Das Grab von Gramsci © Alessandro, stock.adobe.com
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7.4.2022

Gramsci-Preis Verleihung der AK Wien

Bei der Gramsci-Preis-Verleihung am 7.4. 2022 werden gleich zwei Forscher:innen geehrt. Aufgrund von Corona wird der Preis erst heuer für die Jahre 2020 und 2021 feierlich übergeben.

Der Preis

Der mit 5.000 Euro dotierte „Antonio Gramsci Preis für kritische Forschung in der Migrationsgesellschaft“ der AK Wien in Kooperation mit der Universität Bielefeld zeichnet Dissertationsarbeiten aus, die migrationsgesellschaftliche Verhältnisse mit Bezug auf die Sektoren Erwerbstätigkeit, soziale Ungleichheit, Bildung und/oder Subjektivität als Herrschaftsverhältnisse untersuchen und einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung des direkt oder indirekt an Gramsci anschließenden Denkens der Kritik leisten.

„Fast die Hälfte unserer 950.000 Mitglieder hat einen Migrationsbezug. Nicht zuletzt in der Corona-Krise wurde deutlich, wie sehr unser Land von Menschen am Laufen gehalten wird, die nicht in Österreich geboren wurden oder deren Eltern eingewandert sind“, sagt Ilkim Erdost, Bereichsleiterin für Bildung in der Arbeiterkammer Wien.

Aus den Beratungen und Studien der Arbeiterkammer geht hervor, dass Migrant:innen in der Arbeitswelt besonders oft prekär beschäftigt sind, weniger verdienen, seltener in führenden Positionen zu finden sind und Diskriminierungen ausgesetzt sind.

„Es ist ein zentrales Anliegen der Arbeiterkammer Spaltungen innerhalb der Erwerbstätigen nach Herkunft, Erstsprachen und Geburtsorten entgegenzuwirken. Die eingereichten und ausgezeichneten Dissertationen für den Antonio Gramsci Preis sind für unser Arbeit wertvolle Denkanstöße, um die Interessen der vielfältigen Arbeitnehmer:innen vertreten zu können“, so Ilkim Erdost.

Preisträgerin 2020: „Fremd in der Heimat und der Ferne“

Die Historikerin Olga Sparschuh ist die Preisträgerin des Gramsci-Preises aus dem Jahr 2020. Sie untersucht in ihrer Arbeit „Fremd in der Heimat und der Ferne“ u.a. die Schlagkraft von Arbeitnehmer:innen verschiedener Herkunft in der Auseinandersetzung mit den Arbeitgeber:innen.

Zusammenhalt ist die wichtigste Voraussetzung für Arbeitnehmer:innen um in der Auseinandersetzung mit den wirtschaftlich stärkeren Arbeitgeber:innen ihre Interessen durchsetzen zu können. Diesen Zusammenhalt herzustellen ist daher eine der Grundaufgaben von Gewerkschaften und Arbeiterkammer und stellt aufgrund der zunehmenden grenzüberschreitenden Beweglichkeit der Arbeitskräfte eine große Herausforderung dar.

Olga Sparschuh untersucht diese Schwierigkeiten anhand des Beispiels italienischer Arbeitsmigration aus dem Mezzogiorno, dem Süden Italiens zwischen 1953 bis 1973 in deren wichtigste Zielstädte Turin und München.

„Die Jury würdigt die Arbeit von Olga Sparschuh als eine außergewöhnlich fundierte und innovativ angelegte und durchgeführte Studie. Die Preisträgerin zeigt quellenreich auf, wie Arbeitsmigration, obschon mit starken Einschränkungen vielfältiger Art konfrontiert, auch Gelegenheiten von politischer Artikulation und politischen Handelns schafft“, so Jury-Vorsitzender Paul Mecheril von der Universität Bielefeld.

Preisträger 2021: „Europe as Border“

Der Kulturanthropologe Bernd Kasparek, ist der Preisträger des Gramsci-Preises 2021. Er untersucht in seiner Arbeit die Geschichte und Praxis der europäischen Grenzschutzagentur Frontex. Diese hat seit ihrer Gründung im Jahr 2004 nicht nur ein außergewöhnliches Wachstum bezüglich ihrer exekutiven Konsequenzen, ihres Personals und ihres Budgets verzeichnet, sondern mittlerweile stellt sie die zentrale Institution der Migrationskontrolle in der Europäischen Union dar.

„Das Regieren Europas als Regieren von Migration(en) wird in der Arbeit von Bernd Kasparek nicht nur am Beispiel der Grenzschutzagentur Frontex überaus kenntnisvoll rekonstruiert, vielmehr, so die Jury, legt Kasparek eine Studie vor, der durchaus ein paradigmatischer Status im Rahmen ethnographischer Grenzregimeanalyse zukommt“, sagt der Migrationsforscher Mecheril.

Die Verleihung

Programm

Begrüßung:                                           Ilkim Erdost Bereichsleiterin Bildung

Ansprache der Initiatorin:                   Lena Karasz, AK Wien Laudationes:
                                                                Christoph Reinprecht, Migrationsforscher der Uni Wien
                                                                 und Dirk  Rupnow, Historiker an der Uni Innsbruck

Ansprache der Preisträgerin 2020:   Olga Sparschuh

Ansprache des Preisträgers 2021:    Bernd Kasparek

Zeit und Ort

07.04.2022: 18:00 Uhr
Bibliothek der AK Wien

Prinz-Eugen-Straße 20-22
1040 Wien 

Die Veranstaltung wird musikalisch begleitet vom Duo Riedler/Gruber. Anschließend bitten wir zu einem kleinen Empfang. Die Teilnahme ist kostenlos.

Kontakt

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Pressestelle der AK Wien und der Bundesarbeitskammer

Tel. : +43 1 50165 12565
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