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Nachhilfe: Hoher Lerndruck auf Familien

101 Millionen Euro für private Nachhilfe – und die Arbeit von 48.000 Vollzeitbeschäftigten durch unfreiwilliges Lernen mit den Kindern zu Hause: Die Schule fordert die Familien weiterhin stark. Die Arbeiterkammer fordert hochwertige Ganztagsbetreuung und mehr individuelle Förderung für die Kinder. „Der Schulerfolg unserer Kinder darf nicht davon abhängen, wie gut die Eltern selbst ihren Kindern beim Lernen helfen oder wie viel bezahlte Nachhilfe sie sich leisten können“, sagt AK Präsident Rudi Kaske. Die aktuelle österreichweite Befragung von 2.901 Familien ergibt: Nur Ganztagsschulen entlasten die Eltern und ihre Kinder vom Lernstress zu Hause. Sonst ist die Belastung hoch – mit starkem Stress in den Familien selbst.

  • Vier von fünf Müttern oder Vätern sind nach Dienstschluss unfreiwillige Hilfslehrer für ihre Kinder – mehr als im Vorjahr. Sie leisten gratis die Arbeit von 48.000 Vollzeitbeschäftigten. Und fast zwei Drittel tun sich fachlich schwer damit, den Kindern beim Lernen zu helfen.

  • Die Familien können den Lerndruck seltener auffangen, indem sie zusätzlich private Nachhilfe organisieren: Die Eltern bemühen sich für 21 Prozent der Kinder um Nachhilfe (2012: 27 Prozent). Hochgerechnet sind das 210.000 Kinder, von denen 50.000 auf Gratis-Nachhilfe angewiesen sind und 40.000 keine Nachhilfe bekommen – vor allem, weil die Eltern nicht zahlen können.

  • Die Kostenbelastung der von Nachhilfe betroffenen Familien ist im Vergleich zum Vorjahr unverändert hoch: pro Familie 679 Euro im Jahr, pro Kind 613 Euro im Jahr. Weil aber mehr Eltern mit den Kindern selber lernen, sinken die Gesamtausgaben für Nachhilfe von 107 auf 101 Millionen Euro.

    „Die Halbtagsschule übernimmt zu wenig Verantwortung für den Lernerfolg der Kinder“, sagt Kaske. Die Mehrheit der von Nachhilfe betroffenen Eltern wünscht sich bessere Unterrichtsgestaltung, schulische Nachmittagsbetreuung oder gleich die Ganztagsschule. 
Forderung

Die Vorschläge der AK:

  • den Unterricht so gestalten, dass die Kinder „mitkommen“;
  • individuelle Förderung im regulären Schulunterricht;
  • strenge Qualitätskontrolle beim Ausbau der Ganztagsbetreuung.


Lerndruck auf die Familien steigt

Vier von fünf Müttern oder Vätern (81 Prozent) kontrollieren nach Dienstschluss die Hausübungen ihrer Kinder und lernen mit ihnen für Prüfungen und Schularbeiten. Ihr Anteil ist im Jahresvergleich gestiegen – voriges Jahr sagten 77 Prozent der Eltern, dass sie zu Hause mit den Kindern lernen. Am häufigsten lernen die Eltern am Nachmittag nach wie vor mit Volksschulkindern (90 Prozent), aber auch noch in der Oberstufe (bis zu 58 Prozent). Gleichzeitig ist der Anteil der Eltern gestiegen, die so gut wie täglich oder mehrmals die Woche mit den Kindern lernen. 


So oft lernen die Eltern mit den Kindern am Nachmittag

(in %; inkl. Mehrfachnennungen bei mehreren Kindern in der Familie)


So oft lernen die Eltern mit den Kindern am Nachmittag © AK, AK Wien


Die Eltern und ihre Kinder kostet das gemeinsame Lernen nach Dienstschluss in etwa 82 Millionen Stunden Freizeit im Jahr – das entspricht der Arbeit von 48.000 Vollzeitbeschäftigten.

Stress im Wohnzimmer

Erstmals hat die Arbeiterkammer heuer erheben lassen, wie stark sich die Familien durch das Lernen am Nachmittag belastet fühlen. Ergebnis: Die Mehrheit hat beim Lernen mit den Kindern Probleme.

