24.10.2019

71. Treffpunkt SVP Aktuell: „Gewalt am Arbeitsplatz – Gewaltig daneben!“

ArbeitnehmerInnen verdienen Respekt und Wertschätzung. Die Realität sieht jedoch oft anders aus. Gewalt ist nach wie vor Thema in den Betrieben Österreichs - ob Pflegekräfte, Bankangestellte, LenkerInnen oder KontrollorInnen in öffentlichen Verkehrsmitteln, VerkäuferInnen oder TelefonistInnen – es kann jeden treffen.

20 Prozent der ArbeitnehmerInnen berichten laut Eurofund (2015) von Gewalt und Belästigung an ihren Arbeitsplätzen. Zunehmende Belastungen durch Wettbewerbsdruck, knappe Personalressourcen, termingebundenes Arbeiten, Angst um den Arbeitsplatz sowie fehlende Kommunikation führen zu einer Zunahme des Konfliktpotenzials. Die Tendenz von Gewalthandlungen im Betrieb steigt.

Gewalt am Arbeitsplatz – Eine Lose-lose Situation für alle

Gewalt hat viele Gesichter. Ob Stalking, Mobbing, Bossing, Staffing, (sexuelle) Belästigung oder körperliche Übergriffe. Gewalt ist immer ein Angriff auf die menschliche Integrität und Würde, bedeutet viel Leid für betroffene ArbeitnehmerInnen und hinterlässt oft tiefe Narben. Auch die Konsequenzen für den Betrieb sind beträchtlich: Sinkende Arbeitszufriedenheit, verminderte Motivation und Leistungsfähigkeit, vermehrte Krankenstände und erhöhte Personalkosten, Loyalitätsverlust, Verminderung der Produktivität, Imageverlust oder sogar Schadenersatzforderungen sind Beispiele hierfür. Fakt ist: ArbeitgeberInnen sind verantwortlich für die Prävention sowie den Umgang mit Gewalt und müssen aktiv handeln!

Ich halte das nicht aus! - Maßnahmen gegen Gewalt am Arbeitsplatz

Gewalt und Belästigung sind ein Anschlag auf die Menschenwürde und häufig ein Ausdruck von innerbetrieblichen Machtverhältnissen. Gesetzliche Sanktionen sind wichtig, aber sie greifen oft erst, wenn es bereits zu spät ist. Nämlich dann, wenn die Betroffenen ihren Arbeitsplatz bereits verloren oder freiwillig aufgegeben haben. Patentrezepte gegen Gewalt am Arbeitsplatz gibt es leider nicht. Gewalt am Arbeitsplatz kann dennoch weitgehend verhindert oder zumindest frühzeitig erkannt werden. Wichtig hierfür sind eine betriebliche Sensibilität und Aufmerksamkeit dem Thema gegenüber sowie zielgerichtete präventive Maßnahmen. Eine gute Organisation des ArbeitnehmerInnenschutzes bildet hierfür die Voraussetzung.

Beispiele aus der betrieblichen Praxis

Auf betrieblicher Ebene kann viel getan werden. BetriebsrätInnen können mittels Betriebsvereinbarungen und konkreter Projekte die Problematik aufgreifen und gemeinsam mit den Betroffenen an Lösungen arbeiten. Wir stellten Projekte aus den Bereichen Bankwesen, Handel sowie dem Bildungs- und Beratungsbereich vor und ließen BetriebsrätInnen über ihre Erfahrungen berichten.

Die Veranstaltung zeigte auf, welche Reichweite und Brisanz Gewalt am Arbeitsplatz in unserer Gesellschaft und der heutigen Arbeitswelt hat und welche Lösungsansätze möglich sind.

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