12.12.2019

Lebenserwartung – eine Frage von …?

Bei der Fachtagung „Lebenserwartung – eine Frage von …?“, die am 12.12.2019  in der AK Wien stattfand, stellten ExpertInnen empirische Ergebnisse zur Auswirkung von Bildung, Beruf, Geschlecht, Einkommen, Region, Armut und Wohnungslosigkeit vor.

Es ist dies die erste Veranstaltung aus der Reihe KODEMA, Konsequenzen Demografischer Alterung, von AK Wien und Statistik Austria. Aussagen über die Lebenserwartung stellen zumeist nur auf den Durchschnitt ab. Lebenserwartung wird aber nicht nur durch genetisch-biologische Faktoren bestimmt, sondern ganz wesentlich auch durch soziale Faktoren beeinflusst.

Während eine steigende Lebenserwartung als Konsequenz des demografischen Wandels vielen Leuten zugutekommt, zeigen jüngste Befunde gleichzeitig, dass es erhebliche Unterschiede zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen gibt, die teils sogar weiter zunehmen. Dies kann trotz einer in den letzten Jahrzehnten ständig besser werdenden medizinischen Versorgung beobachtet werden, da Studien zufolge die Ursachen bei sozioökonomischen Merkmalen wie Bildung, Beruf und Armut liegen. 

Ein Factsheet zur Veranstaltung finden Sie hier

Bildung lohnt sich – am stärksten bei den Männern

  • 35-jährige Akademiker haben eine um 6 Jahre höhere Lebenserwartung als 35-jährige Männer mit Pflichtschulabschluss.

  • Bei Frauen im gleichen Alter mit denselben Referenzkategorien der Bildung beträgt die Differenz 3 Jahre.

  • Im Beobachtungszeitraum von 2001 auf 2016 hat sich die Differenz bei Frauen sogar um 4 Monate verstärkt. 

Frauen leben länger – eklatante Unterschiede je nach Bildungsniveau

  • Der Unterschied in der ferneren Lebenserwartung zwischen 35-jährigen Männern und Frauen mit Pflichtschulabschluss beträgt 5,2 Jahre (42,9 vs. 48,1 Jahre). Männer werden im Durchschnitt 77,9 Jahre und Frauen im Durchschnitt 83,1 Jahre alt.

  • Zwischen Akademikern und Akademikerinnen im Alter von 35 Jahren ist der Unterschied mit 2,3 Jahren erheblich kleiner (49,1 vs. 51,4 Jahre). Akademiker werden im Durchschnitt 83,1 Jahre alt und Akademikerinnen werden im Durchschnitt 86,4 Jahre alt.  

Armut gefährdet Leben

  • Wohnungslosigkeit verkürzt die Lebenserwartung von Männern sogar um etwa 20 Jahre.

  • In der Altersgruppe 15 bis 64 Jahre ist das Sterberisiko der registriert wohnungslosen Männer rund vier Mal so hoch wie jenes in der Gesamtbevölkerung. 

Zahlreiche internationale Studien – beispielsweise aus Deutschland – belegen, dass die Lebenserwartung und die Zugewinne der Lebenserwartung auch in anderen Ländern sehr ungleich verteilt sind. Zu diesem Ergebnis kommt etwa das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW, 2017). Der Zugewinn an fernerer Lebenserwartung über die betrachteten rund 20 Jahre betrug in Deutschland im obersten Einkommenszehntel vier Jahre, im untersten gerade einmal ein Jahr.

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