können und den anderen, die das nicht können, vertiefen. Erfreulich sei, dass der Hauptteil der Förderungen an die untere Einkommensgruppe ginge, und dass die Mehrheit der Förder-EmpfängerInnen Frauen seien. Neben der finanziellen Unterstützung der AK Mitglieder brauche es allerdings noch andere Rahmenbedingungen, wie etwa Zeitkonten für Weiterbildung. Wien habe das Ziel, Digitalisierungs-Hauptstadt zu werden, da leiste der Digi-Winner einen wichtigen Beitrag. 

Der erste Input bildete den wissenschaftlichen Ausgangspunkt für die Veranstaltung. Vorgestellt wurden Ergebnisse aus der Erhebung bei 181 Weiterbildungsanbietern, unter anderem zu folgenden Themenfeldern: Wie ist der Ist-Stand bzgl. Des Einsatzes digitaler/ multimedialer Elemente bei Weiterbildungsangeboten, welche Trends werden gesehen? Welche Unterschiede nach Zielgruppe (zB nach Qualifikation, Geschlecht etc) oder Inhalte der Weiterbildungsangebote sind künftig zu erwarten, wo sind pädagogisch-didaktische Herausforderungen erkennbar? Welche Trends stehen bei den Bildungsträgern im Fokus?

Anschließend gab es drei Vorträge. Aus Deutschland kommt das Qualitätsmodul „Digitale Strategie“, das von der k.o.s GmbH (Berlin) speziell für Weiterbildungseinrichtungen entwickelt wurde. Es verbindet Ansätze der Organisationsentwicklung und des Qualitätsmanagements vor dem Hintergrund der Digitalisierung.

Neue Anforderungen an das Ausbildungspersonal sieht das BIBB, das deutsche Bundesinstitut für Berufsbildung. Die Anforderung an die medienpädagogische Kompetenz der TrainerInnen steigt. AusbildnerInnen müssen vermitteln können, was für eine Bandbreite an Plattformen, Anbietern und netzgestützten Werkzeugen existiert und wie all das für Information, Kommunikation und Vernetzung reflektiert genutzt werden kann.

Im Jahr 2018 beschloss die Technische Universität Wien eine eigene Digitalisierungsstrategie. Damit wurden die Rahmenbedingungen geschaffen, alle MitarbeiterInnen der TU Wien sowie alle Studierende in einen digitalen Transformationsprozess einzubeziehen. Der Einsatz und die Nutzung von digitaler Technik bieten die große Chance, die Inklusion aller gesellschaftlichen Gruppen, wie zB Ältere, Menschen mit Behinderung sowie die Gleichstellung von Frauen und Männern zu ermöglichen. Wichtig ist das rechtzeitige Fördern des Technikinteresses bei Mädchen und jungen Frauen sowie die gezielte Weiterbildung von Frauen auf jeder Bildungsstufe und in jedem Alter. 

In der abschließenden Podiumsdiskussion wiederholte die AK ihre Forderung nach einer Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Teilnahme an Weiterbildung, va was den Faktor Zeit angeht: Dazu gehört die Verlängerung des Fachkräftestipendiums (welches mit Ende 2020 befristet ist) und die Überleitung in ein neues „Qualifizierungsgeld“. Hier bietet sich der Punkt „Bildungskonto“ an, der in das aktuelle Regierungsübereinkommen aufgenommen wurde. Die AK Forderung nach einer Woche Weiterbildung in der bezahlten Arbeitszeit für alle ArbeitnehmerInnen bleibt natürlich weiterhin aufrecht, um alle Beschäftigtengruppen in die betrieblich unterstützte Weiterbildung einzubeziehen.

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