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Erzielen die Programme der aktiven Arbeitsmarktpolitik in Österreich ihre beabsichtigten Wirkungen?

Systematische Debatte zu den Wirkungen der Programme der aktiven Arbeitsmarktpolitik statt – eigentlich ein bemerkenswertes Faktum! Dies ist auch insofern erstaunlich, als einerseits auf wissenschaftlicher Ebene sowohl international, aber auch in Österreich durchaus über die Effekte von Maßnahmenteilnahmen diskutiert wird; und andererseits werden nicht unerhebliche öffentliche Mittel investiert in die Umschulung und Wiedereingliederung von Arbeitslosen in den Arbeitsmarkt, sodass eine breitere politische Diskussion über die Verwendung von öffentlichen Mitteln angebracht wäre. 

Der vorliegende Survey stellt exemplarisch zehn so genannte „State of the Art“-Evaluierungen vor, um aus ihnen einen möglichen Reformbedarf für die österreichische Arbeitsmarktpolitik abzuleiten. Dabei wird der Focus auf die Wirkungen der Programme auf Beschäftigung, Arbeitslosigkeit, Einkommen etc. im Vergleich zu einer Kontrollgruppe gelegt. Mit dieser Vorgangsweise sind zumindest ein Vor- und ein Nachteil verbunden: Die Wirkungsforschung sollte das Herzstück jeder Evaluierung darstellen, weil sie die zentrale Frage zu beantworten sucht: Macht die Programmteilnahme Sinn im Vergleich zu Nicht-Teilnahme? Der Nachteil besteht in einer gewissen argumentativen „Engführung“, weil Kontext- und Problemanalyse möglicherweise zu kurz kommen, weil politische und institutionelle Faktoren unberücksichtigt bleiben, weil Kosten-Nutzen-Analyse fehlen und weil alle außer-ökonomischen Aspekte wie die Auswirkungen auf Kriminalität, den sozialen Frieden, die psychologische Verfasstheit der Betroffenen, etc. aus dem Blickfeld geraten können. Dies sind entscheidende Nachteile dieser „hard-core“-Evaluierungen, die sich v.a. auf Wirkungen beschränken. 

Obwohl die behandelten Evaluierungen in Bezug auf die einzelnen arbeitsmarktpolitischen Instrumente nicht immer zu eindeutigen Ergebnissen kommen, lassen sich doch folgenden Tendenzen ableiten:

  • Insgesamt scheint die Arbeitsmarktpolitik die Beschäftigungsentwicklung nicht zu beeinflussen, was mit den Größenordnungen von Arbeitslosigkeit und (Gesamt-)Beschäftigung zusammenhängen dürfte, aber auch damit, dass im Durchschnitt der TeilnehmerInnen und Maßnahmen die Programmteilnahmen keine besonderen Wirkungen auf die teilnehmenden Personen im Vergleich zur nicht-teilnehmenden Kontrollgruppe entfalten.
  • Frauen schneiden häufig besser ab als Männer, die Programme wirken oft nicht für Höherqualifizierte (AkademikerInnen), aber auch nicht für Jugendliche, im Gegensatz zu Personen über 50 Jahren.
  • Diese Effektheterogenität ist ein herausragendes Ergebnis: Selten (wie etwa bei den Orientierungshilfen) wirken die Programme für niemanden, fast immer zeigt sich, dass einige Gruppen von der Teilnahme profitieren. Dies kann nur als klarer Auftrag zu Umgestaltung, zum Re-Design der Maßnahmen angesehen werden.
  • Um zwei Beispiele herauszugreifen: Bei den Eingliederungsbeihilfen sollten durch eine stärkere zielgruppenspezifische Auswahl der TeilnehmerInnen die Mitnahmeeffekte reduziert werden; zudem sollten mehr Frauen, weniger Männer, mehr über 45-jährige und weniger Jugendliche gefördert werden. Bei den Qualifizierungsmaßnahmen sollte vermehrt die Finanzierung von Kursen auf dem freien Markt (durch die Übernahme von Kurskosten) unterstützt werden; bei den so genannten Träger-Kursen sollte ein Schwerpunkt auf Frauen im Haupterwerbsalter gelegt werden.

Abschließend noch ein eher technisch klingender Hinweis, dem jedoch erhebliche Bedeutung beikommt: Wie die Darstellung der einzelnen wissenschaftlichen Untersuchungen gezeigt hat, sind trotz des erheblichen methodischen Aufwandes, der im Zusammenhang mit der Ermittlung von Kontrollgruppen betrieben wird, offensichtlich verbleibende Probleme hinsichtlich der Vergleichbarkeit der Gruppe der TeilnehmerInnen mit der Kontrollgruppe bisher zu wenig berücksichtigt worden. In diesem Zusammenhang stellt sich beispielsweise die Frage, ob der nicht unwesentliche Faktor „Motivation“ tatsächlich gut approximiert wird mit der bisherigen Erwerbskarriere. Dies ist ein Problem, das etwa bei der Evaluierung der Bildungskarenz offensichtlich nicht vollständig gelöst werden konnte.
Der Survey ist jedenfalls gedacht als ein Beitrag, die Debatte um die Wirkungen von aktiven Maßnahmen anzuregen! Material dazu liefert er allemal – und in großem Umfang.


Art der Publikation Studie
Datum / Jahr 2013
HerausgeberIn Arbeiterkammer
AutorIn Johannes Schweighofer
ISBN 978-3-7063-0455-9

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