28.11.2018

Lehrlingsförderung: Unternehmen müssen mehr für die Ausbildung tun

„Das ist ein wichtiger erster Schritt, um auch Unternehmen bei der Fachkräfteausbildung in die Pflicht zu nehmen“, lobt AK Präsidentin Renate Anderl das heute von der Bundesregierung angekündigte Paket zur Lehrlingsförderung. „Dass die Jugendarbeitslosigkeit bei uns vergleichsweise niedrig ist, haben wir vor allem der öffentlich finanzierten überbetrieblichen Lehrausbildung zu verdanken. Jetzt sieht auch die Regierung ein, dass die Unternehmen mehr Verantwortung übernehmen müssen, statt ständig über den angeblichen Fachkräftemangel zu jammern.“ Gleichzeitig warnt Anderl davor, Fachkräfte aus dem Ausland anzuwerben: „Das bringt unseren Jugendlichen keine einzige zusätzliche Lehrstelle.

Grundsätzlich positiv sieht Anderl die Charta zur Selbstverpflichtung von Unternehmen, Jugendlichen in der überbetrieblichen Lehre Praktikumsplätze anzubieten: „Die überbetriebliche Lehrausbildung wurde auf Basis einer Sozialpartnereinigung für Jugendliche eingerichtet, die trotz Suche in den Betrieben keine Lehrstelle bekommen haben.“ In Kooperation mit dem Arbeitsmarktservice habe man auf diesem Wege erreicht, dass von ursprünglich 22.500 Jugendlichen ohne Lehrstelle in einem Betrieb 15.600 einen Ausbildungsplatz haben oder in Schulung sind. 

„Den Vorschlag der Regierung, Asylberechtigte und Arbeitslose auf eine Lehre vorzubereiten, hält die AK Präsidentin für sinnvoll. Vor dem Hintergrund der Schaffung neuer Berufsbilder erinnert Anderl daran, dass diese erfolgreich von den Sozialpartnern ausverhandelt wurden. „Ich denke, die Regierung wäre gut beraten, auch künftig auf das Fachwissen der Sozialpartner zu setzen“, betont Anderl. 

Der geplanten Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland, kann Anderl nichts abgewinnen: „Erstens haben wir in Österreich genug Jugendliche und Arbeitssuchende, die von den Unternehmen nur entsprechend ausgebildet werden müssen. Zweitens wissen wir aus Erfahrung, dass diese Praxis den Druck auf die Löhne in Österreich erhöht.“ 

Erklärungsbedarf gibt es laut Anderl bei der Ankündigung, die Förderung für die Vermittlung von Lehrstellensuchenden von 10 auf 20 Millionen Euro aufzustocken. Bis jetzt ist nämlich völlig unklar, wofür das Geld in diesem Fördertopf eigentlich verwendet wird. 

Beim Thema Finanzierung der Lehrstellenförderung gibt es zwischen Regierung und AK bisher ebenfalls keinen Konsens. Die bisherige Finanzierung der Lehrstellenförderung soll ja laut Regierungsprogramm abgeschafft werden. Bisher wurde diese Förderung aus Arbeitgeberbeiträgen zum Insolvenzfonds gedeckt. Künftig soll dieser Betrag aus der Arbeitslosenversicherung bezahlt werden. „Damit werden schon wieder die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zur Kassa gebeten werden, obwohl sie für den Lehrstellenmangel nicht verantwortlich sind. Das lehnen wir ab.“

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