20.1.2017

Steuervermei­dung durch Gewinn­verschiebung

Im Rahmen der Veranstaltung zum Thema Steuervermeidung durch Gewinnverschiebung diskutierten und analysierten die TeilnehmerInnen Aktionspläne der OECD und Maßnahmen auf EU-Ebene und mögliche Lösungsansätze im Steuerrecht, um Steuervermeidung zu verhindern.

Rudi Kaske

Für AK Präsident Rudi Kaske handelt es sich um eine „Fluchtbewegung, mit der sich Superreiche und multinationale Konzerne ihrer gesellschaftlichen Verantwortung entziehen wollen“. Er forderte eine konsequente Politik, um diese ungerechte Steuervermeidung und die Steuertricks endlich zu beenden. „Wir müssen hier auch internationale Solidarität von den anderen Staaten einfordern“, so Kaske.  

Christoph Urtz 

Professor Christoph Urtz von der Universität Salzburg erklärte, wie die EU mit einer Richtlinie die Steueroptimierungsmöglichkeiten durch Gewinnverschiebungen und Gewinnverlagerungen der international tätigen Konzerne einschränken will. Diese EU-Richtlinie geht auf das „BEPS“- Projekt der OECD zurück. Damit soll schädliches Steuerverhalten der Unternehmen eingedämmt werden. „Das Ziel ist, dass die Gewinne dort besteuert werden, wo die wirtschaftliche Tätigkeit ausgeübt wird“, so Urtz. Seit der Finanzkrise 2008 habe es einerseits ein massives Umdenken der Gesetzgeber und andererseits bereits viele konkrete Änderungen im Steuerrecht gegeben. Daher sei die Zahl der „Baustellen“ geringer geworden, insbesondere auch in Österreich.  

Georg Kofler

Allerdings stellt die Digitalisierung die Finanzverwaltungen vor viele neue Herausforderungen. „Die Geschäftsmodelle von Apple, Amazon, AirBnB, Google & Co führen uns Probleme vor Augen, mit denen wir in der Vergangenheit nicht in dieser Schärfe konfrontiert waren“, sagt Professor Georg Kofler von der Universität Linz.  

Mobile Nutzer, mobile Geschäftsmodelle, Netzwerkeffekte und Sharing Economy machen deutlich, dass die klassischen Steuersysteme, die auf Betriebsstätten und anderen territorialen Anknüpfungspunkten fußen, nicht mehr alle Geschäfte erfassen können. Mögliche Lösungsansätze, ob und wie das Steuerrecht auf diese Herausforderungen reagieren soll, werden derzeit sowohl auf Ebene der OECD und der Europäischen Union als auch in den verschiedenen Staaten diskutiert. Manche Staaten, wie etwa Großbritannien und Australien, reagieren mit eigenen Steuern auf "verschobene" Gewinne, andere Staaten, wie etwa Frankreich oder Indien, versuchen etwa Online-Umsätze mit VerbraucherInnen oder Online-Werbung steuerlich zu erfassen," so Kofler.