Antreten, bitte! Antritts­wahr­schein­lichkeit zur Lehr­abschluss­prüfung

In Ermangelung bindender Qualitätskriterien bildet die Lehrabschlussprüfung (LAP) gegenwärtig den wichtigsten Indikator für die Ausbildungsqualität. Eine steigende Anzahl von negativen Prüfungsergebnissen und Nichtantritten deutet jedoch auf ein strukturelles Problem hin. Um Ursachen und Zusammenhänge zu identifizieren, hat die Abt LJ in Kooperation mit der Abt Berufsschulen (BMUKK) im Vorjahr eine flächendeckende Lehrlingsbefragung in Auftrag gegeben.

Ziel der Untersuchung war es einerseits, ausbildungsspezifische Faktoren und persönliche Merkmale zu ermitteln, die beeinflussen wie sich Lehrlinge auf die Lehrabschlussprüfung vorbereitet fühlen. Andererseits sollte erhoben werden, welche Faktoren sich positiv bzw negativ auf die Antrittswahrscheinlichkeit auswirken. Zudem sollte die Befragung erheben, welche Maßnahmen zur Vorbereitung auf die Lehrabschlussprüfung sich die Lehrlinge selbst wünschen. Insgesamt wurden 4.863 Lehrlinge im letzten Ausbildungsjahr befragt. Im Rahmen einer Studienpräsentation am 14.1.2014 wurden die Ergebnisse vorgestellt und mögliche Ansätze zur Erhöhung der Antrittsquoten erläutert.

Ergebnisse der Studie

In der Präsentation der Studie verwiesen deren Autoren Peter Schlögl und Martin Mayerl vom Österreichischen Institut für Berufsbildungsforschung (ÖIBF) auf folgende zentrale Erkenntnisse: 

  • Die Lehrabschlussprüfung wird von den Jugendlichen als große Herausforderung betrachtet.
  • Schulischer Erfolg hilft Jugendlichen bei der Selbsteinschätzung.
  • Die Antrittswahrscheinlichkeit hängt von der Ausbildungsqualität ab: Die Befragung zeigt, dass Lehrlinge in mangelhaft ausbildenden Betrieben bereits während der Lehrzeit einen späteren Berufs- und Branchenwechsel anstreben. Frühe Berufswechselabsichten vergrößern jedoch die Nicht-Antrittswahrscheinlichkeit zur Lehrabschlussprüfung. Auch insgesamt bereiten gut ausbildende Betriebe ihre Lehrlinge fachlich wie menschlich (Selbstsicherheit, Selbst- und Fremdbild, …) besser auf die Prüfung vor.

Aus den Ergebnissen leitet das ÖIBF ab, dass in diesem Feld Handlungsbedarf gegeben ist und Unterstützungsangebote in Betrieben und Berufsschulen ausgebaut bzw weiterentwickelt werden müssen.

Zusätzlich gelte zu berücksichtigen, dass die Prüfung möglichst zeitnah zum Lehrzeitende stattfindet, da zu große Zeitspannen zwischen Ausbildungsende und Prüfungstermin sich negativ auf die Antrittswahrscheinlichkeit auswirkt.

Diese Folgerungen wurden grundsätzlich – aber in unterschiedlicher Intensität - auch in der anschließenden Podiumsdiskussion mit Christian Dorninger (BMUKK), Petra Draxl (AMS), Alexander Hölbel (BMWFJ), Erich Huber (Lehrlingsstelle Wien), Edith Kugi-Mazza (AK), Fritz Meißl (WAFF), Alexander Prischl (ÖGB) und Sonja Schmöckl (BMASGK) vertreten. 

Eine breite Mehrheit der DiskutantInnen (BMUKK, WAFF, AK, ÖGB) plädierte für die Verankerung der Lehrabschlussprüfung als fixer Bestandteil der Lehrausbildung; so sollten die Lehrlinge „automatisch“ zur Lehrabschlussprüfung angemeldet sein. Erich Huber (WKO) sprach sich für ein Monitoring der LAP-Ergebnisse aus, um branchenbezogene Maßnahmen zur Steigerung der Antrittsraten zu setzen. Edith Kugi-Mazza (AK) und Alexander Prischl (ÖGB) forderten eindringlich die Einführung eines bindenden Qualitätsmanagements, um die Qualität der Ausbildung insgesamt zu heben. Eine wesentliche Erkenntnis der Untersuchung hatte gezeigt, dass es va qualitätsbezogene Faktoren sind, die begünstigend für einen Antritt wirken.

Forderung

Das fordert die AK, um die Antrittswahrscheinlichkeit zur Lehrabschlussprüfung zu heben:

  • mehr unterstützende Maßnahmen auf betrieblicher Seite (zB die Verringerung der Arbeitsbelastung für Prüfungsvorbereitung oder die Thematisierung optimaler Verhaltensweisen während der Prüfungssituation)
  • Schaffung von Zwischen-Checks, um den Lehrlingen ein Gefühl für den Status der eigenen berufsbezogenen Fähigkeiten und Kompetenzen zu ermöglichen (gibt Sicherheit)
  • Einrichtung von Prüfungssimulationen bzw die Möglichkeit, Prüfungen beizuwohnen und sich so ein Bild über Art und Ablauf der Lehrabschlussprüfung zu machen
  • (mehr) schriftliche Unterlagen zu den Prüfungsinhalten und Lernunterlagen zur Vorbereitung.
  • Angebot einer externen Ansprechperson, mit der die Lehrlinge mögliche Prüfungsinhalte besprechen können sowie Schaffung spezieller Maßnahmen für Lehrlinge mit Prüfungsängsten (zB eine tiefergehende Sensibilisierung von Ansprechpersonen in Schule und Betrieb)
  • den Ausbau und die Sicherung guter betrieblicher Ausbildungsqualität, weil diese einen wesentlichen Beitrag zur Erhöhung der LAP-Antrittswahrscheinlichkeit liefern (grundsätzlich mehr intrinsische Motivation und mehr Selbstsicherheit durch das Gefühl, gut vorbereitet zu sein)
  • Verankerung der Lehrabschlussprüfung als fixer Bestandteil der Ausbildung