7.11.2019

E-Autos: Faire Produkt-Infos beim Autokauf dringend gesucht!

Wer ein Auto kauft, braucht verlässliche, realitätsnahe Infos, wie umweltfreundlich das Fahrzeug ist. Das gilt auch für das E-Auto. Aus Anlass der neuen AK-Studie „Zur Ökobilanz von E-Autos und was die VerbraucherInnen darüber erfahren“ referierten darüber Expertinnen und Experten aus Arbeiterkammer Wien, Kommission, VerbraucherInnenverbänden und Wissenschaft bei der AK-Veranstaltung „Klimatransparenz beim Pkw – Faire Informationen bei fossilen und alternativen Antrieben“ am 25. Oktober 2019.

Dimitri Vergne (Europäischen KonsumentInnenschutzdachverband BEUC) und Agnes Sauter (Deutsche Umwelthilfe) legten die Defizite der bestehenden und die Anforderungen für eine neue, faire Verbrauchskennzeichnung dar. Im Fokus stand dabei die Überarbeitung der veralteten EU-Richtlinie 1999/94/EG über die Bereitstellung von Verbraucherinformationen über den Kraftstoffverbrauch und CO2-Emissionen beim Marketing für neue Personenkraftwagen. Michael Soder (AK Wien) stellte das Update zur AK-Markt- und Preisanalyse für das Laden an öffentlichen Ladestationen vor und kritisierte die fehlende Vergleichbarkeit und Transparenz für NutzerInnen. 

Holger Heinfellner (Umweltbundesamt Österreich und Autor der AK-Studie) beleuchtete die Energieeffizienz von E-Autos unter allen Gesichtspunkten (zB Vergleich mit Verbrennungsmotoren, Gewicht von Autos und Batterien, Herstellerangaben) und präsentierte erstmals eine Ökobilanz von 33, am österreichischen Markt erhältlichen, E-Pkw. Hinrich Helms (ifeu - Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg) bot einen Überblick über alle Ansätze bei der gesamthaften Erfassung von CO2-Emissionen auf, die beim Auto anfallen können.  

Nikolaus Steiniger (Europäische Kommission – GD Klima) wies auf die Implikationen bei der Verbrauchskennzeichnung durch den neuen Prüfzyklus WLTP Artikel und die Verordnung (EU) 2019/631 zur Festsetzung von CO2 Emissionsnormen für neue Personenkraftwagen hin, die zu realistischeren Angaben bei Verbrauch und Reichweite führt. Die Europäische Kommission soll bis Ende 2020 einen neuen Vorschlag zur Verbrauchskennzeichnung vorlegen. Daher werden vorerst alle Optionen noch offen sondiert.


Sylvia Leodolter (AK Wien) betonte in Ihrem Resümee der Veranstaltung sechs Punkte für eine sinnvolle KäuferInnen-Information. 

  • Eine Ökobilanz für jedes Auto, das nicht nur den direkten Energieverbrauch, sondern alle Faktoren entlang des Lebenszyklus eines Autos (Energiegewinnung, Produktion, Endverwertung) erfasst, muss kommen. Die EU plant dies erst ab 2023. Das ist zu spät.

  • Zur Verkaufsinfo bei jedem Auto gehört eine Zahl, wie viel das Fahren mit diesem Auto über 15.000 Kilometer pro Jahr wirklich kostet (Energiekosten, Steuern, Wartung, Kauf und jährliche Wertminderung).

  • Gleiche Infos im Internet und in den Prospekten! Derzeit gibt es EU-weit keine rechtlichen Verpflichtungen für die Verbrauchsangaben von Neuwagen. Die österreichische Konsumentenschutzministerin führt jetzt auf nationaler Ebene erstmals (!) die Pflicht ein, auch in Internet Verbrauchswerte anzugeben. EU-weit muss dies nach wie vor nur in gedruckten Werbeprospekten geschehen.

  • Realistische Verbrauchsangaben gehören verpflichtend in die Kunden-Information: Verbrauchswerte müssen so angegeben werden, dass sie von allen auf der Straße eingehalten werden können. Das geht mit einem Korrekturfaktor für den offiziellen Prüfzyklus nach dem Vorbild der USA.

  • Europaweit muss es eine einheitliche Verbrauchskennzeichnung nach dem Vorbild des EU-Energielabels geben, mit der Bewertung der Energieeffizienz abgestuft nach sechs Farben.

  • Für elektrisch betriebene Fahrzeuge muss verpflichtend angegeben werden:
    Die Reichweite in Kilometer innerorts und auf Freilandstraßen.
    Einheitliche Angaben bei der verfügbaren Leistung. Der Kapazitätspuffer für die Sicherung der Batterie muss abgezogen werden.

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