25.11.2013
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Gutes Leben für alle – ein Entwicklungsmodell für Europa?

Es diskutierten Andreas Novy (Herausgeber , Wirtschaftsuniversität Wien, Grüne Bildungswerkstatt), Alexandra Strickner (Obfrau Attac Österreich) und Markus Marterbauer (AK Wien), moderiert von Karin Fischer (Obfrau Mattersburger Kreis, Autorin)

Das Schwerpunktheft des Journals für Entwicklungspolitik JEP 3/2013 widmet sich der Frage inwieweit sich alternative Entwicklungsansätze aus Lateinamerika für das Europa von heute nutzbar machen lassen.

Reformbewegung in Südamerika

Der Ansatz des „buen vivir“ (gutes Leben) geht auf indigene Traditionen zurück und umfasst nicht nur die materielle Versorgung, sondern auch das Eingebettet sein in soziale Zusammenhänge und ökologische Kreisläufe. Die Reformbewegungen Lateinamerikas haben mit dem Propagieren des „Guten Lebens für alle“ erhebliche Fortschritte für die Lebensbedingungen breiter Bevölkerungsschichten erzielen können, dennoch bleibt noch viel zu tun.

Der europäische Sozialstaat

Die Kernländer Europas haben mit der Implementierung des Sozialstaats in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und dem breiten Ausbau nach 1945 eine gute Grundlage für das „gute Leben für alle“ geschaffen – den Wohlfahrtsstaat. Sozialstaatliche Absicherung und die Bereitstellung öffentlicher Güter und Dienstleistungen ermöglichen breite Teilhabe und verhindern Armut durch staatliche Umverteilung. Es gilt also, den neoliberalen Angriffen auf den Wohlfahrtsstaat Einhalt zu gebieten. Nur ein gut ausgebauter öffentlicher Sektor mit sozialstaatlichen Leistungen und Absicherungen garantiert ein gutes Leben für die Mehrzahl der Bevölkerung. Ein unregulierter kapitalistischer Markt führt zu Reichtum für wenige und zur Verelendung breiter Massen.

Ökologische Implikationen zu kurz gedacht

In beiden Ansätzen, der Reformbewegung Südamerikas und dem europäischen Sozialstaat sind die ökologischen Implikationen zu kurz gedacht. Wirtschaftswachstum durch die Produktion ungeheurer Gütermengen mit wachsendem Material- und Ressourcenverbrauch kann kein Selbstzweck sein. Neben einem Ausbau der sozialen Dienste und des Bildungsbereichs, der Generierung von ressourcenschonenden Arbeitsplätzen, die Einkommen sichern, von denen man leben kann, einer gerechteren Verteilung von Einkommen und Vermögen und einer merklichen Arbeitszeitverkürzung und gerechteren Aufteilung der vorhandenen Arbeit – auch zwischen dem Produktions- und dem Reproduktionsbereich – kurz, dem Ausbau des Wohlfahrtstaates, wären unter anderem eine Dezentralisierung, auch der Energieversorgung, die Herstellung haltbarer und reparierbarer Produkte und Vorrang für den öffentlichen Verkehr anzustreben.

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