11.7.2018

Kinderbetreuung: Nächster Streich folgt sogleich!

Nur noch 110 statt 140 Millionen Euro im Jahr wird die Regierung den Ländern künftig für den weiteren Ausbau der Kinderbetreuung zur Verfügung stellen. „Das alleine wäre an Hiobsbotschaft schon genug. Doch in Kombination mit der Einführung des 12-Stunden-Arbeitstages wird das allen Eltern jetzt endgültig die Ferien verderben“, kritisiert AK Präsidentin Renate Anderl und fragt: „Länger arbeiten, aber weniger Geld für Kinderbetreuung – sieht so Vereinbarkeit aus?“ 

Kinderbetreuung und elementare Bildung sind eines der wichtigsten Zukunftsthemen überhaupt. Sie sind unverzichtbar für eine fortschrittliche Politik, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für beide Elternteile ermöglicht – und essentiell für die Chancengleichheit der Kinder. So weist etwa eine Studie der Wirtschaftsuniversität nach, dass Kinder, die den Kindergarten besucht haben, nicht nur länger im Bildungssystem verbleiben, sondern auch eher einen höheren Bildungsabschluss machen und damit dann später ein höheres Einkommen erzielen. 

„Es ist daher für mich völlig unverständlich, warum die Regierung ausgerechnet in diesem Bereich spart“, kritisiert Anderl und weist erneut darauf hin, dass „die Herausforderungen in Zukunft mit dem 12-Stunden-Tag noch größer werden – vor allem, was die Öffnungszeiten anbelangt“.  

Zudem ist auch angesichts der großen Unterschiede zwischen den Bundesländern eine einheitliche Zielvorgabe nicht sinnvoll. So haben in Wien 44 Prozent der Kinder unter drei Jahren einen Platz in einem Kindertagesheim, in Oberösterreich sind es nur 16 Prozent.  

Auch im internationalen Vergleich wurde Österreich im Bereich der Kinderbildung schlichtweg abgehängt. Zwar haben sich die Ausgaben für Kinderbetreuung seit 1980 verdoppelt, in anderen Ländern stiegen sie aber um ein Vielfaches. Die Folge: Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien, Irland und Spanien haben Österreich mittlerweile überholt.

Forderung

Die AK fordert daher mindestens 100 Millionen Euro im Jahr vom Bund nur für den Ausbau, zudem zumindest eine Verdopplung der Sprachförderung auf 40 Millionen Euro pro Jahr und ein zweites kostenloses Kindergartenjahr. Damit müsste die Bundesregierung mindestens 280 Millionen Euro zur Verfügung stellen, um die drängendsten Herausforderungen zu bewältigen. „Das müssen uns unsere Kinder und ihre Zukunft doch wohl wert sein“, betont Anderl.