Fast zwei Drittel tun sich fachlich schwer, den Kindern zu helfen – 26 Prozent in jedem Schulfach, 34 Prozent je nach Fach. Besonders schwer tun sich Eltern, die nicht zur „oberen“ Bildungsschicht gehören. Von jenen, die selbst einen Pflichtschulabschluss haben, sagen 76 Prozent, dass sie ihren Kindern zumindest in einzelnen Fächern nur schwer helfen können „Vor diesem Hintergrund bedeutet Schule für die Eltern und ihre Kinder Stress, Ärger und Konflikte miteinander“, sagt AK Präsident Rudi Kaske. „Es ist nicht einzusehen, dass weder für die Eltern noch für die Kinder die Arbeit am Abend vorbei ist.“

Hohe Nachhilfekosten – für viele unleistbar

Heuer bemühen sich die Familien für 21 Prozent der Kinder um Nachhilfe – wobei die private Nachhilfe das Lernen mit den Kindern nicht ersetzt, sondern aufdoppelt. Dabei sind die Kosten der von Nachhilfe betroffenen Familien im Vergleich zum Vorjahr unverändert hoch: pro Familie 679 Euro im Jahr, pro Kind 613 Euro im Jahr (2012: 670 Euro pro Familie und 606 Euro pro Kind). Weil aber mehr Eltern mit den Kindern selber lernen, sinken die Gesamtausgaben für Nachhilfe von 107 auf 101 Millionen Euro.

Private Nachhilfe und Kosten nach Schulen

(in Prozent)

  kostenlos bezahlt gesamt Ausgaben/Kind in €
  12 13 12 13 12 13 12 13
ges 6 5 15 12 20 17 606 613
VS 3 2 3 2 6 4 545 547
HS 8 7 13 11 21 18 528 528
NMS 6 7 19 14 24 21 482 572
AHS-U 5 4 18 13 22 18 668 610
AHS-O 6 7 31 25 36 30 656 832
BMS 8 4 24 19 30 23 646 582
BHS 6 7 26 20 31 27 537 621

Schule legt Nachhilfe nahe!

Diesmal wurde auch gefragt, ob den Eltern von der Schule schon einmal nahegelegt wurde, für das Kind Nachhilfe zu engagieren. Tatsächlich bestätigten das 13 Prozent der Eltern. Drei Viertel, denen zu Nachhilfe geraten wurde, haben den Rat der Schule auch befolgt. Die meisten von ihnen haben für ihr Kind dann bezahlte Nachhilfe genommen (53 Prozent).


Wenig Geld – keine Nachhilfe

„Es ist nicht akzeptabel, dass die Schule auch nur irgendjemanden zwingt, für private Nachhilfe zu zahlen – oder sogar von sich aus dazu rät. Lernen soll in der Schule stattfinden“, sagt AK Präsident Rudi Kaske: „Besonders ungerecht ist das gegenüber Familien, die sich Nachhilfe nur schwer oder nicht leisten können.“ Schlechtere Chancen haben dadurch die Kinder von WenigverdienerInnen:

  • Nicht alle Kinder, die Nachhilfe brauchen, bekommen sie: Von den 210.000 Kindern, für die sich heuer die Eltern um Nachhilfe bemühen, bekommen 40.000 keine Nachhilfe – vor allem, weil es sich die betroffenen Familien oft nicht leisten können. Am häufigsten haben dieses Problem Familien mit monatlich netto bis zu 1.300 Euro Haushaltseinkommen (15 Prozent). Familien mit netto über 3.000 Euro Haushaltseinkommen bekommen nur zu vier Prozent trotz Bedarf keine Nachhilfe.

  • WenigverdienerInnen haben wesentlich seltener bezahlte Nachhilfe für ihre Kinder als BesserverdienerInnen: Nur 8 Prozent der bezahlten Nachhilfe wird Kindern aus Familien mit monatlich netto bis zu 1.600 Euro Haushalteinkommen gegeben, aber 34 Prozent der Familien mit zu 2.500 Euro netto – und mehr als die Hälfte (58 Prozent) Familien mit über 2.500 Euro netto.

Ein Lichtblick: die echte Ganztagsschule

Der Anteil der Schulkinder in Nachmittagsbetreuung ist zuletzt gestiegen – der Ausbau der ganztägigen Angebote läuft – vor allem in den Volksschulen. Interessant ist deshalb, ob sich dadurch der Lernaufwand der Eltern mit den Kindern reduziert. Tatsächlich gibt es einen Lichtblick: In der echten Ganztagsschule, in der Unterricht, Üben, Sport und Freizeit über den ganzen Tag verteilt sind, müssen die Eltern seltener selber mit den Kindern lernen als in der Halbtagsschule. In der Ganztagsschule lernen 20 Prozent der Eltern täglich mit den Kindern, im Durchschnitt aller Volksschulen müssen 55 Prozent der Eltern täglich mit den Kindern lernen. 

