Mädchen in nicht tradi­tionellen Lehr­berufen fördern

„Die Betriebe müssen sich mehr in der handwerklich-technischen Ausbildung von Mädchen engagieren“, fordert AK Vizepräsidentin Renate Kollermann auf der Veranstaltung „Junge Frauen in nicht traditionellen Lehrberufen“ in der AK Wien. Auf der Veranstaltung der Arbeiterkammer und des Vereins Sprungbrett für Mädchen wird der Sprungbrett-Bericht „Trends over Time“ über Erfahrungen aus Betrieben präsentiert, die sich um den amaZone-Award für die handwerklich-technische Ausbildung von Mädchen und jungen Frauen beworben haben. Die nicht traditionelle Ausbildung von Mädchen ist kein Problem, wenn der Betrieb Vorurteilen gegenübertritt, zeigt der Bericht. „Und vor allem“, so Kollermann, „bringt die nicht traditionelle Ausbildung höhere Löhne für Frauen.“

Mädchen lernen Friseurin oder Verkäuferin

Viele Mädchen lernen nach wie vor Friseurin oder Verkäuferin. In diesen Berufen liegen der Einstiegslohn oder das Einstiegsgehalt nach dem Lehrabschluss unter 1.400 Euro brutto im Monat. Haben Frauen etwa einen metallverarbeitenden Beruf erlernt, verdienen sie jedenfalls mehr als 1.900 Euro brutto. „Allein das sollte Grund genug sein, um die handwerklich-technische Ausbildung stärker zu fördern“, sagt Kollermann.

Der Sprungbrett-Bericht zeigt, dass Mädchen und junge Frauen noch einiges Selbstbewusstsein brauchen, um in eine handwerklich-technische Ausbildung einzusteigen. Für den Bericht wurden Mädchen interviewt, die ihre Lehre in Betrieben machen, die sich bei sprungbrett um den amaZone-Award für die nicht traditionelle Ausbildung von Mädchen beworben haben. Die Erzählungen der Mädchen und jungen Frauen belegen ein hohes Maß an Durchhaltevermögen und die Bereitschaft, sich gegenüber diskrimierenden Anreden durchzusetzen. Am wenigsten Probleme haben Mädchen und junge Frauen dort, wo der Betrieb selbst aktiv gegen Geschlechterdiskriminierung vorgeht. Überdies, so der Bericht, beteiligen sich auch immer mehr kleinere Unternehmen am amaZone-Award.

Betriebe müssen noch mehr tun

„Ein ermutigendes Zeichen“, sagt Kollermann, „die Betriebe müssen aber noch mehr tun.“ Beispielsweise können sie sich den „gleichmäßigen Zugang von jungen Frauen und jungen Männern zu den verschiedenen Lehrberufen“ fördern lassen. Aber von jährlich fünf Millionen Euro Fördermitteln werden nur 100.000 Euro abgeholt. Notwendig sei auch gendersensible Bildung im Kindergarten, in der Schule und bei der Beufsorientierung. Initiativen zur Förderung von Mädchen und jungen Frauen in nicht traditionellen Berufen, etwa die Arbeitsmarktservice-Maßnahmen „Frauen in die Technik“ und „Mädchen in die Technik“, sollen weitergeführt und ausgebaut werden.

Kurzfilm von der Veranstaltung