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Bau­stel­le Mehr­spra­chig­keit

In dieser zweitägigen Kooperationsveranstaltung von AK Wien, dem Netzwerk Sprachenrechte, der Universität Wien und den Wiener Volkshochschulen ging es um Mehrsprachigkeit als Ressource und Herausforderung – sei es für den Export, für Spitäler, Unternehmen und Banken, Polizei und Militär, für die Bauindustrie und die Berufsbildung. „Baustelle“ meint in diesem Zusammenhang, dass es noch kein abgestimmtes, umfassendes Konzept zur Förderung und für die Nutzung von Mehrsprachigkeit gibt. Darüber hinaus wird im Veranstaltungstitel die AK Studie über die Mehrsprachigkeit auf Großbaustellen angesprochen.

Kurzfilm von der Veranstaltung


Sechs verschiedene Workshops wurden an beiden Tagen angeboten, sie vertieften noch einmal die Vorträge. Ein Tagungsband (erstellt von den Wiener Volkshochschulen) wird die Veranstaltung dokumentieren. Die Veranstaltung wurde von insgesamt 200 TeilnehmerInnen besucht.

Die Zahl der heute weltweit gesprochenen Sprachen beträgt zwischen 3.500 und 7.000, je nachdem, ob man eine Sprache als eigenständige Sprache oder Dialekt definiert. In Österreich gibt es neben Deutsch auch die gesetzlich geschützten Sprachen der autochthonen Minderheiten: Burgenland-Kroatisch, Romanes, Slowakisch, Slowenisch, Tschechisch und Ungarisch. Außerdem ist die Österreichische Gebärdensprache eine anerkannte Minderheitensprache im Verfassungsrang.

Vom Aussterben bedrohte Sprachen

Wie die Weltkulturorganisation UNESCO 2009 feststellte, sind auch in Österreich Sprachen vom Aussterben bedroht: Burgenland-Kroatisch, Romanes und Jiddisch werden in dem Atlas bedrohter Sprachen als definitiv gefährdet bezeichnet.

Die AK hat vor 11 Jahren (2002) den AK Bildungsgutschein eingeführt. Mittlerweile werden fast 50 Prozent aller Gutscheine für Sprachkurse eingelöst. Die AK fördert alle EU-Sprachen und darüber hinaus Bosnisch/Kroatisch/Serbisch, Türkisch, Russisch, Arabisch und Chinesisch, und auch die Gebärdensprache. Zudem finanziert die AK das Projekt „Perfektioniere deine Muttersprache“ in Bosnisch-Kroatisch-Serbisch, Türkisch, Polnisch und in Deutsch.

In der Mehrsprachigkeit von zugewanderten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern liegt ein Sprachschatz, den wir heben sollten, so die AK ExpertInnen auf der Veranstaltung.

Migranten sprechen im Schnitt drei Sprachen

ArbeitnehmerInnen mit Zuwanderungshintergrund sprechen im Schnitt drei Sprachen, so das Ergebnis einer AK-Studie. Vor allem können zwei Drittel der MigrantInnen, die eine andere Alltagssprache als Deutsch verwenden, diese Sprache auch im Arbeitsalltag einsetzen. Das ist ein enormes Potenzial für Wirtschaft und Gesellschaft - damit es wirksam werden kann, müsse es aber auch entsprechend gefördert werden.

Forderung

Um vorhandene Sprachkenntnisse zu verbessern, sollen Sprachkurse in Deutsch, Bosnisch-Kroatisch-Serbisch, Türkisch und anderen Sprachen besser gefördert werden.

  1. Die wichtigsten MigrantInnensprachen sollen in den Schulen verstärkt als zweite Fremdsprache unterrichtet werden. Es gibt Lehrpläne für Englisch, Französisch, Italienisch, Russisch, Spanisch, Tschechisch, Slowenisch, Bosnisch-Kroatisch-Serbisch, Ungarisch, Slowakisch und Polnisch. Nicht für alle diese Sprachen gibt es aber auch eine Lehramtsausbildung. Die AK kann sich auch Türkisch als Maturafach vorstellen.

  2. Gefördert werden soll die Ausbildung von mehr Menschen mit Zuwanderungshintergrund für den öffentlichen Dienst, etwa als LehrerInnen und PolizistInnen.

  3. Unternehmen sollen MigrantInnensprachen, die beruflich engesetzt werden, als Zusatzqualifikation anerkennen und entsprechend honorieren.

Im Rahmen der Veranstaltung wurde auch erstmals die AK Studie „Kommunikation und Sicherheit auf der mehrsprachigen Baustelle“ präsentiert. Das Hauptergebnis der Studie ist: Partieführer, Vizepoliere und Poliere mit Migrationshintergrund sorgen durch ihre Mehrsprachigkeit für mehr Sicherheit und reibungslosere Abläufe auf Großbaustellen. Diese Arbeit als Gratis-Übersetzer wird von den Firmen aber nicht bezahlt. Die mehrsprachigen Vorarbeiter und Poliere, so die Studie, überbrücken die Kluft zwischen der Baustellensprache Deutsch und den anderen Sprachen der Bauarbeiter, die heutzutage auf österreichischen Baustellen arbeiten.

Die Mehrsprachigkeit hat vor allem damit zu tun, dass Generalunternehmen Subfirmen beauftragen, die wiederum Subfirmen beauftragen – und auf Grund der EU-Regeln können inzwischen Firmen aus allen EU-Ländern mitsamt ihren Beschäftigten zu Leistungen auf den Baustellen beauftragt werden. Auf der Hauptbahnhof-Baustelle in Wien beispielsweise wird neben Deutsch auch Slowakisch, Polnisch, Türkisch, Ungarisch, Albanisch oder Portugiesisch gesprochen. Gleichzeitig ist die Baustellensprache Deutsch. Das ist eine besondere Herausforderung für die Verantwortlichen direkt vor Ort.

Die Unternehmen sollen die MigrantInnensprachen, die auf den Baustellen zur Sicherheit und für den reibungslosen Ablauf eingesetzt werden, als Zusatzqualifikation anerkennen und entsprechend honorieren, fordert die AK. Überdies soll mehrsprachiges Info-Material zum Thema Sicherheit auf den Baustellen eingesetzt werden. Spezifische Sprachkurse in Deutsch sollen besser gefördert werden.

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