Lernaufwand der Eltern mit Kindern in Nachmittagsbetreuung

(in % der Familien; inkl. Mehrfachnennungen bei mehreren Kindern in der Familie) 


Lernaufwand der Eltern mit Kindern in Nachmittagsbetreuung © AK, AK Wien


Eine Schule, die hilft – dringend gebraucht

„Die Eltern erwarten sich eine Schule, die ihren Kindern beim Lernen hilft, die die Verantwortung für den Lernerfolg nicht in die Wohnzimmer der Familien abschiebt“, sagt Kaske. Um die Belastungen durch Nachhilfe zu senken, stehen bessere Unterrichtsgestaltung, schulische Nachmittagsbetreuung oder gleich die echte Ganztagsschule auf dem Wunschzettel der Eltern, die für Nachhilfe zahlen müssen. 

Schluss mit Nachhilfe: Was die betroffenen Eltern für ihre Kinder wünschen

(in %; Mehrfachnennungen möglich)


Schluss mit Nachhilfe: Was die betroffenen Eltern für ihre Kinder wünschen © AK, AK Wien


Schule muss mehr fördern

„Entweder für Nachhilfe zahlen oder den Schulerfolg der Kinder riskieren – das kann nicht die Alternative sein. Deshalb muss die Schule mehr fördern“, sagt AK Präsident Rudi Kaske. Damit die Schule Verantwortung für den Lernerfolg der Kinder übernehmen kann, will die Arbeiterkammer hochwertige Ganztagsbetreuung und mehr individuelle Förderung für die Kinder:


  • Beim weiteren Ausbau der Ganztagsbetreuung sind jetzt die Schulerhalter gefragt. Der Bund stellt ab 2014 jährlich 160 Millionen Euro für den Ausbau der Ganztagsbetreuung zur Verfügung. Nun sind die Schulerhalter, Länder und Gemeinden, aufgefordert, diesen Ausbau rasch und zügig in bester Qualität durchzuführen.

    Geachtet werden soll auf Qualität durch passende Räume; durch kindgerechte Freizeitgestaltung; durch gesundes Mittagessen; durch fachlich bestqualifizierte BetreuerInnen. Begleitend zum Ausbau soll überprüft werden, ob und wie sich dadurch die Leistungen der Kinder verbessern.

    „Entscheidend ist“, so Kaske, „dass die Schultasche unter der Woche in der Schule bleibt. Das Lernen soll in der Schule bleiben. Und es soll auch auf den Biorhythmus der Kinder geachtet werden. Es hat keinen Sinn, gleich in der Früh alles im Unterricht in die Kinder hineinstopfen zu wollen. Besser ist es, die Kinder abwechslungsreich für das Lernen zu begeistern und durch den Schultag zu begleiten.“

  • Verstärkte Kompetenzorientierung im Unterricht: Ein moderner Unterricht ist darauf ausgerichtet, dass die Schüler lernen, das Gelernte auch im Alltag anzuwenden. Dazu gehört zusätzlich zum Vortragen der Inhalte auch Üben, Festigen und Anwenden des Gelernten. Ein Beispiel: In Modellschulen wird zum Beispiel der Unterricht fächerübergreifend unter das Thema Wasser gestellt – und am Schluss bauen die SchülerInnen einen Brunnen, unter Einsatz all dessen, was sie in Mathematik, Physik oder Deutsch gelernt haben.

  • Individuelle Unterstützung, wenn in der Schule das Scheitern droht: Läuft ein Kind Gefahr, zum Schulschluss negativ abzuschließen, sollen Lernförderung und sozialpsychologische Betreuung in der Schule verpflichtend sein. Dafür brauchen die Schulen die nötige Unterstützung von Fachkräften.

  • Ausbau der kostengünstigen Angebote an institutioneller Betreuung in den Ferien mit Lernhilfe und individueller Förderung Daten zur Untersuchung: Ifes-Befragung unter österreichweit 2.901 Haushalten mit 4.996 Schulkind/ern. Befragungszeitraum April 2013. Zahlen für 2012 aus einer Ifes-Befragung unter österreichweit 2.851 Haushalten mit Schulkind/ern im Zeit-raum März/April 2012.


Daten zur Untersuchung: Ifes-Befragung unter österreichweit 2.901 Haushalten mit 4.996 Schulkind/ern. Befragungszeitraum April 2013. Zahlen für 2012 aus einer Ifes-Befragung unter österreichweit 2.851 Haushalten mit Schulkind/ern im Zeitraum März/April 2012.

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